No free lunch? Silicon Valleys Arbeitgeber im Kampf um Talente

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt, Gehalt am Dienstag, 5. August 2014 um 10:26

Schlafecken, kulinarische Verpflegung und ein Einstiegsgehalt von 7.000 US-Dollar: Die Arbeitsverhältnisse bei Tech-Startups klingen faszinierend. Aber was ist an der übertriebenen Unternehmenskultur wirklich dran? Die Antwort auf diese Fragen gibt es heute wieder von Elisabeth Oberndorfer. Die Wiener Journalistin mit oberösterreichischen Wurzeln gibt einen weiteren Einblick in das Arbeiten und Leben in der Tech-Metropole.

Ein Gastbeitrag von Elisabeth Oberndorfer

Kultur ein wichtiger Faktor für Arbeitnehmer

Elisabeth Oberndorfer

Elisabeth Oberndorfer

„Und übrigens: Wir suchen Mitarbeiter!“ – Mit diesem Satz endet beinahe jede Diskussionsveranstaltung oder Unternehmensvorstellung im Silicon Valley. In der Tech-Branche herrscht der Kampf der Talente, und die großen und kleinen Arbeitgeber locken potenzielle Arbeitnehmer mit mehr als nur einem attraktiven Jahresgehalt. „Company Culture“ ist das Schlüsselwort, das Unternehmen jeder Größe von drei bis 3.000 Mitarbeitern groß schreiben. Zurückzuführen ist dieser Trend auf den Fachkräftemangel. Ob dieser wirklich existiert, darüber streitet die Fachpresse beinahe wöchentlich. Ausschließlich alle Unternehmenschefs, mit denen ich in den vergangenen zwei Jahren gesprochen habe, waren immerhin auf der Suche nach Programmierern. Die Entwickler sind die meistgesuchte Berufsgruppe. Hoch im Kurs stehen außerdem Datenspezialisten.

Verpflegung von früh bis spät

Silicon Valley GoogleWer bei einem typischen Silicon Valley-Startup arbeitet, braucht das Büro nur mehr zum Schlafen verlassen. Von Frühstück über Snacks, Morgen-Yoga, Mittagsbuffet und Reinigungsdienst bieten Unternehmen zahlreiche Benefits, damit so viel Zeit wie möglich mit der Erwerbstätigkeit verbracht wird. Die Wohnplattform Airbnb etwa ist für seine Küche bekannt, das Social Media-Startup Buffer fördert „Powernapping“, also einen kurzen Mittagsschlaf, um effizient nach dem Essen weiterzuarbeiten. Bei Pinterest dürfen die Abteilungen ihre Arbeitsplätze selbst einrichten – sodass sie wie ein wahr gewordene Pinnwand des Visual Bookmarking-Portals aussehen.

Jahresgehalt ab 100.000 Dollar

Wenn das nicht reicht, kommt der Geldfaktor ins Spiel. Praktikanten verdienen pro Monat bis zu 7.000 US-Dollar brutto. Für Entwickler fangen die Jahresgehälter meist bei 100.000 US-Dollar an, andere Stellen bei Silicon Valley-Arbeitgebern beginnen in der 75.000 Dollar-Range. Das klingt erst einmal übertrieben hoch. Allerdings müssen die Arbeitnehmer mit hohen Lebenskosten rechnen. Ab 1.500 US-Dollar muss für ein Zimmer oder eine winzige Wohnung in der boomenden Wirtschaftsregion eingerechnet werden.

Die zwei Seiten des Arbeitsmarktes

Silicon Valley JobDer Kampf um die Talente hat auch zur Folge, dass die gesuchten Fachkräfte den Arbeitsmarkt sehr entspannt bewerten. Kurzfristige Arbeitslosigkeit schreckt hier niemanden ab, wer Programmierkenntnisse hat, hält sich mit ein paar Projekten über Wasser und lässt sich von Headhuntern umwerben. So einfach ist es jedoch nicht für alle. Wer in anderen Professionen wie Marketing zuhause ist, hat es weitaus schwerer. Hier werden die HR-Abteilungen mit Bewerbungen überflutet, und da es im Gegensatz zum technischen Bereich weniger offene Stellen gibt, müssen Arbeitssuchende aus der Menge hervorstechen oder besonders gut vernetzt sein, um einen Job zu finden.

Goodies und Freiheiten

Goodies und BenefitsFür die Kollegen mittendrin scheint das Leben im Büro mit allen Goodies und Freiheiten ein perfekter Arbeitsplatz zu sein. Von außen hat das Abfeiern der Unternehmenskultur etwas sektenhaftes: In den Startups entsteht eine Community, die gemeinsam arbeitet, den Spirit lebt und auch noch die Freizeit miteinander verbringt. Besonders aus österreichischer Sicht wirken diese Konstellationen übertrieben. „There’s no such thing as a free lunch“, besagt eine amerikanische Redewendung – alles hat seinen Preis. Bei einem Arbeitsplatz in einem der modernen Tech-Startups ist es die teilweise Aufgabe des Privatlebens, persönliche Zeit wird beinahe unbemerkt in das Unternehmen investiert. Aber wir können etwas von der Unternehmenskultur im Silicon Valley lernen: die Arbeitnehmer mehr zu schätzen und Talente als Ressource und nicht als Kostenstelle zu sehen.  Denn obwohl das meiste, was in der Branche produziert wird, nur virtuell besteht, so werden die Menschen dahinter in den Vordergrund gestellt.

Zur Person: Elisabeth Oberndorfer

Elisabeth Oberndorfer zog im Winter 2013 nach San Francisco, um als freie Korrespondentin für deutschsprachige Medien über Silicon Valley zu berichten. Seit Juli 2014 splittet sie ihr Berufsleben zwischen Wien, Gmunden und San Francisco auf und arbeitet derzeit an ihrem eigenen Onlinemagazin, fillmore.at.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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