Frauen in Top-Jobs: Fehler machen verboten!

von in HR am Freitag, 4. Februar 2011 um 12:55

Ein Thema, das polarisiert – Frauenquoten. Brauchen wir gesetzliche Vorgaben, um Gleichbehandlung der Geschlechter in österreichischen Unternehmen durchzusetzen? Fakt ist: In den Vorständen der 20 börsennotieren österreichischen Unternehmen liegt das Verhältnis Frauen:Männer bei 1:83, wie der Kurier berichtet. Die „Frau Vorstandsdirektor“ wird also noch länger eine Rarität in den Führungsebenen bleiben. Und schafft es eine Frau in eine typische Männerbastion, wird sie zudem strenger beurteilt als ihre männlichen Kollegen, belegt nun eine aktuelle Studie.

Die Kernaussage der Untersuchung: Leistet eine Frau in einer Position, die von der Mehrheit als „klassische Männerdomäne“ betrachtet wird, gute Arbeit, wird sie auch als kompetent wahrgenommen. Und zwar so lange, bis sie einen Fehler macht. Dann nämlich fällt die Bewertung von Frauen in Männerdomänen deutlich strenger aus. Anders ausgedrückt: Hat jemand einen hohen geschlechtsuntypischen Status inne, ist dieser Status auch eher gefährdet.
Zum Experiment der Forschergruppe rund um Victoria Brescoll: Die Versuchsteilnehmer (Männer und Frauen)  wurden mit einem Szenario konfrontiert, das die Reaktion eines Polizeichefs auf eine eskalierende Demonstration beschrieb. Die Hälfte der Probanden erhielt eine Version, in welcher der Polizeichef alles richtig machte und Ausschreitungen eingedämmt wurden. In der zweiten Version machte der Polizeichef Fehler – bei der Kundgebung kam es zu Verletzten. Zusätzlich variierten die Forscher für ihre Fragerunden das Geschlecht des Polizeichefs.

Danach hatten die Versuchsteilnehmer die Kompetenz der fiktiven Polizeichefs und –chefinnen zu bewerten. Und dabei äußerte sich oben beschriebenes Phänomen: Blieb bei der Demo alles ruhig, war es den Probanden egal, ob ein Mann oder eine Frau alles richtig gemacht hatte. Im Fall der außer Kontrolle geratenen Kundgebung jedoch machte dies sehr wohl einen Unterschied: Kompetenz und Status des weiblichen Polizeichefs wurden von den Teilnehmern bedeutend niedriger eingestuft als bei den männlichen „Kollegen“.

Auf das Geschlechter-Klischee einer Position kommt es an

Selbiges Phänomen gilt jedoch nicht nur für Frauen in Ämtern, die vorwiegend von Männern besetzt sind oder waren. Auch Männer werden traditionell vorwiegend Frauen zugeordneten Positionen in ihrer Kompetenz strenger bewertet.  Beispiel: Der männliche Direktor einer Bildungseinrichtung für Frauen, der Fehler macht.
Was die  Forscher daraus schließen: Frauen werden nicht per se strenger in ihrem Tun bewertet. Sehr wohl aber, wenn sie in einer geschlechtsuntypischen Position Fehler machen.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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