Frauen: Selbstbewusst im Job aber unsicher bei der Bewerbung

von in Arbeitsleben, Bewerbung am Mittwoch, 9. April 2014 um 10:33

Zwei aktuelle Studien zum Thema Frauen und Arbeitsleben zeigen nun einen Widerspruch, der zum Nachdenken anregen sollte. Denn Frauen schätzen sich einerseits als erfolgreich im Beruf ein und auch die Karrierechancen werden positiv beurteilt. Andererseits trauen sich Frauen im Bewerbungsprozess viel weniger zu als Männer. Hier die Details:

„Karriere machen wie Männer“

Zuerst die guten Nachrichten. Laut einer Accenture-Umfrage sind Frauen großteils selbstbewusst im Job: Sie sind nicht nur von ihrem Erfolg überzeugt (52 Prozent Zustimmung), auch bei Gehaltsverhandlungen werden Frauen immer zielstrebiger: Waren es im Vorjahr noch 30 Prozent, die aktiv ein höheres Gehalt forderten, so sind es aktuell bereits 50 Prozent (bei Männern liegt dieser Wert übrigens bei 54 Prozent). „Frauen wollen heute genau wie ihre männlichen Kollegen Karriere machen“, kommentiert Franzeska Papargyropoulou von Accenture die Ergebnisse.

Eingeschüchtert durch das Stelleninserat

Stelleninserat eingeschuechtertDas Bild der im Job so selbstbewussten Frau gerät durch eine zweite aktuelle Studie jedoch deutlich ins Wanken: Demnach sind Arbeitnehmerinnen im Bewerbungsprozess deutlich zurückhaltender als Männer und – einfach formuliert – trauen sich weniger zu, so das Ergebnis der Eye-Tracking-Studie von Jobware in Kooperation mit USEYE. Weil sie sich tendenziell von den Anforderungen bzw. Jobtiteln in Stelleninseraten einschüchtern lassen, entgehen den Bewerberinnen einige vielleicht perfekte Jobs.

Männer entscheiden schneller

Frauen, so die Studie, bleiben messbar länger beim Anforderungsprofil eines Jobinserates hängen. Im Schnitt liest eine Frau dieses für 2,34 Sekunden, Männer blickten nach 1,17 Sekunden schon weiter. Weiters brauchen Bewerberinnen nicht nur länger, sie sehen sich auch mehr ausgeschriebene Stellen an. 19 Klicks bei Frauen stehen hier 13 Betrachtungen bei Männern gegenüber. Frauen, so ein Fazit der Studienautoren, lassen sich stark von einer „männlichen Wortwahl“ in Stellenanzeigen beeinflussen. Auch, wenn ein (m/w) hinter dem Jobtitel angeführt ist, wird etwa der „Senior Manager“ eher von männlichen Bewerbern angeklickt.

Jede Zweite im aktuellen Job unterfordert

Frau im Job unerfordertEin trauriges Ergebnis, bedenkt man, wie viele Frauen sich im Job unterfordert fühlen. Laut Accenture-Umfrage bezeichnen sich sogar 54 Prozent der Frauen als überqualifiziert für ihre aktuelle Position. „Wer hoch qualifizierte Frauen gewinnen will, sollte die Stellenanzeigen sorgfältig formulieren“, rät Wolfgang Achilles von Jobware. „Recruiter sollten deutlich machen, welche Anforderungen optional sind und sich den Jobtitel genau überlegen“.

Hintergrund zur Studie

Für die Eye-Tracking Studie haben 151 Männer und 79 Frauen insgesamt 150 Stellenanzeigen gelesen. Dabei wurden ihre Augenbewegungen und Aussagen aufgezeichnet und analysiert.

Bildnachweis: Sergey Nivens /Quelle Shutterstock, ollyy /Quelle Shutterstock, Nelosa /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren