Zwischen Karriere, Kind und Kompetenzen: Wollen Frauen führen?

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 9. November 2016 um 11:30

Zu wenig Frauen in Führungspositionen – das wird oft bemängelt. Eine Studie ging der Frage nach, warum Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert sind und was jene mitbringen müssen, die es bis ins Top-Management schaffen möchten.

Wie Frauen und Männer über Führungsthemen denken und wie ihre Sicht dazu noch vor zehn Jahren war hat eine aktuelle Studie der Personalberatung Lindlpower erfragt. Unter dem Titel „Wollen Frauen führen?“ wurde u.a. erhoben, welche Faktoren die Karriere fördern bzw. bremsen, auf welchen Wegen Führungspositionen erlangt werden und wie die Chancen auf weibliche Karrieren stehen. 188 Interviews wurden für die Studie geführt, der Anteil an Männern und Frauen beträgt jeweils 50 Prozent. Das Top-Management, die mittlere Führungsebene und a Berufseinsteiger sind zu je einem Drittel vertreten.

Vor zehn Jahren wurde diese Befragung bereits einmal durchgeführt. Hat sich am Mindset der Frauen mittlerweile etwas geändert? Nur eine spannende Frage, auf die die Befragung eine Antwort kennt.

#1 Definieren sich Frauen und Männer über unterschiedliche Skills?

Ja – und daran hat sich seit der letzten Umfrage 2006 kaum etwas geändert. Frauen definieren sich weiterhin über Soft Skills wie soziale Kompetenzen, Einfühlungsvermögen, Menschlichkeit oder Nachgiebigkeit. „Harte“ Eigenschaften wie Risikobereitschaft oder Machtorientierung sind Dinge, die sich eher Männer zuschreiben.

Spannendes Detail: Frauen schreiben sich zwar weniger „Hard Skills“ zu, halten diese Eigenschaften aber ausschlaggebend dafür, Führungspositionen zu erlangen. Eine Ausnahme stellen weibliche Top-Führungskräfte dar, sie definieren sich gleichermaßen über weiche und harte Eigenschaften.

#2 Hemmen Familie und Kinder den Aufstieg?

Der Wunsch nach Familie ist, verglichen mit den Studienergebnissen aus 2006, rückläufig – bei Männern und Frauen. Tendenziell verfolgen Frauen aber noch weniger das Ziel der Familiengründung. Zeitliche Flexibilität nehmen sie als Notwendigkeit für das Erlangen einer Führungsposition wahr. Mit Kinderbetreuungspflichten ist diese Anforderung für sie nur schwer vereinbar.

#3 Spaß, Selbstverwirklichung, Macht: Was bedeutet Karriere?

Für Frauen bedeutet Karriere in erster Linie Selbstverwirklichung, für Männer Spaß. Am allerwenigsten definieren Frauen Karriere durch Macht.

#4 Führungsposition: Darauf hinarbeiten?

Männer streben Führungspositionen laut Studie bewusster an, als Frauen. 61 Prozent der befragten Männer haben sich gezielt für ihre Führungsrolle entschieden. Bei den Frauen sind es 46 Prozent. Der Rest der Befragten gibt an, die Führungsrolle habe sich für sie so ergeben. Eine Ausnahme gibt es: Weibliche Arbeitnehmer im Top-Management haben auf ihre Stelle gezielter hingearbeitet als Frauen in mittleren Führungsebenen.

#5 Wie zufrieden macht Führung?

Generell sind Männer mit ihrer Führungsposition zufriedener als Frauen: 47 Prozent vs. 34 Prozent. Das hängt auch damit zusammen, dass sich Männer öfter bewusst für eine Position im Management entscheiden. Frauen, die im Top-Management arbeiten, weisen jedoch ebenfalls eine höhere Zufriedenheit auf: 51 Prozent sind mit ihrer Position happy.

Zu 96 Prozent führen Männer den Sprung in die Chefetage auf ihren Ehrgeiz zurück. 14 Prozent wurden von einem Mentor oder Förderer dabei unterstützt. Bei den Frauen hatten 30 Prozent jemanden, der ihnen beim Karrieresprung zur Seite stand.

Bildnachweis: Kenishirotie/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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