Frauen entschuldigen sich öfter – Führungspositionen weiter in Männerhand

von in Arbeitsleben am Montag, 28. Februar 2011 um 11:55

Nichts Neues zum Thema Einkommensgerechtigkeit: Wer selbstbewusster auftritt, dem gelingt es besser, seine Arbeitsleistung in Verhandlungen teuer zu verkaufen: Mehr Gehalt, bessere Aufstiegschancen, größeres Ansehen im Unternehmen. Und dass Männer eher dazu neigen, mit ihren Leistungen hausieren zu gehen, belegen Studien, über die wir bereits berichtet haben. Gleich zwei aktuelle Studien beschäftigen sich nun mit dem mangelnden Selbstbewusstsein der Frauen im Job. Sie bringen zwar keine völlig neuen Erkenntnisse, beleuchten aber die Tatsache, dass drei von vier Führungspositionen in Männerhand sind, von einer anderen Seite.

Angst vor Überforderung groß

„Frauen in der Technik sollen ruhig mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen“, betont Michaela Oberauer, Manager Human Resources vom Engineering-Unternehmen IVM: „Frauen bewähren sich in technischen Berufen sehr gut und dürfen auf ihr Können vertrauen. Für den beruflichen Erfolg spielt das selbstbewusste Auftreten eine wichtige Rolle, Schüchternheit und falsche Bescheidenheit schaden hier eher.“

Oberauer bezieht sich auf eine Studie unter 424 Technik-Studenten an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen, die besagt, dass unter Frauen die Angst, gewisse Aufgaben nicht bewältigen zu können, weitaus stärker ausgeprägt ist als unter ihren männlichen Pendants. Zwei von drei Studentinnen aus technischen Studienrichtungen gaben an, dass es wichtig sei, im Beruf „fachlich nicht überfordert“ zu sein. Eine Angst, die lediglich vier von zehn Männern in der Technik plagt. Interessant: In keinem anderen Fragenkomplex seien in der Erhebung derart große Diskrepanzen zwischen Männern und Frauen zutage getreten, so die Studienautoren in einer Aussendung.

Gesundes Selbstbewusstsein versus Konflikterkennungs-Fähigkeit

Wie oft man sich im Laufe eines Tages bei anderen Menschen entschuldigt, damit beschäftigte sich eine Untersuchung der Psychologen Karina Schumann und Michael Ross, erschienen in der Jänner-Ausgabe von Psychologie Heute. Wenig überraschendes Ergebnis: Männer kommt das Wort „Entschuldigung“ bei weitem seltener über die Lippen als Frauen. Und zwar allein nicht deshalb, weil das „starke Geschlecht“ in Wahrheit über zu schwache Egos verfüge, die es zu verteidigen gelte. Vielmehr schätzen Männer Situationen anders ein – sie sehen in vielen Punkten einfach keinen Grund, sich zu entschuldigen, so die Autoren.

Für die Untersuchung mussten die Versuchsteilnehmer zwölf Tage lang Tagebuch führen: Einerseits über Situationen, von denen sie glaubten, dass eine Entschuldigung ihrerseits angebracht gewesen wäre (Tätersituation). Des weiteren sollten sie dokumentieren, wann sie sich jeweils von anderen ein „Sorry“ erwartet hätten.

Spannend jedenfalls die Ergebnisse: Frauen entschuldigen sich erwartungsgemäß weitaus öfter für ihre Worte oder Taten. Sie fanden jedoch auch viel öfter, dass eine Entschuldigung von anderen fällig sei. Betrachtet man nun aber das Verhältnis zwischen Opfer- und Tätersituationen, so zeigt sich, dass sich Männer und Frauen sich in gleichem Maß, nämlich in rund acht von zehn Fällen, entschuldigten. Auch unterscheide sich der Umfang einer Entschuldigung und deren Qualität nicht geschlechtsspezifisch, so die Forscher.

Warum sehen Männer jedoch weniger oft einen Grund, sich zu entschuldigen? Diese Antwort gibt die Studie leider nicht. Vermutet wird jedoch, dass Frauen ein größeres Gespür für anstehende Konflikte haben und diese auch ernster nehmen als Männer.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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