Die Arbeitswelt der Frau S. – Vom Geben und Nehmen im Job

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 6. November 2014 um 11:25

Gerechtigkeit in der Arbeitswelt! Das wollen wir natürlich alle. Was aber wenn beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – nur noch darauf konzentriert sind, seine eigenen Ansprüche geltend zu machen? Frau S. macht sich Gedanken über das Geben und Nehmen am Arbeitsplatz.

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Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz

Arbeiten gehört nun mal zu unserem Leben dazu. Die einen machen es wirklich gern und sehen einen Sinn darin, die anderen machen es, weil sie eben müssen oder auch einfach, um sich andere Ziele im Leben damit erfüllen zu können. Was auch immer die Gründe dafür sein mögen, eines haben aber alle verdient: Gerecht entlohnt und fair behandelt zu werden. Dazu gibt es zum Glück mittlerweile eine Menge an Gesetzen, welche Arbeitnehmer vor Ausbeutungen jeglicher Art schützen. Was ja an und für sich gut ist, allerdings bekommt man manchmal dadurch den Eindruck, dass Arbeitgeber generell miese Abzocker sind und man sich vor ihnen ja in Acht nehmen müsste. Natürlich sollte man sich nicht übers Ohr hauen lassen, aber man sollte auch nicht vergessen, dass auch Arbeitnehmer Pflichten haben.

Der Fall Erich

Einer, dem dieses Wissen so ziemlich abhandengekommen zu sein scheint, ist Erich. Ein geborener Bürokrat, der seine Arbeitskollegen ständig ermahnt, die Arbeitszeiten auch ja genau einzutragen, ihnen andauernd in den Ohren hängt, dass sie nach Arbeitsschluss nicht mehr privat in der Arbeit abhängen dürften – aus versicherungstechnischen Gründen – und ihnen ungefragt und definitiv ungewollt permanent Vorträge über Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz hält. Kurz gesagt: Ein Gschaftlhuber vom Feinsten. Sein Einsatz für die Rechte seiner Kollegen ist ja an und für sich löblich, aber man kann eben alles irgendwie auch übertreiben. Seine Kollegin Barbara fragt sich dabei immer öfter, ob Erich vor lauter Nachschnüffeln und Arbeitsrechteinhaltung heute überhaupt schon etwas Richtiges gearbeitet hätte?! Denn bei genauerer Betrachtung hat sich damit tatsächlich ins Schwarze getroffen. Die eigentliche Arbeit von Erich ist auch heute eher im Minimalbereich angesiedelt.

Das Feindbild: Arbeitgeber

Erich ist ein Paradebeispiel für Arbeitnehmer die, egal wie nett und zuvorkommend der Chef ihnen gegenüber ist, diesen als ultimatives Feindbild erkoren haben und so viel wie möglich aus der Arbeit rausholen möchten – zu ihrem Vorteil natürlich. Nach dem Motto: Meinem Chef schenke ich bestimmt nichts. Erich will immer das, was ihm von Rechts wegen zusteht und am besten auch noch mehr. Erich ist genau jener Typ, der vor lauter Nehmen komplett auf das Geben vergisst, so wie dass er ebenfalls einen Vertrag und somit Pflichten hat und sein Chef sehr wohl auch von ihm Arbeitseinsatz und Engagement erwarten darf. Mittlerweile hat sich das Problem zwischen Erich und seinem Arbeitgeber aber ohnehin im wahrsten Sinne des Wortes: Gelöst.

Ungleichgewicht wieder gerade biegen

Es sind aber nicht nur die Arbeitnehmer, die über das Ziel hinaus schießen. Es gibt auch etliche Beispiele für Chefitäten, die vergessen, dass gutes Personal und gute Arbeit sowie großes Engagement nicht selbstverständlich sind. Aber es sollte vielmehr darum gehen, wie man diese Ungleichheiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder gerade biegen kann. Muss man denn auch wirklich ständig bemüht sein, alles eins zu eins und am besten auch sofort ausgeglichen zu bekommen?

Gegenseitiges Wertschätzen und Entgegenkommen

Natürlich fängt alles bei der Entlohnung an. Ist diese gerecht, wird auch das Gefühl, es sich an anderer Stelle wieder reinholen zu müssen, kleiner sein. Ich bin aber der Meinung, dass sich beide Seiten darüber im Klaren sein sollten, dass es sich in der Arbeitswelt um mehr als nur kleinkariertes Denken über Geben und Nehmen dreht und man nicht alles mit allem vergleichen kann. Es sollte immer eine Art Spielraum dazwischen liegen. Zum Beispiel, dass es für einen Arbeitnehmer auch mal okay ist, wenn gerade Not am Mann oder auch Frau ist, einmal nicht um Punkt seine Arbeit stehen und liegen zu lassen, sondern hier eine Ausnahme zu machen. Dies wiederum sollte dann aber vom Arbeitgeber honoriert und geschätzt werden. Mit einem späteren Entgegenkommen wieder ausgeglichen werden und so weiter.
Wenn beide Seiten sich mehr darüber im Klaren wären, dass im Endeffekt beide am gleichen Strang ziehen und keine Konkurrenten sind, vielleicht wären dann auch der Arbeitsalltag und die Produktivität um ein Vielfaches besser und das Geben und Nehmen würde sich von alleine einpendeln.

Bis zum nächsten Mal, eure Frau S.

Über die Autorin

Man könnte mich als Globetrotterin der Arbeitswelt bezeichnen. Die verschiedensten Wege bin ich bereits gegangen und unterschiedlichste Jobs sowie Job-Positionen haben meine berufliche Reise geprägt. Manch einer wird sich deswegen bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden. Wenn nicht, dann vielleicht zumindest den einen oder anderen Tipp und Trick für seinen Weg mitnehmen können. Die Welt der Arbeit mal von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mittendrin und voll dabei lautet bei mir das Motto (auch in meinem Blog: santown’s blog). Viel Spaß beim Eintauchen in die Arbeitswelt der Frau S.!

Bildnachweis: BrAt82 / Shutterstock

Redaktion

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