Die Arbeitswelt der Frau S.: Vorsicht, Betriebsblindheit!

von in Arbeitsleben am Freitag, 1. März 2013 um 10:06

Ohne jetzt gemein sein zu wollen, aber bei manchen Betrieben sollte man gleich am Eingang ein Schild anbringen und zwar mit folgenden Worten „Vorsicht! Hier herrscht Betriebsblindheit!“ Natürlich auf gelbem Hintergrund mit den obligatorischen drei Punkten. Dabei kann man einigen gar nicht wirklich böse sein. Es schleicht sich einfach immer wieder ein – diese lähmende „Störung“ – eine wahre Betriebskrankheit sozusagen. Aber noch ist nicht alles verloren.

Eine Gastkolumne von Sandra Gortva

Sorry, mit meinen Scheuklappen kann ich das doch wirklich nicht sehen! Oder doch?

Warum ein Konzept ändern, wenn es doch immer schon funktioniert hat? Ja gute Frage… Vielleicht weil bei näherer und vor allem äußerer Betrachtung von reibungslos funktionieren gar nicht mehr die Rede sein kann? Man hat sich bereits so an eingefahrene Strukturen gewohnt, dass der eigene Blick gar nicht mehr wirklich das ganze Spektrum erfasst. Man könnte hier auch von Scheuklappen-Blick sprechen. Was zwar irgendwie in der menschlichen Natur liegt, dann doch aber ziemlich schade ist, wenn man bedenkt, was einem da so alles entgeht. Im positiven, wie auch im negativen Sinne. Im ersteren Fall erspart man sich die ganzen aufkommenden Problematiken. Was ich nicht sehe, gibt es auch nicht. So kann man wenigstens noch eine Zeit lang durchatmen und seinen gewohnten Gang fortsetzen. Nach dem Motto „und hinter mir die Sintflut“. Allerdings ganz schön unvorteilhaft wenn man dank der Scheuklappen nicht mitbekommt, wie die Sintflut immer näher kommt und dann auch das „gut bewährte Modell“ und all seine betrieblichen Folgen mitreißt. Oh, Mist! Jetzt hat sich der positive Aspekt doch ins Negative verkehrt hat. Zu blöd aber auch!

Manchmal bleibt negativ einfach negativ

Obwohl Moment, vielleicht kann ich ja dann das Negative auch ins Positive umkehren?! Also wenn ich mit Betriebsblindheit durchs Geschäftsleben gehe, entgehen mir eine Unmenge an guten Ideen und Verbesserungspotentialen. Sie schwirren um mich herum, ich bräuchte nur zuzugreifen – aber: Ich kann sie ja nicht sehen!  Weil mir die blöden Scheuklappen ja die ganze Sicht versperren…. Okay, hierin etwas Positives zu finden, fällt mir im Moment eher schwer. Manchmal bleibt negativ halt einfach negativ.

Also sollte der Plan lauten: Scheuklappen ab und Blindenstulpe weg! Würde ich sie mir abnehmen, hätte ich einen viel besseren Überblick. Wäre ich offener, würden sich mir viele neue Dinge eröffnen, die nicht nur mir, sondern der ganzen Belegschaft, der Motivation und somit dem Erfolg meines Betriebes zu Gute kommen würden. Aber in manchen Fällen scheint sie irgendwie geradezu angeschweißt zu sein… Ärgerlich! Wirklich!

Der Weg zum weiträumigen Blick

Tja, was jetzt also machen? Schritt Nummer 1 wäre mal die Erkenntnis. Die Erkenntnis und Einsicht, dass auch mir „Betriebsblindheit“ passieren kann. Schritt Nummer 2 wäre, sich in die Rolle eines Außenstehenden zu versetzen. Was würde er sehen? Falls Schritt Nummer 2 nicht so ganz funktioniert, weil man sich mit einem objektiven und neuen Blick schwer tut, kann man es vielleicht mal mit einem Fachmann von außen probieren. Wie wäre es aber auch einfach mal die eigenen Mitarbeiter durch verschiedene Bereiche zu schicken? Natürlich kann man das nicht immer und überall durchführen. Aber so kann der oder die MitarbeiterIn sich Ideen und Anregungen für die eigene Abteilung holen. Vielleicht auch eigene Erfahrungen, die gut funktioniert haben, der anderen Abteilung näher bringen usw. Klar, gehören hier auch noch weitere Faktoren dazu, zum Beispiel, wie konstruktive Kritik und Vorschläge anbringen usw. Das aber ist dann eine andere Geschichte.

Ein kleiner Denkanstoß

Wie immer ist der Raum hier nämlich zu knapp, um alles auf den Tisch zu bringen. Manchmal reicht aber auch schon einfach ein Denkanstoß, um etwas ins Laufen zu bringen. Deswegen gebe ich zum Schluss noch folgenden Satz zum Besten (und zum Nachdenken). Albert Einsteins Satz um genau zu sein: „Die Probleme, die es in der Welt gibt, können nicht mit den gleichen Denkweisen gelöst werden, die sie verursacht haben“.

Über die Autorin:

Man könnte mich als Globetrotterin der Arbeitswelt bezeichnen. Die verschiedensten Wege bin ich bereits gegangen und unterschiedlichste Jobs sowie Job-Positionen haben meine berufliche Reise geprägt. Manch einer wird sich deswegen bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden. Wenn nicht, dann vielleicht zumindest den einen oder anderen Tipp und Trick für seinen Weg mitnehmen können. Die Welt der Arbeit mal von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mittendrin und voll dabei lautet bei mir das Motto (auch in meinem Blog: santown’s blog). Viel Spaß beim Eintauchen in die Arbeitswelt der Frau S.!

Bisher erschienen:

Bildnachweis: Margo Harrison / Quelle Shutterstock

Redaktion

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