Foxconn – Klappe, die Dritte!

von in Arbeitsrecht am Dienstag, 27. Juli 2010 um 12:39

Was denken Sie, wenn Sie Foxconn hören? Nichts Gutes, höchstwahrscheinlich. Imagemäßig dürfte der taiwanesische Elektronikhersteller derzeit auf dem Niveau von BP herumdümpeln. Erst Ende Mai machte der 800.000-Mitarbeiter-Konzern von sich reden, weil sich mehrere Arbeiter wegen der schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen das Leben nahmen. Trauriger Höhepunkt damals: Der Selbstmord eines 19-Jährigen, der sich nach erst 42 Tagen in der Firma aus dem Fenster stürzte (Artikel hier). Am Montag erkrankten plötzlich 250 Foxconn-Arbeiter wegen giftiger Dämpfe von Pestiziden.

Was ist bloß los bei dem Großkonzern, der ja immerhin Renommierteile wie iPhone, iPad und Geräte für Multis wie Dell, Sony, Nokia und Hewlett Packard herstellt? Nun musste Foxconn eines seiner Werke in der indischen Stadt Chennai vorübergehend zusperren, weil rund 250 Arbeitnehmer auf einen Schlag plötzlich krank geworden sind. Grund dürfte laut Medienberichten ein Pflanzenschutzmittel sein, das auf dem Werksgelände versprüht wurde. Die Mitarbeiter hatten über Übelkeit und Schwindelgefühle geklagt und mussten im Krankenhaus versorgt werden. Mittlerweile  sollen sie sich schon wieder auf dem Weg der Besserung befinden. Die Behörden untersuchen den Vorfall nun.

Was bleibt, ist ein Mega-Imagedesaster für den Mega-Konzern. Zynisches Detail: Wie berichtet, setzte die Konzernleitung nach der ersten Selbstmordserie 2.000 Psychologen und buddhistische Mönche ein, um für gutes Karma und bessere Arbeitsatmosphäre zu sorgen. Außerdem wollte man die Arbeiter per Verzichtserklärung vom Freitod abhalten: „Ich verspreche, mich oder andere nicht in einer extremen Form zu verletzen“, habe es in einem Schreiben an die Mitarbeiter geheißen, berichtete standard.at im Mai.

Was werden sich die Mitarbeiter,  die das unterzeichnet haben, nach dem aktuellen Pestizid-Vorfall wohl denken? – „Ja, eh. Versprochen. Aber: Wollt´s ihr uns umbringen?!?“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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