Schöne, flexible Arbeitswelt? Stress steht für 40 Prozent an der Tagesordnung

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 16. November 2016 um 11:20

Die oft geforderte Flexibilität der Arbeitswelt hat Vor- und Nachteile. Eine aktuelle Erhebung der Statistik Austria hat erfragt, wie flexibel die Österreicher in ihren Jobs bereits sind und welche Branche der große Verlierer ist.

Die Arbeitswelt muss flexibler werden, diesen Wunsch teilen viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Bei aller Einigkeit sind die Vorstellungen zur Flexibilität dann aber doch unterschiedlich. Wie flexibel sind die österreichischen Arbeitnehmer bereits und bleibt die Work-Life-Balance bei diesem Thema auf der Strecke? Die Statistik Austria hat für die Publikation „Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung 2015“ erhoben, wie viel Flexibilität die Arbeitswelt bereits erlaubt und welche Auswirkungen das Thema auf Stress im Job hat.

Bitte morgen länger bleiben!

Flexibilität im Job ist bereits jetzt gefragt. Für die Erhebung wurde abgefragt, wie oft Arbeitnehmer vom Chef die Aufforderung erhalten, früher zu kommen oder später zu gehen: Rund ein Viertel der Österreicher erwischt ein früher Dienstbeginn oder später Feierabend jede Woche, 14,8 Prozent müssen mindestens einmal pro Monat hinsichtlich ihres Dienstbeginns oder Feierabends flexibel sein.

  • Keine fixen Arbeitszeiten für Selbstständige: Sie geben doppelt so häufig wie Unselbstständige an, früher mit der Arbeit zu beginnen oder später Feierabend zu machen.
  • Von Führungskräften sowie Arbeitnehmern in akademischen (oder vergleichbaren) Berufen wird Flexibilität besonders oft verlangt.
  • Die Branche Beherberung und Gastronomie zählt zu jenen Bereichen, in denen Arbeitnehmer besonders flexibel sein müssen.

Auf Abruf auch in der Freizeit?

Abgefragt wurde auch, wie es mit der Erreichbarkeit für dienstliche Angelegenheiten in der Freizeit aussieht. Zumindest einmal innerhalb von zwei Monaten werden knapp die Hälfte der Erwerbstätigen von Chef oder Kollegen außerhalb der Dienstzeiten kontaktiert.

  • Männer werden häufiger als Frauen in ihrer Freizeit in dienstlichen Angelegenheiten kontaktiert.
  • Wer seine Arbeitszeit flexibel gestalten muss oder darf, muss auch in der Freizeit damit rechnen, vom Arbeitgeber kontaktiert zu werden.

Kurze Auszeiten: Die Wünsche der Arbeitnehmer

Ein Blick auf die andere Seite der Arbeitswelt: Wie flexibel dürfen die Österreicher agieren, wenn es um ihre eigenen Wünsche hinsichtlich Flexibilität geht?

  • Kurzfristig ein bis zwei Stunden frei  nehmen, das ist für die Hälfte möglich. Spontane längere Auszeiten werden schwieriger: Nur knapp ein Drittel kann sich auf die Schnelle ein bis zwei freie Tage gönnen.
  • Jetzt sind die Selbstständigen am Zug: 85,5 Prozent können sich spontan sehr leicht ein bis zwei Stunden frei nehmen. Auch ein oder zwei freie Tage sind für sie weniger ein Problem (54,3 Prozent), als für jene, die für einen Arbeitgeber arbeiten (29,3 Prozent).
  • Männer sind hinsichtlich ihrer Arbeitszeitgestaltung etwas flexibler als Frauen.
  • Deutliche Unterschiede zeigen sich beim Blick auf Branchen, Tätigkeitsniveaus und Berufen: Wer in der Gastronomie, Erziehung, im Verkehrs- oder Gesundheitswesen tätig ist, dem fällt das spontane Freinehmen deutlich schwerer.

Stress im Job – wen trifft es besonders häufig?

Zeitdruck im Job: 11,1 Prozent der Österreicher arbeiten ständig unter Stress, 28,2 Prozent geben an, häufig unter Zeitdruck zu stehen. Für 35,7 Prozent wird es manchmal stressig, ein Viertel der Arbeitnehmer haben selten oder nie zeitlichen Druck im Job.

  • Schlechte Noten im Stresstest: Die Branche Gastronomie und Beherbergung hat den höchsten Anteil an Beschäftigten, die immer unter Zeitdruck arbeiten. Rechnet man jene Gastro-Beschäftigten dazu, die „häufig“ unter stressigen Bedingungen arbeiten, weist diese Branche den höchsten Anteil an Arbeitnehmern unter Druck auf: 54 Prozent.

Zur Studie

Bei den Ergebnissen zur Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung in Österreich handelt es sich um Daten aus dem Ad-hoc-Modul 2015 zur „Europäischen Arbeitskräfteerhebung“, die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wurde. Detailergebnisse sind der entsprechenden Publikation zu entnehmen.

Bildnachweis: TippaPatt/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren