Nach dem Fehler: Teilgeständnisse hinterlassen ein schlechtes Gefühl

von in Arbeitsleben am Dienstag, 23. Juni 2015 um 10:27

Macht man einen Fehler, gibt man das ungerne zu. Plagt das schlechte Gewissen zu sehr, ringt man sich häufig doch zu einem Geständnis durch. Gebeichtet wird allerdings oft nur die halbe Wahrheit. Welche Gefühle Teilgeständnisse in uns auslösen, haben Forscher untersucht.

Fehler zugeben: Ganz oder gar nicht?

Dem Kunden hat man die falsche Preisliste zugeschickt, der USB-Stick mit der Präsentation des Chefs ging irgendwo verloren: Irgendwann fliegt alles auf – besser, man bekennt sich zu seinem Fehler. Aber gleich die volle Schuld auf sich nehmen? Wer sich zu einem Geständnis durchringt, bleibt nicht immer bei der vollen Wahrheit: Besser ein bisschen was zugeben, als gleich die ganze Wahrheit. Die Plattform Forschung erleben hat eine Studie dazu untersucht: Es wird vermutet, dass durch teilweise Geständnisse negative Gefühle wie Schuld oder Nervosität verringert werden. Wer nur einen Teil des Vergehens verantwortet, könnte sich dabei besser fühlen, als alles zu gestehen. Aber reicht ein unvollständiges Geständnis aus, um unser Gewissen zu erleichtern?

Geständnisse und unsere Gefühle

Um diese Frage zu beantworten, führte ein Forschungsteam um Eyal Peer eine Reihe von Untersuchungen durch. In einer Studie wurden die Teilnehmer gebeten, das Ergebnis von zehn Münzwürfen vorherzusagen. Mit Hilfe eines Computerprogramms sollten sie selbst zehnmal eine Münze werfen und selbständig überprüfen, wie oft sich ihre Vorhersagen als korrekt erwiesen. Die Teilnehmenden gingen davon aus, dass das Ergebnis der Würfe nicht gespeichert wird. Jede richtige Vorhersage wurde mit zehn Cent belohnt. Der Zusatzbetrag von einem Dollar war Anreiz, um vielleicht zu schummeln. Nachdem die Studienteilnehmer die Zahl ihrer korrekten Wurfprognosen bekannt gaben, hatten sie die Möglichkeit zu gestehen, falls sie bei der Anzahl der korrekten Würfe geschummelt hatten, um mehr Geld zu bekommen. Es wurde ihnen versichert, dass ein Geständnis keinerlei negative Konsequenzen haben würde und sie das Geld behalten dürfen. Nach der Möglichkeit zum Geständnis wurde die Gefühlslage der Teilnehmer erfragt.

Fehler Studie

Das Ergebnis: Etwa 44 Prozent der Teilnehmer schummelten und gaben mehr korrekte Vorhersagen an, als sie tatsächlich gemacht hatten. Knapp ein Viertel der Schummelnden gaben zu, eine falsche Angabe gemacht zu haben. Etwas mehr als die Hälfte gestand Schummelei in vollem Umfang. Die übrigen „Schummler“ legten ein Teilgeständnis ab. Sie gaben weniger richtig vorhergesagte Münzwürfe zu, aber immer noch mehr, als sie tatsächlich richtig hatten. Was löste das Teilgeständnis aus? Entgegen der Erwartung, dass es negative Gefühle reduziert, zeigte sich das Gegenteil: Teilweise Geständige durchleben stärkere negative Emotionen als jene Teilnehmer, die ein vollständiges oder gar kein Geständnis ablegten. Zwischen den Teilnehmenden, die vollständig gestanden, und denjenigen, die sich zu gar nichts bekannten, gab es hinsichtlich der empfundenen negativen Emotionen keine bedeutsamen Unterschiede.

Bildnachweis: Piotr Marcinski / Shutterstock; Pepgooner / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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