Hätte ich doch … ! – Warum man Fehler nicht gleich erklären sollte

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 27. März 2013 um 11:24

Hätte ich den Hausschlüssel schneller gefunden, hätte ich den Zug nicht verpasst. Hätte ich an den Regenschirm gedacht, müsste ich jetzt nicht mit Chaos-Frisur eine Präsentation halten. „Hätt‘-ich-doch’s“ kennt wohl jeder. Sie haben übrigens auch einen Namen – und zwar kontrafaktische Gedanken. Der positive Effekt dieser Überlegungen ist jener, dass wir dabei unser Verhalten überdenken und Lehren für unser weiteres Handeln ziehen. Getreu dem Motto: Beim nächsten Mal passiert mir das nicht mehr. So einfach ist es aber nicht immer, denn die Hätt-ich-doch’s sind manchmal alles andere als zielführend.

Wer ist schuld am schlechten Vortrag?

Wie ein Forschungsteam laut der Plattform Forschung erleben festgestellt hat, kann das kontrafaktische Denken auch negative Auswirkungen haben. Und zwar dann, wenn falsche Ursachen als Erklärung für eine Enttäuschung oder einen Misserfolg herhalten müssen. Hält jemand beispielsweise eine schlechte Präsentation und denkt, dass diese durch etwas mehr Schlaf besser geworden wäre, könnte dieses Denken die eigentlichen Ursachen – mangelhafte Vorbereitung – verdecken. Das „Wäre ich doch früher ins Bett gegangen“ wird zur Ausrede und man wird sich beim nächsten Mal kaum mehr anstrengen – dafür vielleicht aber ausgeschlafener sein.

Rückmeldung über die Leistungen

Zur Prüfung ihrer Hypothese untersuchten die Forscher, wie sich kontrafaktisches Denken auf die Leistung aber auch Anstrengung von Studenten auswirkte. Dazu ließen sie die Teilnehmer einen Wissenstest zuerst einmal in einem Übungsdurchlauf absolvieren. Anschließend bekamen die Probanden Rückmeldung über ihre Leistungen – auch wurde ihnen mitgeteilt, wie die richtigen Lösungen gelautet hätten. Im weiteren Verlauf wurden einige der Studenten gebeten, ihre ersten Gedanken zu der Testrückmeldung aufzuschreiben, die andere Gruppe hingegen sollte beschreiben, wie sie die Aufgaben richtig hätten lösen können. Mit dieser Aufforderung wollten die Forscher kontrafaktisches Denken bei den Teilnehmern hervorrufen.

„Hätte ich doch’s“ werden nicht besser

Nach einer beliebig langen Übungsphase wurden alle Studienteilnehmer zum „echten“ Test gebeten. Die Ergebnisse, die dabei erzielt wurden, bestätigten die Annahme der Sozialpsychologen: Teilnehmende, die zu Überlegungen wie „Hätte ich doch die Frage besser durchgelesen“ gebracht wurden, zeigten keine Leistungssteigerung zwischen den beiden Tests. Sie investierten deutlich weniger Zeit in weitere Übungen und sahen anscheinend wenig Notwendigkeit, sich zu verbessern. Jene Studenten hingegen, die bloß ihre ersten Gedanken notiert hatten, schnitten beim zweiten Test deutlich besser ab.

Dem wahren Grund auf den Grund gehen

Also: Natürlich sollte man sich, wenn etwas nicht gut gelaufen ist, Gedanken darüber machen, warum das so war. Man sollte jedoch versuchen, ehrlich zu sich zu sein und nicht Erklärungen zu finden, die vielleicht zu einfach sind bzw. den wahren Grund verdrängen.

Bildnachweis: Ioannis Pantzi / Quelle Shutterstock, razihusin / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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