Fasching im Büro – oder: Die dunkle Seite des Lachens

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 16. Februar 2012 um 11:28

Faschingsdienstag. In vielen Unternehmen Österreichs wird an diesem Tag etwas früher Schluss gemacht und Kollegen tanzen als Cowboy oder Marienkäfer verkleidet an. Kollektives Fröhlichsein! Nur einige, wenige Kollegen meiden den Fasching wie der Teufel das Weihwasser – Jahr für Jahr. Warum? Lachen sie in etwa nicht gerne? Nicht nur das: Möglicherweise haben sie sogar Angst davor! Rund sieben Prozent der Menschen leiden nämlich an „Lachangst“. Kein Scherz!

Natürlich gibt es Menschen, die dem verordneten jährlichen Lustigsein im Fasching grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Die dem Brauch, sich mehr oder weniger witzig zu kostümieren einfach nichts abgewinnen können und es schräg finden, warum die „lustigste Zeit im Jahr“ vom Kalender vorgegeben wird. Von anderen als „Faschings-Muffel“ abgetan, halten sich diese Exemplare dann in der Regel von „LeiLei“-Rufern und Karnevalsumzügen fern – und auch von der firmeninternen Faschingsfeier, sofern es eine gibt.

Angst davor ausgelacht zu werden

Eine ganz und gar ernst gemeinte Studie beschäftigt sich nun damit, dass das Lachen anderer für manche Menschen ziemlich belastend sein kann: Jeder fünfzehnte Österreicher (also rund sieben Prozent) leide an „Gelotophobie“, der Angst ausgelacht zu werden. Eine Forschergruppe des Instituts für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz beschäftigt sich nun mit diesem Phänomen. Betroffene bewerten bereits das Lächeln anderer als negativ und hätten große Angst vor feindselig-zynischem Humor, beschreibt die Forschergruppe die Auswirkungen der „Lachangst“ in einer Aussendung. Ziel der Untersuchung soll sein, neue Ansätze eines gezielten Trainings für Jugendliche zu entwickeln, die Panik davor haben, in der Schule von anderen ausgelacht oder verspottet zu werden.

„Es gibt Menschen, die fürchten sich von anderen ausgelacht zu werden. Hier reicht meist eine bestimmte Mimik und sie sind verunsichert. Sehr stark kann dieses Symptom bei pubertierenden Jugendlichen ausfallen“, berichtet Studien-Co-Autorin Ilona Papousek vom Grazer Uni-Institut für Psychologie. Der Hintergrund für die wissenschaftliche Auseinanderseitzung ist durchaus ernst: Denn laut „Nationalem Bildungsbericht“ seien je nach Altersgruppe bis zu 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen Opfer verbaler oder psychischer Gewalt – oft mit dem Effekt, dass sich in diesen oftmals Rachegefühle aufstauen, welche sich dann mitunter auf gewalttätige Weise äußern können, so die Forscher.

Um auf den Firmenfasching zurückzukommen: Nehmen Sie es dem Faschingsmuffel in Ihrer Abteilung also nicht allzu übel, dass er das alljährliche „Gschnas“ auch heuer wieder auslässt. Vielleicht hat er ja regelrecht Angst vor dem illuminierten Gelächter seiner Kollegen. Oder er findet es einfach doof, wenn sich erwachsene Menschen als Katze verkleiden. Was im übrigen auch kein schlechter Entschuldigungsgrund ist.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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