Falscher Vorname – reicht das für die Kündigung?

von in Arbeitsrecht, Bewerbung, Jobsuche am Freitag, 8. Oktober 2010 um 12:59

Unfassbar im Jahr 2010: Ein französisches Großunternehmen setzte einen 19-jährigen Praktikanten vor die Tür, weil sich dieser mit seinem Vornamen am Firmentelefon meldete: Mohamed. „Mohamed ist nicht gängig. Du wirst dich Alexandre nennen, das kommt besser an“, soll ein Vorgesetzter dem Gymnasiasten aufgetragen haben, berichtet die französische Zeitung Liberation. Weil sich Mohamed weigerte, musste er seine Sachen packen.

Der Schüler ging vor Gericht. Wegen Diskriminierung. „Ich bin Franzose, ich will wie jeder andere auch mit meinem richtigen Vornamen leben“, wird er in der Liberation zitiert. Immerhin ist Mohamed mit seinen vielen verschiedenen Schreibweisen einer der häufigsten Vornamen weltweit. Der Lebensmittelkonzern, bei dem der Praktikant beschäftigt war, wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Logisch.

Mit dem „Fall Mohamed“, der in Europa dieser Tage medial große Wellen schlägt, wird das Thema „anonyme Bewerbung“ wieder präsent, das in Deutschland seit mehreren Wochen heiß diskutiert wird. Wie Ende August berichtet, testen mehrere deutsche Großkonzerne anonymisierte, standardisierte Bewerbungsbögen, um sich völlig frei von Vorurteilen für die objektiv besten Köpfe bei der Personalauswahl zu entscheiden. Denn dass Bogdan, Aishe und Co. beim Bewerben bei vielen Unternehmen einen klaren Wettbewerbsnachteil haben, ist seit jeher traurige Realität. Vor allem bei kleineren und mittleren (Familien)Betrieben, schaffen es diese nämlich erst gar nicht bis zum Bewerbungsgespräch. Da reicht schon der Absender auf den Bewerbungsunterlagen, damit diese ins Altpapier wandern. Hinsichtlich des immer stärker werdenden Mangels an Fachkräften ein begrüßenswerter Ansatz. Ob dies die Diskriminierung dann – wie im Fall von Mohamed – nicht einfach auf eine höhere Ebene verlagert, ist natürlich fraglich. Aber ein Anfang könnte es sein.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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