Fachkräftemangel: Realität oder übertriebene Gefahr?

von in Arbeitsmarkt, HR am Freitag, 27. April 2012 um 11:00

Der Fachkräftemangel und der vom demografischen Wandel verursachte Schwund an Humankapital sind, wie das IMAS-Institut in einer aktuellen Umfrage feststellte, dem Großteil der Bevölkerung nicht voll bewusst. Zwar bezeichnen 48 Prozent der befragten Personen den bevorstehenden Fachkräftemangel als ein großes Problem, 32 Prozent jedoch halten die Gefahr für übertrieben. Am meisten Angst haben die Österreicher, so die Studienautoren, vor einem Mangel an Ärzten.

60 Tage Suche für eine Neubesetzung

Die Fakten liegen auf der Hand: Ein Großteil der Wirtschaftsunternehmen sucht händeringend qualifizierte Mitarbeiter, bei unseren deutschen Nachbarn etwa dauert die Neubesetzung eines Arbeitsplatzes durchschnittlich 60 Tage. Das rapide Schrumpfen der arbeitsfähigen Bevölkerung bringt der Gesellschaftswissenschafter Gunnar Heinsohn auf den Punkt: „Von 100 neuen Bürgern, die wir gegen weitere Vergreisung benötigen, werden nur 65 geboren.“ Doch trotz dieser – seit langer Zeit bekannten und in den Medien immer wieder diskutierten – demografischen Entwicklung haben, so IMAS, die Österreicher das Problem noch nicht wirklich erkannt.

Ärztemangel als größte Sorge

Anhand einer Listenvorgabe (Anmerkung: es wurden eher Berufe abgefragt, die der Wirtschaft hinsichtlich Fachkräftemangel weniger Kopfzerbrechen bereiten) wollte IMAS von den Teilnehmern wissen, auf welche Art von Fachkräften sie besonders ungern verzichten würden. Das (anhand der Auswahlmöglichkeiten wenig überraschende) Ergebnis: Ein Ärztemangel hat die abschreckendste Wirkung, er bereitet 87 Prozent der Befragten „starkes Unbehagen“. Als unverzichtbar gelten weiters Müllentsorger (67 Prozent), Apotheker (54 Prozent), Polizisten (51 Prozent) sowie Hauskrankenpfleger und Handwerker.

Wenig Sorge um Kellner, Köche, Steuerberater und Co.

Der Verzicht auf Postzusteller und Lehrer würde noch schmerzen, weniger Kopfzerbrechen bereitet den Befragten hingegen ein Mangel an Computerspezialisten, Köchen, Kellnern, Baumeistern, Fernsehtechnikern, Steuerberatern, Rechtsanwälten, Sekretärinnen und Büropersonal. Alles in allem, so die Studienautoren, gibt es keinen Zweifel daran, dass ein Defizit an Fachkräften die Lebensfreude der Österreicher massiv beeinträchtigen würde. Die Gesellschaft, so IMAS in einer Aussendung, ist auf das Altern noch nicht vorbereitet – sie muss es erst lernen.

Fotonachweis: Colourbox, Gafik: IMAS

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren