Zu wenig Bewerbungen: Firmen müssen umdenken

von in Arbeitsmarkt, HR am Donnerstag, 23. August 2012 um 10:30

Der Fachkräftemangel. Heiß umstritten, von vielen als inszeniertes Problem verteufelt, wird spürbarer. Aktuell spitzt sich, so zeigt eine aktuelle Kienbaum-Studie, die Lage für die Pesonalverantwortlichen zu: 31 der befragten HR-Manager spüren den Fachkräftemangel bereits deutlich, mehr als die Hälfte der Befragten erhält auf ausgeschriebene Stellen deutlich weniger Bewerbungen. 73 Prozent der Unternehmen haben, so Kienbaum, aktuell einen hohen Bedarf an Spezialisten.

Mehr Power für Employer Branding und Recruiting

Während der Fachkräftemangel und der demografisch bedingte Schwund an Humankapital dem Großteil der Bevölkerung nicht bewusst sind, halten fast drei Viertel der Personalentscheider die öffentliche Diskussion um den drohenden oder bereits eingetretenen Mangel an Fachkräften laut Kienbaum für alles andere als Panikmache. Als einen gangbaren Weg aus der Personalkrise sehen sie die Stärkung der Kompetenzen für Employer Branding und Recruiting im Unternehmen. Laut Umfrage würden sich auch knapp 40 Prozent der Vorstände in den befragten Firmen bereits mit der Thematik auseinandersetzen.

Firmen setzen immer stärker auf eigene Ausbildung

Besonders große Schwierigkeiten bereiten die Bereiche IT, Ingenieurwesen und Vertrieb – 41 Prozent der Firmen beklagen zudem einen Mangel an Auszubildenden und Trainees. Als Reaktion darauf setzen immer mehr Firmen – laut der Umfrage fast drei Viertel – verstärkt auf eine eigene, sprich hausinterne, Ausbildung. Aber wie erreichen die Firmen künftige Mitarbeiter? Das beliebteste Instrument hierfür sind Jobbörsen, 57 Prozent nutzen diesen Kommunikationskanal immer, weitere 37 Prozent regelmäßig. „Viele Unternehmen scheuen moderne Kommunikationsformen wie Blogs und Foren, um sich als Unternehmen zu präsentieren. Dabei bieten diese Kanäle die Möglichkeit, insbesondere die jüngere Bewerberzielgruppe zu erreichen“, betont Walter Jochmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum Management Consultants.

Diversity hat keine große Bedeutung

Wie die Umfrage unter knapp 170 Personalverantwortlichen ebenfalls zeigte, messen die HR-Manager dem Thema Diversity keine große Bedeutung bei. Das Thema Diversity Manegement liegt mit sechs Prozent auf dem vorletzten Rang der diesjährigen Prioritätenliste der Personalbereiche. Das Schlusslicht bildet mit vier Prozent die Work-Life-Balance der Mitarbeiter. Ein Drittel der Personalverantwortlichen ist hingegen der Ansicht, dass die Führungs- und Managementqualitäten gesteigert werden sollen. 28 Prozent der Unternehmer wollen für geeignete Bewerber attraktiver werden und weitere 26 Prozent konzentrieren sich hauptsächlich darauf, High Potentials langfristig an das Unternehmen zu binden.

Frauenförderung? Fehlanzeige!

Bei der Frauenförderung zeigt sich, dass, je höher in der Unternehmenshierarchie der Job angesiedelt ist, desto vorsichtiger die Ziele des Unternehmens formuliert werden. „Spitzenpositionen sind für Frauen nach wie vor schwierig zu erreichen. Die Zusammensetzung des Topmanagements wird sich erst in einigen Jahren signifikant ändern, wenn diejenigen Frauen, die jetzt auf den unteren Unternehmensebenen einsteigen, sich in Spitzenpositionen hochgearbeitet haben“, so Jochmann.

Fotonachweis: Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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