Facebook-Sucht im Büro – der Horror jedes Chefs

von in Social am Mittwoch, 26. Januar 2011 um 12:07

Dass die meisten Chefs keine Freude haben, wenn sich ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeit im Social Web tummeln, verwundert nur bedingt. Zwei von drei Führungskräften haben nämlich laut einer deutschen Umfrage massiv etwas dagegen, wenn ihre Mitarbeiter sich während der Arbeitszeit auf Social Media Plattformen wie Facebook, Xing oder Twitter engagieren. Über Sinn und Unsinn von Facebook-Verboten, Mitarbeiter als Unternehmensbotschafter und Social-Media-Sucht.

Die Studie der Nationalen Initiative für Informations- und Internetsicherheit (NIFIS) ist zwar nicht repräsentativ, dürfte aber das auch hierzulande vorherrschende Stimmungsbild sehr wohl abbilden: 40 Prozent der Chefs denken, Facebook und Konsorten seien Privatsache, und daher auch ausschließlich außerhalb der Arbeitsräume zu nutzen. Ein weiteres Viertel (26 Prozent) sieht in den Sozialen Netzwerken gar ein nicht abschätzbares Risiko für die IT- und Informationssicherheit eines Unternehmens.
Aber immerhin jeder dritte Unternehmer (34 Prozent) sieht auch die Chancen, die durch die rasche, einfache und unkomplizierte Kommunikation über Blogs, Facebook und Twitter möglich ist.

Es ist anzunehmen, dass Letztere zu der Gruppe gehören, die erkannt haben, dass Mitarbeiter – sobald sie sich in einem ihrer Profile einem Unternehmen zuordnen – automatisch als Botschafter der Firmenidee auftreten. Egal, ob diese das wissen oder nicht. Und egal, ob diese das wollen oder nicht. In der Regel werden dies auch Unternehmen sein, die sich ernsthaft mit dem Unternehmenseinsatz von Social Media und dessen Konsequenzen (Stichwort Social Media Guidelines) auseinandersetzen.

„Brauch ma des wirklich?“

Gerade im Bereich der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) ist Social Media über weite Strecken nach wie vor ein rotes Tuch. PR-mäßig zu riskant, zeitaufwändig, wenn es professionell gemacht werden soll, und noch immer ein Stück Neuland, das man nicht zu betreten wagt. Dass einem die eigenen Mitarbeiter in diesem Bereich oftmals etwas voraus haben, weil sie sich privat bereits seit Jahren selbstverständlich im Social Web bewegen, wird oft nur zu gern übersehen. Und leider auch das Potenzial, dass in diesem Bereich in vielen Firmen brachliegt.

Natürlich: Dass Risiken vorhanden sind, Zeit und Ressourcen vergeudet werden, wenn die Unternehmenskommunikation via Social Media unprofessionell betrieben wird, steht außer Frage. Nicht jedes Unternehmen muss auf den fahrenden Zug aufspringen, wenn es feststellt, dass es zu Fuß auch passabel unterwegs ist. Dass der Zug aber auf jeden Fall fährt, Social Media also auf alle Fälle da ist, steht ebenso fest. Am Beginn des Entscheidungsprozesses „Social-Media-Einsatz ja oder nein?“ sollte demnach auch bei Skeptikern nicht einfach die Feststellung „Brauch ma net.“ stehen, sondern im Idealfall „Brauch ma des wirklich?“.

Arbeitszeit-Killer Facebook

Der häufigste Grund für unternehmerische Social-Media-Skepsis – der nicht unwesentlich die vorliegenden Umfrageergebnisse beeinflusst haben dürfte – ist bei Firmenchefs wohl darin zu suchen, dass Mitarbeiter ihre Arbeitszeit mit Sicherheit lieber mit ihren „Freunden“ und „Followern“ verbringen als mit Akten, Kopiergeräten und Excel-Sheets. Social Media hat riesiges Suchtpotenzial, wie Karrierebibel-Kollege Jochen Mai launig beschreibt. Und dieser Sucht am Arbeitsplatz will jeder Chef logischerweise vorbeugen. Ob gesperrte Facebook-Accounts in Firmen aber in Zeiten von Smartphones noch ein probates Mittel sind, darf bezweifelt werden.

Fazit 1: Eine für beide Seiten verträgliche Lösung auszuarbeiten wird künftig wahrscheinlich eine Herausforderung für jede Firma sein. Ob sie sich nun mit Social Media auseinandersetzen will oder nicht.

Fazit 2: Wie dieses Thema österreichische Dienstnehmer und Arbeigeber sehen, versuchen wir derzeit gerade selbst herauszufinden. Helfen Sie uns dabei. Hier geht es zu den Umfragen für Bewerber und für Arbeitgeber.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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