Keine Lust auf Facebook-Posts per Dienstanweisung

von in Social am Dienstag, 1. Juli 2014 um 10:23

Das Verhältnis von Arbeitgebern zu Facebook & Co. ist, sagen wir einmal, zwiespältig. Einerseits heißt es, Postings und Chats der Mitarbeiter kosten wertvolle Arbeitszeit, weshalb manche Firmen diverse Seiten sogar sperren. Andererseits wiederum wollen immer mehr Arbeitgeber die Kontakte ihrer Angestellten gratis für sich nutzen und bitten aktiv um Likes und Postings. Das mögen Mitarbeiter meist gar nicht.

Mitarbeiter zur Firmen-PR aufgefordert

Vom Vorgesetzten beim privaten Chat erwischt zu werden ist zwar unangenehm, jedoch weit nicht so schlimm, wie darum gebeten zu werden, den eigenen Arbeitgeber auf Facebook & Co. anzupreisen. Dieses spannende Ergebnis liefert eine aktuelle Befragung unter 600 Angestellten in Australien. Immer mehr Arbeitgeber haben Werbenutzen und Reichweite der sozialen Medien für sich entdeckt – mehr oder weniger professionell werden diese Kanäle für PR- sowie Employer Branding-Maßnahmen genutzt. Die eigenen Mitarbeiter sollen dabei kräftig mithelfen, indem sie Postings setzen oder die Firmeninhalte linken und teilen.

„Arbeitgeber sollten für die Kontakte bezahlen“

Social Media KontakteWas im Idealfall auf freiwilliger Basis und von selbst passiert – nämlich dann, wenn man stolz auf seinen Arbeitgeber ist – wird mancherorts vom Chef gefordert. Dass dies bei den Mitarbeitern nicht gut ankommt, ist klar. Und dabei handelt es sich jedoch keineswegs um Einzelfälle. Laut der Befragung wurden 17 Prozent der Angestellten schon einmal darum gebeten, das Unternehmen auf Facebook und anderen sozialen Medien anzupreisen. Mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer (26 Prozent) wurden dazu zumindest ermutigt. Vor allem in der Gastwirtschaft sowie im Unterhaltungsbereich sei diese Vorgangsweise Gang und Gäbe, erklärt Beth Powell vom Australian Marketing Institute. Sie fordert, dass Angestellte für solche in Auftrag gegebenen Aktionen entlohnt werden sollten. „Falls ein Unternehmer Zugriff zu den tausenden Kontakten seiner Angestellten für Marketingzwecke haben will, muss er auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Schlussendlich wurde diese Datenbasis von den Angestellten außerhalb der Arbeitszeit geschaffen“, argumentiert Powell. Bei Kontakten hingegen, die durch die Tätigkeit im Unternehmen gewonnen wurden, sieht die Sache anders aus.

Lästige und überwachte Pflicht

Mit Chefs und Kollegen befreundetWie alltagstauglich und vor allem realistisch diese Empfehlung ist, sei dahingestellt. Fest steht jedoch, dass sich Arbeitgeber am besten schon vorgestern einen zeitgemäßen Umgang mit dem Thema Social Media in ihren Unternehmen überlegt haben sollten. Social Media-Guidelines sind hierbei zwar keine Neuigkeit, Schnee von gestern sind sie jedoch ebenfalls längst noch nicht. Und auch der Frage, ob man mit dem Chef auf Facebook & Co. befreundet sein will, sollte die nötige Aufmerksamkeit gewidmet werden. Laut karriere.at-Umfrage ist dies nämlich für jeden vierten Arbeitnehmer ein absolutes No-Go, mehr als die Hälfte befreundet sich nur mit ausgewählten Kollegen. Ein Aufruf zu Likes und Postings ist hier ein Eingriff, der aus privat schnell beruflich macht. Und wenn der Vorgesetzte dann noch mitliest, sind erbetene Aktivitäten schnell lästige und vor allem überwachte Pflicht.

Bildnachweis: Sukharevskyy Dmytro (nevodka) /Quelle Shutterstock, ra2studio / Quelle Shutterstock, karriere.at

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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