Mit Facebook zum Job? Karriere-Pages bei den meisten noch nicht angekommen

von in HR, Jobsuche, Social am Mittwoch, 18. Mai 2011 um 13:55

Neulich stand es ja hier zu lesen: Österreichs Personalabteilungen zögern derzeit noch, wenn es darum geht, Präsenzen im größten aller Social Networks einzurichten. Nun gut, immerhin zähle ich auf meiner Seite zu Karriere-Pages aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile 123 Karriere- bzw. Ausbildungspages, Tendenz steigend. Und aus Österreich sind dort immerhin 8 Arbeitgeber vertreten (Allianz, PWC, T-Mobile, Rondo Ganahl, Getzner Textil, VEM, FWP).

Gastbeitrag von Henner Knabenreich/personalmarketing2null.de

Gut, zugegeben, nichts gegen die Anzahl an deutschen Pages. Hier sticht BMW mit seinen mehr als 20.000 Fans heraus (nicht nur, was die Fanzahlen angeht, die nichts über die Qualität einer Seite aussagen, sondern auch, was die Aufbereitung und die Vielfalt der Inhalte sowie die Interaktion mit den Fans angeht), auch die Deutsche Flugsicherung ist hier als klares Vorbild zu nennen. Vor allem, weil die Seite auf jegliches Brimborium verzichtet und quasi nur aus Facebook-Bordmitteln gestrickt wurde. Klares Schlusslicht (und das quasi von Anbeginn) ist die Seite von ZSI, einem Ingenieursdienstleister aus Gummersbach. Obwohl die Seite schon längere Zeit online ist, als so mancher Neustarter, passiert dort nichts. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass es nicht zielführend ist, sich kopflos ins Social Media Abenteuer zu stürzen, einfach nur, um dabei zu sein bei Facebook. Hier sind eine klare Strategie, viel Herzblut, relevante Inhalte und personelle Ressourcen gefordert. Aber das nur am Rande.

Viel interessanter ist doch zu wissen, wie die Zielgruppe denn überhaupt ein Engagement von Arbeitgebern in Facebook aufnimmt. Wenn sie es denn überhaupt wahrnimmt. Zu diesem Zweck habe ich gemeinsam mit Student-Monitor (Student Monitor betreibt das Portal für Online-Studentenumfragen studenten-meinung.de) eine Umfrage zum Thema „Beruf und soziale Netzwerke“ unter 201 Studierenden verschiedener Fachrichtungen durchgeführt.

Klar, diese Studie/Umfrage kann kaum repräsentativ sein. Nichtsdestotrotz spiegelt sie einen Trend wider, den ich schon lange beobachte.

Aber eins nach dem anderen. Student-Monitor und ich haben unter anderem die Frage gestellt, welche Medien Studierende nutzen, wenn Sie sich auf Jobsuche befinden und sich über potenzielle Arbeitgeber informieren wollen. Welche Rolle spielen hierbei die klassischen Printmedien, welche die Unternehmens-Websites? Welche Netzwerke werden werden genutzt, um mit anderen in Kontakt zu treten und in Kontakt zu bleiben? Welchen Stellenwert hat Facebook? Was bedeutet der persönliche Kontakt im Kontext des allgegenwärtigen und nicht mehr wegzudenkenden Social Networks?

Und: welche Rollen spielen Facebook, Xing, LinkedIn und Twitter bei der Jobsuche (wenn sie denn eine Rolle spielen)?

Auch wollten wir wissen, was die Gründe sind, Fan einer Facebook-Page zu werden. Geht es um Sympathie? Geht es darum, auf dem Laufenden gehalten zu werden? Oder um Zugriff auf exklusive Informationen zu erhalten? Und ganz entscheidend:

Werden Karriere-Pages auf Facebook, auf denen sich Unternehmen als Arbeitgeber präsentieren und in den Dialog mit potenziellen Mitarbeitern treten, von Studiereden wahrgenommen? Und wenn ja, welche Erwartungen haben sie an die Inhalte?

All diese Fragen haben wir im Rahmen einer Online-Befragung unter 201 Studenten – unter anderem aus den Studiengängen BWL, Ingenieurwesen, Natur- Geistes- und Gesellschaftswissenschaften – aus verschiedenen deutschen Hochschulen erhoben.

Unternehmenswebsite und persönliche Kontakte sind beliebteste Informationsquelle

Und die Ergebnisse? Beliebtestes Informationsmedium bei der Jobsuche ist die Unternehmens- bzw. die Karriere-Website. 91 % der Befragten nutzen das Online-Instrument regelmäßig für die Jobsuche. Persönliche Kontakte nutzen 75 % der Befragten, um sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren. Auch Online-Jobbörsen und Arbeitgeberbewertungsplattformen wie kununu stehen hoch im Kurs. (Noch) weit abgeschlagen stehen hingegen Social Web-Plattformen wie Facebook, Xing, Twitter und LinkedIn. Insbesondere LinkedIn spielt keine nennenswerte Rolle bei Studierenden.

Das Gleiche gilt im Übrigen für Xing. Nur 3 % der Befragten haben ein eigenes Profil bei Xing, bei Facebook sind es 80 %. 86 % der Facebook-User nutzt das soziale Netzwerk täglich oder sogar mehrmals täglich.

Apropos Facebook: Auf die Frage nach den Netzwerken bzw. Events, die genutzt werden um mit Menschen beruflich und privat in Kontakt zu treten, steht Facebook (72 %) fast gleich auf mit Partys und Feiern (82 %). Auch hier zeigt sich wieder einmal mehr, dass Facebook aus dem täglichen Leben nicht mehr weg zu denken ist.

Mehrheit findet Karriere-Pages auf Facebook interessant

Bei über 18.000.000 aktiven Facebook-Usern in Deutschland ist es daher auch wenig erstaunlich, dass sich immer mehr Unternehmen mehr oder wenig erfolgreich mit einer Karriere-Page auf Facebook etablieren (wollen). Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl von 23 auf 123 nahezu verfünffacht. Und wie reagiert die potenzielle Zielgruppe – in diesem Fall also die Studierenden – darauf?

Interessant: Nur die wenigsten kennen Karriere-Pages bzw. sind Fan solch einer Arbeitgeber-Page. Noch viel interessanter: Diejenigen, die diese Pages nicht kennen, finden den Ansatz aber sehr interessant und können sich sehr wohl vorstellen, Fan solch einer Arbeitgeber-Präsenz auf Facebook zu werden.

Hier sind aber auch die Unternehmen gefordert. Denn selbst die Unternehmen, die im größten sozialen Netzwerk vertreten sind, versäumen es oft genug, auf ihre Social Media Präsenz aufmerksam zu machen. Sowohl online auf der Karriere-Website als auch offline in einschlägigen Printinsertionen fehlt ein Hinweis völlig.

Befragt nach der Motivation, Fan einer Facebook-Page zu werden, wurden insbesondere die Sympathie zu einer Marke und der Wunsch nach aktuellen, exklusiven Informationen genannt.

Und was erwarten Fans dann von einer solchen Karriere-Page? Welche Informationen sind für sie entscheidend? Nun, wirklich überraschend ist es nicht, wenn man sieht, dass da Jobs an erster Stelle stehen. Letztlich ist es doch so, dass man mit einer Karriere-Page auch Job-Angebote assoziiert – eben genau wie man es von der klassischen Karriere-Website kennt (und genau so, wie es dort manchmal daran mangelt, ist die Integration von Jobs auf vielen dieser Pages Mangelware).

Auch der Informationshunger nach Hinweisen zu aktuellen Veranstaltungen ist groß. Und ganz klar gefordert: Der „erlebbare“ Arbeitgeber – idealerweise mit authentischen Fotos oder Videos unterfüttert.

Auch wenn bei dieser Untersuchung nur deutsche Studierende befragt wurden, so dürfte ein Ergebnis für Österreich wohl ähnlich ausfallen. Aber vor allem müsste hier wohl die Bereitschaft der Unternehmen größer sein, sich als Arbeitgeber auf Facebook zu präsentieren.

Nun, wir stehen erst am Anfang. Mittelfristig kann sich nahezu kein Unternehmen vor einem Engagement in Social Media verschließen. Es sei denn, man will den Wettbewerb um die besten Talente verschlafen.

 

Zur Person:
Henner Knabenreich ist freiberuflicher Berater aus Wiesbaden und berät Unternehmen in Sachen Personalmarketing und Social Media. Diesen Themen ist auch sein Blog personalmarketing2null.de gewidmet.

 

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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