Facebook: Wie steht es um Karriere-Pages in Österreich?

von in HR, Social am Montag, 16. Januar 2012 um 09:57

Bereits im Mai wurde hier im Blog festgestellt, dass „Österreichs Personalbteilungen relativ zurückhaltend agieren, wenn es darum geht, Präsenzen im größten aller Social Networks einzurichten.“ Wie sieht die Situation aber heute aus? Sind Österreichs HR-Manager nach wie vor skeptisch oder springen sie allmählich auf den in Deutschland bereits voll fahrenden Zug auf? In regelmäßigen Abständen wird künftig Personalmarketing- und Social-Web-Experte Henner Knabenreich die heimische Karrierelandschaft auf Facebook unter die Lupe nehmen.

Ein Gastartikel von Henner Knabenreich/personalmarketing2null

Grund genug, sich einmal die weitere Entwicklung anzuschauen. Schließlich bietet Facebook mit 2,7 Millionen Usern alleine in Österreich unglaubliches Potenzial, sich im größten sozialen Netzwerk auch als Arbeitgeber zu präsentieren. Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Anzahl über 43 % der österreichischen Online-Bevölkerung ausmacht und sich 54 % der User in der Zielgruppe der bei Unternehmen heiß begehrten Altersklasse der 18- bis 34-jährigen tummelt (alle Statistiken: http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/austria).

Österreich: 13 aktive Arbeitgeber-Pages auf Facebook

Henner Knabenreich, personalmarketing2null

Henner Knabenreich, personalmarketing2null.de

Während man den Eindruck gewinnen könnte, dass Facebook in Deutschland mittlerweile schon ein Standardinstument in Sachen Personalmarketing geworden ist (mehr als 75 % der von mir erfassten Facebook-Seiten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz entfallen auf deutsche Unternehmen), wird Employer Branding via Facebook in Österreich bis dato nach wie vor eher verhalten praktiziert. Gerade einmal 13 Arbeitgeber-Pages aus der Alpenrepublik habe ich auf meiner Übersicht zu Karriere-Pages auf Facebook erfasst. Wobei nur das Setzen eines „Karriere-Tabs“ auf einer Unternehmens-Page nicht gleichzusetzen ist mit einer separaten Ausbildungs- bzw. Karriere-Page. Erfasst werden vielmehr Seiten, deren Inhalte den Fokus wirklich auf die Themen Ausbildung, Einstieg und Karriere richten und Unternehmen sich via Facebook als Arbeitgeber erlebbar machen wollen.

Berücksichtigt wurden für den nachfolgenden Status quo daher auch nur Seiten, die schon längere Zeit online sind bzw. über regelmäßige Aktivität verfügen. Seiten, die bspw. nur unregelmäßig gepflegt werden (d. h. nur alle Jubeljahre ein Eintrag, letzter Eintrag länger als zwei Monate her), fließen nicht in die Auswertung mit ein. So müssen bspw. die Lehrlinge von Hirschmann Automotive oder von SBER auf der Strecke bleiben. Im Übrigen trifft dies auch auf Seiten zu, auf denen aktuelle Posts nur von Fans stammen. So datiert beispielsweise der letzte eigene Post auf der Karriere-Page des Telekommunikationsdienstleisters A1 bereits von Februar 2011 (!). Aktuelle Useranfragen kamen aber im Laufe des Jahres immer wieder herein, welche allerdings auch beantwortet wurden.

Intelligent wachsen statt Fans kaufen

Da nicht jedes der ausgewerteten Unternehmen auf eine Dauer der Online-Präsenz von einem Jahr zurückblicken kann, habe ich mir als Auswertungszeitraum das letzte Vierteljahr (1. Oktober 2011 bis 31. Dezember 2011) ausgesucht. Die Auswertung geschah dabei wie immer mit freundlicher Unterstützung von Allfacebook | Stats. Mit diesem Tool können Sie nicht nur Ihre eigene Facebook-Page, sondern auch die Ihrer Mitbewerber bis ins Detail auswerten. Was zuerst auffällt: Die Seite, die noch am frischesten dabei ist (offiziell erst seit September) und auf den wunderbaren Namen „BILLAbuchkarriere“ hört, ist auch die wenn man so will erfolgreichste.

Wobei sich eine erfolgreiche Facebook-Seite eher weniger über die Anzahl der Fans definiert (die lassen sich auch per iPad-Verlosung im Nu generieren oder sogar bei eBay kaufen (wie wenig nachhaltig solch eine Fan-Vermehrung ist, habe ich schon mehrfach in meinem Blog personalmarketing2null beschrieben. Wobei man Fan-Wachstum auf Karriere-Pages durchaus auch „intelligent“ erzielen kann, auch hier ist BILLAbuchkarriere mit der Verlosung von zusätzlichen Urlaubstagen für die Mitarbeiter ein gelungenes Praxisbeispiel), sondern über die Interaktion auf der Seite. D. h. also wie interagieren die Fans mit der Seite, wie viel „liken“ einen Beitrag, kommentieren diesen, schreiben eigene Beiträge und wie geht das Unternehmen darauf ein.

Gut, schauen wir uns nichtsdestotrotz einmal die Fan-Entwicklung im letzten Vierteljahr an:

Wie schon gesagt hat hier BILLAbuchkarriere die Nase vorn, mit weitem Abstand gefolgt von den Lehrlingen der Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie und T-Mobile Austria.

Wer übrigens der Ansicht ist (zurecht eigentlich), dass eine Page umso mehr Fans hat, desto länger sie live ist, irrt (leider). Schauen wir uns dazu bspw. mal die Pages von Allianz, fwp (übrigens nach wie vor die einzige Karriere-Page einer Anwaltskanzlei!), Rondo Ganahl und A1 an (alle gingen im Frühjahr 2010 an den Start), so lässt sich an der Performance eindeutig erkennen, dass dem leider nicht so ist. Warum dem so ist, lässt sich spätestens dann nachvollziehen, wenn Sie mal auf die einzelnen Seiten gehen. So war bspw. auf der Facebook-Page von fwp zwischen März und November 2011 absolute Funkstille, das Gleiche gilt für die Page A1 Karriere, die ohne gelegentliche User-Posts absolut verwaist wäre. Auch wenn ich mich wiederhole: Social Media ist KEIN Selbstläufer und es braucht eines nachhaltigen Engagements um bspw. solche Erfolge wie bei BILLA oder auch der Allianz zu erzielen.

Kleine Seiten punkten mit Interaktion

Denn die punkten nicht nur in Sachen Fanwachstum. Auch was die Interaktion auf den Seiten angeht zeigt, dass man sich schon engagieren muss, um interaktiv erfolgreicher zu sein, als andere. So erzielten eben diese Karriere-Pages deutlich mehr Kommentare, Likes und User Posts als alle anderen Seiten in Summe.

Wobei man eine Kleinigkeit beachten sollte: Wenn man sich einmal die Interaktionsrate anschaut (also die Anzahl der Likes, Kommentare etc. im Verhältnis zur Nutzerzahl), so lässt sich erkennen, dass hier gerade die kleinen Seiten die Nase vorn haben. Was sich aber auch erklären lässt: Es ist nun mal so, dass immer nur ein kleiner Prozentsatz sich wirklich aktiv am Geschehen beteiligt (Schon 2006 stellte Usability-Guru Jacob Nielsen in seiner „90-9-1-Regel“ fest, dass von allen Beteiligten 90 % der Nutzer nur lesen oder beobachten, 9 % der Nutzer sich nur ab und zu beteiligen und lediglich 1 % der Nutzer einen Großteil der Beiträge verfasst.). Je größer also die Community, desto (im Verhältnis) geringer die Interaktionsrate (da ändert Facebook auch mit seinem neuen Index „Sprechen darüber“ nichts).

Schaut man sich im Übrigen mal im Verhältnis die deutschen Facebook-Zahlen an, so hinken die Pages aus Österreich (noch) weit hinterher. So haben hier bspw. die Pages der BMW Group und der Bundeswehr die 30.000-Marke geknackt.

Insofern: Es bleibt spannend. Schauen wir also, wie sich die Welt der Karriere-Pages in Österreich weiter entwickelt. Wie wäre es bspw. mit einer Page vom Bundesheer?

Zur Person:
Henner Knabenreich ist freiberuflicher Berater aus Wiesbaden und berät Unternehmen in Sachen Personalmarketing und Social Media. Diesen Themen ist auch sein Blog personalmarketing2null.de gewidmet.

Bildnachweis: colourbox.com, Grafik: karriere.at

Redaktion

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