HR-Rasterfahndung mit Facebook Graph Search

von in Social am Montag, 29. Juli 2013 um 10:48

Schon im Datenberg von Facebook geschürft? Vergangenen Jänner von Mark Zuckerberg präsentiert, ist Facebooks neue Suchfunktion Graph Search jetzt auch bei uns für alle Nutzer verfügbar. Von Zuckerberg höchstselbst als „Zukunftsversprechen für Recruiter“ angekündigt, stellt sich die Frage nach den wahren Auswirkungen auf Bewerber und Recruiter. Schließlich können alle öffentlichen Daten von Personen (Eigenschaften, Fotos, Videos, etc.) von nun an beliebig verknüpft und durchsucht werden.

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Wer bist du? Diese Frage lässt sich dank Facebook mittlerweile einfacher denn je beantworten. Mehr als 1 Milliarde User hinterlassen täglich einen breiten, öffentlichen Datenstrom – der dank der neuen Graph Search zur Fundgrube wird. Natürlich nicht ohne Hintergedanken: Je mehr Informationen User preisgeben, umso besser ist die Funktion zu nutzen.

Graph Search aktivieren

Die Suche muss von deutschsprachigen Usern erstmal manuell auf Graph Search umgestellt werden. Dazu einfach auf facebook.com in den Kontoeinstellungen die Sprache auf ‚English (US)‘ umstellen. Et voilá: schon verändert sich das Layout und die blaue Toolbar ist um eine schlaue Funktion reicher:

Graph Search auf Facebook

So funktioniert Graph Search

Bis dato war die Suchfunktion auf Facebook ja vornehm ausgedrückt rudimentär, die gelieferten Ergebnisse schwach. „Find more of what you’re looking for through your friends and connections“, ist hingegen der Graph Search Leitsatz. Einen ersten Überblick über die Funktion liefert das dazugehörige, offizielle Video:

Im privaten Umfeld soll es durch Anfragen wie „People who like what I like“ (Suchanfragen müssen auf Englisch formuliert werden) einfacher werden, neue Bekanntschaften zu schließen und so sein soziales Netzwerk auszubauen. So weit so einfach. Interessanter wird es, wenn komplexere Suchen abgesetzt werden. Für die eigene Urlaubsplanung kann es da schon einmal heißen „Tourist attractions in San Francisco, California liked by my friends“. Auch Kontakte zweiten Grades (=Freunde von Freunden) können mit „My friends of friends who…“ in die Suche miteinbezogen werden.

Graph Search unterstützt die Suchanfrage mit sinnvollen und weniger sinnvollen Vorschlägen zur Erweiterung:

Suchvorschläge

Wie aber weiß Facebook, welche Interessen die Menschen haben? Einerseits dann, wenn das Interesse im Profil als solches deklariert wird. Andererseits aber auch dadurch, dass das Profil eindeutig auf ein gewisses Interesse hinweist Ein einfaches Beispiel: Wer eine Band liked, ist wohl noch kein eindeutiger Musikfan. Wer 25 Rock-Bands verfolgt, hat wohl ein klares Interesse an a) Musik und b) Rock-Bands. „Beeindruckend und beängstigend zugleich“, meint nicht nur die Süddeutsche Zeitung.

HR-Potenziale der neuen Facebook-Suche

Eines wird im offiziellen Facebook-Video nicht deutlich: das Potenzial für Bewerber UND Personalisten im Recruitingprozess.

Für Bewerber:

  • Mit der Möglichkeit, Kontakte zweiten Grades zu durchsuchen, können im Bewerbungsprozess unkompliziert Bekannte von Freunden recherchiert werden, die vielleicht schon beim Wunscharbeitgeber beschäftigt sind. Die Eingabe dafür lautet „My friends of friends who work at [Name des Unternehmens]“. Die Ergebnisse sind zusätzlich noch nach Kriterien wie Position oder Zeitpunkt der Beschäftigung filterbar.
  • Bewerber sollten daher mit ihren Daten noch sorgsamer umgehen – und ihr Profil gezielt mit Angaben auffüllen, die die eigene Relevanz für interessante Jobs steigern. Das Interesse für branchenspezifische Marken, jobaffine Interessen sowie ein vielschichtiges Kontaktnetzwerk können so zum Vorteil werden.
  • Wer Facebook intensiver für die eigene Jobsuche nutzen möchte, kann es mit Sucheingaben wie „HR Managers who live in …“ oder „Recruiters who work at …“ weit bringen.

Für Personalisten:

  • Graph Search erlaubt das Durchforsten des Netzwerks nach Name, Unternehmen und geografischen Kriterien. Wer diese drei Möglichkeiten sinnvoll miteinander verknüpft („People who live in [Ort] and work at [Unternehmen]“) erlebt, was Mark Zuckerberg mit seinem „Zukunftsversprechen für Recruiter“ gemeint hat.
  • Konferenzen und Branchenevents – die Orte, wo Experten und High Potentials einander treffen. Und auf Fotos markiert werden. „Photos of …“ ist die richtige Suchanfrage dafür.
  • Die Recherche von Kandidaten vor dem Bewerbungsgespräch ist zwar in manchen Unternehmen verpönt, findet aber trotzdem statt. Alle öffentlichen Daten der Kandidaten sind durch Graph Search auswertbar.

Schon nach der Präsentation im Jänner merkte Sebastian Manhart in seinem Blog zwei wesentliche Kritikpunkte zum Thema Graph Search an:

  • Graph Search ist abhängig von der Qualität der Daten, die die User hinterlassen. Und hier kann nicht zweifelsfrei davon ausgegangen werden, dass diese für HR-Belange einwandfrei nutzbar sind.
  • Die Masse der Unternehmen setzt noch nicht auf Social Recruiting, weswegen die Anzahl an Recruitern, die die Funktion wirklich bis in die Tiefe nutzen kann, (noch) überschaubar ist.

Datenschutzproblematik

Die Suche findet nur, was als öffentlich markiert oder von Freunden freigegeben ist. Graph Search findet also im Umkehrschluss keine Daten, die als privat markiert sind. Zumindest theoretisch. Faktisch ignorieren viele Nutzer ihre Privatsphäreeinstellungen. Wer peinliche Likes lieber bei sich lassen will, findet bei Thomas Hutter tiefergehende Informationen.

Bildnachweis: alphaspirit / shutterstock.com, Screenshots von facebook.com

David Kitzmüller

David Kitzmüller ist Marketing-Teamleiter bei karriere.at. Zwischen Werbekampagnen und Performance-Analysen schreibt er in seinen Blogposts über Trends und neueste Entwicklungen in der Webwelt.

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