Ethik im Unternehmen: Keep your distance, please!

von in Arbeitsleben, HR am Mittwoch, 27. Mai 2015 um 10:38

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Benimmt sich der oberste Boss daneben oder ist in ethischer Hinsicht ein schlechtes Vorbild, kann sich das bis in die untersten Hierarchieebenen durchziehen. Es gibt allerdings eine Ebene, die das Durchrieseln schlechter Eigenschaften von oben nach unten verhindern kann: Das mittlere Management. Eine Studie der Rotterdam School of Management hat sich diesem Einfluss auf Ethik im Unternehmen gewidmet.

Die Top-Down-Kette von unenthischem Verhalten kann vom mittleren Management unterbrochen werden, das zeigen neue Forschungen von Gijs van Houwelingen der Rotterdam School of Management. Wer als Arbeitgeber und Unternehmen moralisch korrekt handeln möchte, darf sich in punkto Ethik im Unternehmen nicht nur am Top-Management orientieren und muss besonders dem mittleren Management besonderes Augenmerk widmen.

Top-Management als Vorbild

Wenn sich die oberste Führungsriege unethisch verhält, kann das Auswirkungen auf die gesamte Organisation haben. Wenn Unternehmen versuchen, ethisch korrektes Verhalten zu etablieren bzw. zu halten, sind sie oft mit einem Problem konfrontiert: Menschen kopieren unbewusst das Verhalten anderer – negative Eigenschaften inklusive. Dieser Effekt ist besonders stark ausgeprägt, wenn es sich bei den „Vorbildern“ um wichtige Positionen wie Geschäftsführer handelt. Benimmt sich das Top-Management daneben, hat das Auswirkungen bis in die untersten Hierarchieebenen. Forscher Van Houwelingen hat sich dafür interessiert, welche Faktoren beim Verhindern dieses Phänomens eine Rolle spielen. Das Ergebnis: Angehörige des mittleren Managements sind die wichtigsten „Gatekeeper“ – und gehen zur obersten Führungsriege am besten auf Distanz.

Verhalten wird auch unbewusst kopiert

Es hat sich herausgestellt, dass Abstand und Distanz wichtige Werkzeuge im Kampf um die Ethik sind. Für Arbeitgeber ein schwieriger Balanceakt: Managementebenen dürfen nicht zu nah aneinander angesiedelt werden, zu viel Distanz ist aber auch nicht gut. Je näher sich ein Mitarbeiter seiner Führungskraft fühlt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das Verhalten des Chefs unbewusst kopiert und übernimmt. Bei größerer Distanz verringert sich das Phänomen oder kehrt sich ins genaue Gegenteil um: Je größer der Abstand zwischen mittlerer Führungskraft und der Spitze, desto eher agieren die Führungskräfte mittlerer Ebenen genau gegenteilig zum obersten Boss. Sie agieren fairer, sobald sie mit unethischem Verhalten des Top-Managements konfrontiert werden.

Was kann man tun, um das Gleichgewicht im Unternehmen zu halten?

Distanz funktioniert auf zwei Ebenen: Physisch und psychisch. Räumliche Distanz herzustellen ist relativ simpel: Top-Management und mittleres Management werden auf unterschiedlichen Stockwerken, in verschiedenen Gebäuden oder in weiter auseinanderliegenden Büros untergebracht. Psychologische Distanz kann durch ein gewisses Maß an Formalität in der Kommunikation hergestellt werden. In die „Ethik-Falle“ tappt man auch, wenn man sich mit einer einzigen Führungskraft stark identifiziert. Wer mit mehreren Vorgesetzten oder Mentoren zu tun hat, tut sich leichter, unethisches Verhalten nicht anzunehmen.

Über die Erkenntnisse seiner Forschungsarbeit spricht Van Houwelingen in diesem Video:

Bildnachweis: Robsonphoto / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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