Erste Hilfe im Büro: „Falsch ist nur, wenn man nichts macht“

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 6. Dezember 2012 um 10:46

Aller Anfang ist schwer. Auch in Notsituationen. Grundsätzlich sollte man meinen, jeder weiß, was bei einem Notfall zu tun ist. Wer etwa den Führerschein gemacht hat oder beim Bundesheer war, hat mit Sicherheit schon einmal einen Erste Hilfe Kurs absolviert. Meistens tritt dann jedoch ein Phänomen auf, welches man auch von einst gelernten Fremdsprachen kennt. Nicht angewandt sind diese schnell vergessen und nach Worten ringend versucht man im nächsten Urlaub, ein stilles Mineral zu bestellen. Im Urlaub mag die Zeit dafür ausreichen – ein Notfall hingegen ist immer ein Wettlauf mit der Zeit.

„Erste Hilfe ist einfach“

Holger Oppenborn, Landeslehrsanitäter beim Roten Kreuz OÖ, weiß, was das größte Problem in Notsituationen ist: „Die Leute haben Angst davor, etwas falsch zu machen. Erste Hilfe ist jedoch einfach und falsch ist nur, wenn man nichts macht.“ Er wünscht sich, dass mehr Menschen ihr Notfall-Wissen auffrischen. Je nach Betrieb bzw. Arbeitssituation sind dabei verschiedene Schwerpunkte möglich. „Auch wenn man dieses Wissen im Berufsleben nie braucht ist es nie umsonst.“

Vier gefährliche Büro-Notfälle

Wie also im Notfall verhalten? Holger Oppenborn erklärt, wie man sich in folgenden kritischen Situationen richtig verhält:

  1. Zuckerschock: Ein Zuckerschock kann mehrere Ursachen haben und Diabetiker ebenso treffen wie gesunde Menschen oder eben Personen, die noch nicht wissen, dass sie zuckerkrank sind. Bei Zuckerkranken kann es etwa dann zum Zuckerschock kommen, wenn sie ihre Medikamente zwar nehmen, in der Früh jedoch keine Zeit haben, die nötigen Broteinheiten zu nehmen. Auch ein gesunder Mensch kann in besonderen Stresssituationen oder nach sportlicher Betätigung einen Zuckerschock erleiden. Es kommt zu den typischen Anzeichen wie Schwindel, kaltem Schweiß oder fruchtigem Mundgeruch, in weiterer Folge sackt die Person zusammen. Die Unterzuckerungszeichen können zur Bewusstlosigkeit und unbehandelt bis hin zum Atem-Kreislaufstillstand führen. In so einem Fall sollte man daran denken, den Betroffenen schon bei ersten Anzeichen oder Äußerungen zu fragen, ob er vielleicht Unterzucker haben könnte und schon etwas gegessen hat. Denn dann kann man mit einem Zuckerstück schon viel erreichen. Ist derjenige aber bewusstlos, bleibt nur mehr die stabile Seitenlage und das Warten auf den Arzt. Diese Probleme mit Unterzucker nehmen als Notfälle übrigens zu.
  2. Kollaps: Dabei handelt es sich um eine kurze Bewusstlosigkeit, die etwa auch durch Unterzucker ausgelöst werden kann. Weitere Auslöser sind Stress oder etwa ein schlechter Kreislauf im Allgemeinen. Als Ersthelfer spricht man die Person an und möglicherweise ist diese dann schon wieder bei Bewusstsein. Die Versorgung sieht wie folgt aus: Beine hochlegen, möglicherweise einengende Kleidungsstücke lockern und auf jeden Fall das Fenster öffnen. Neben gutem Zuspruch ist es auch wichtig, dass die Person erst langsam wieder hoch kommt.
  3. Herzanfall: Äußert sich durch Atemnot und Todesangst – meist im Bereich des Brustkorbes (kann auch in den Schulterbereich, Oberbauch oder das Kiefer ausstrahlen). Der Ersthelfer sollte die Person beruhigen, den Oberkörper unbedingt oben behalten (nicht hinlegen), gegebenenfalls wieder die Kleidung lockern und lüften. Ganz wichtig ist hier, dass man Ruhe bewahrt und auch den Patienten beruhigt. Personen, die einen Herzanfall erleiden, sind meist sehr nervös und aufgebracht. Als Ersthelfer sollte man daher versuchen, die Betroffenen zum ruhigen Sitzen zu bringen, bis der Notarzt eintrifft.
  4. Schlaganfall: Hier gilt zu beachten, dass manche Menschen schon vorher Anzeichen haben, die auf einen Schlaganafall hindeuten können. Dies könnte zum Beispiel ein kurzfristiges Lallen oder eine einseitige Lähmung sein. Als Gegenüber bzw. Bürokollege sollte man, sofern man so etwas bemerkt, dies unbedingt ansprechen. Auch hier: unbedingt einen Arzt alarmieren. Gerade hierbei zählt jede Minute, der Patient sollte möglichst rasch ins Krankenhaus (dort in eine Stroke Unit) gebracht werden.

Beatmung, Defi und Ersthelfer

Holger Oppenborn

Wenn man keine normale Atmung bei einem Patienten feststellt, fängt man sofort mit der Wiederbelebung an. Es wird der Patient laut angesprochen, sanft an den Schultern geschüttelt. Dann ruft man um Hilfe, als nächstes macht man die Atemkontrolle bei überstrecktem Kopf durch sehen, hören und fühlen und zwar maximal zehn Sekunden. Ist die Atmung in diesen zehn Sekunden normal (das heißt zwei normal tiefe Atemzüge), ist der Patient bewusstlos und kommt in die stabile Seitenlage. Ist keine normale Atmung feststellbar, wird sofort mit der Herzdruckmassage begonnen. Das Verhältnis ist hier 30 Herzdruckmassagen und dann zwei Beatmungen. Dies führt man so lange durch, bis der Notarzt da ist oder der Patient wieder atmet. Kann oder will man aus irgendeinem Grund keine Beatmung durchführen, macht man nur die Herzdruckmassage. „Und zwar so lange, bis Hilfe da ist“, so Oppenborn.

Stichwort: Defibrilator

Ist ein Defibrilator – kurz Defi – vorhanden, sollte man keine Scheu haben, einen solchen auch zu verwenden. „Vor einem Defi braucht man überhaupt keine Angst haben, sobald man ihn einschaltet sagt er einem an, was zu tun ist.“ Übrigens: Der Defi kontrolliert selbstständig die Lebenszeichen und läßt sich nur im Falle von vorhandenem Kammerflimmern des Patienten auslösen.

Stichwort: Ersthelfer

In Betrieben ab fünf Personen muss ein betrieblicher Ersthelfer bestimmt sein. Dieser muss sich alle vier Jahre fortbilden ist zudem für den Verbandskasten zuständig.

Wissen beugt Angst vor

Neben akuten Notfällen im Büro gibt es viele andere Situationen, die die Kollegenschaft vor zum Teil ungewohnte Herausforderungen stellen. Klaus Wögerer, Unternehmensberater und Berater des Betriebsservice OÖ, erklärt, wie zum Beispiel mit Epilepsie oder einer Behinderung umgegangen werden kann. „Wir erleben gerade in Bezug auf Menschen mit Behinderungen, dass Angst und Unsicherheit vor kritischen Situationen besteht. Zum Beispiel wernn ein Epileptiker einen Anfall. Wenn Notfälle im Vorfeld bereits vorhersehbar und möglich scheinen, ist es hilfreich Aktivitäten zu setzen, die Ängste reduzieren und Sicherheit erhöhen – z.B. durch Pläne, Trainings und Übungen. Beim Beispiel Epileptiker etwa wurden alle Teammitglieder durch spezielle Erste-Hilfe-Schulungen für diesen Notfall ausgebildet. Dieses Know-how können die MitarbeiterInnen dann auch in vielen anderen Situationen gut und erfolgreich anwenden und damit helfen schwierige Situationen zu lösen.“

Bildnachweis: .marqs / Quelle Photocase, karriere.at/Frenner, Rotes Kreuz

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren