Erfolgsfaktor Mitarbeiter: Druck auf Personalabteilungen wächst

von in Arbeitsmarkt, HR am Montag, 21. Mai 2012 um 10:38

Trotz der angespannten Wirtschaftslage und andauerndem Kostendruck halten europäische Unternehmen an einer expansiven Personalpolitik fest. 47 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen – im wirtschaftlich stabileren Jahr 2011 waren es hingegen nur 28 Prozent. Das zeigt die aktuelle Untersuchung „European HR Barometer 2012“ von Aon Hewitt, die im Auftrag des European Club for Human Resources durchgeführt wurde.

Die Krise wird als Chance gesehen

Auch an Weiterbildungs- und Entwicklungsprogrammen wird, so die Untersuchung weiter, nicht gespart. Unternehmen halten demnach den Erfolgsfaktor Mitarbeiter für entscheidend in Bezug auf nachhaltiges Wachstum und Innovation. Selbst die Euro- und Finanzkrise können dem wenig entgegnen. Viele HR-Verantwortliche beurteilen die kritische Wirtshaftslage gar zunehmend als Chance und nicht als Bedrohung. Dies zeigt sich auch daran, dass Talent Management und Führungskräfte-Entwicklung das Ranking der wichtigsten HR-Aktivitäten mit direktem Einfluss auf den Unternehmenserfolg sogar anführen.

Kampf der Jugendarbeitslosigkeit

Erstmals zeigt das HR-Barometer zudem auf, dass sich fast alle der 52 befragten Unternehmen aus 13 Ländern in der Verantwortung sehen, gegen die Jugendarbeitslosigkeit vorzugehen. Maßnahmen, die bereits umgesetzt worden sind, reichen von Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen bis hin zur Schaffung neuer Trainee-Stellen für junge Arbeitnehmer. 78 Prozent der Unternehmen zeigen sich bereit, neue Trainee-Stellen für Jugendliche zu schaffen. „Dass die Unternehmen bei ihrer expansiven Linie in Sachen Personalpolitik bleiben, halte ich für ein gutes Zeichen“, so Wolf-Bertram von Bismarck von Aon Hewitt. „Ich vertraue darauf, dass auch eine Verschlechterung der Wirtschaftslage hier keinen Riegel vorschieben wird“, ist Bismarck davon überzeugt, dass die Unternehmen auf einem guten Weg seien. Erstmals seit langem, so das HR-Barometer, wollen wieder mehr Unternehmen Posten schaffen als abbauen.

Der Druck auf die HR-Manager wird steigen

„Die Volatilität der Märkte steigt und der Wettbewerb wird schärfer. Das fordert von den Unternehmen mehr Wendigkeit und hohe praktische Umsetzungsqualität, die nur durch entsprechende personelle Ressourcen zu erreichen sind. Das macht ein effektives Personalmanagement und das Mitarbeiter-Engagement zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren im Unternehmen“, ergänzt der Experte. Der Druck auf HR, so Bismarck, zum Unternehmenserfolg beizutragen, wird dabei weiter wachsen.

Kostensensibilität vor Talente- und Fachkräftemangel

Als wichtigster Einflussfaktor auf die HR-Arbeit hat sich 2012 wieder die Kostensensibilität heraus kristallisiert, sie verweist den Talente- und Fachkräftemangel sowie anspruchsvolle Produktivitäts- und Gewinnziele auf Platz zwei und drei. Für die Studienautoren überraschend: politische Faktoren, wie die zunehmende Rolle sozialer Netzwerke, die Erhöhung des Renteneintrittsalters oder wachsende soziale Ungleichgewichte tauchen nicht im Ranking auf. Die Prioritäten der Personaler sind klar definiert: Kurzfristig wird es hauptsächlich um die Entwicklung der Mitarbeiter gehen. Die längerfristigen Ziele bis zum Jahr 2014 sind die Führungskräfteentwicklung, Mitarbeiter-Engagement und Bindung von Talenten sowie Nachfolgeregelungen, Messung und Entlohnung von Leistung und HR-IT-Systemintegration.

Nachsitzen bei Work-Life-Balance-Programmen und Diversity

Trotz der positiven Entwicklung gibt es einige – nicht unwesentliche – dunkle Wolken am HR-Himmel: Befragt nach der Erreichung ihrer Ziele schnitten nur zehn von 25 Themenbereichen gut ab. Hierzu gehören die Bereiche Corporate Governance, Investor Relations, Gesundheits- und Sicherheitsprogramme sowie Corporate Social Responsibility. Nachholbedarf gibt es hingegen bei Work-Life-Balance-Programmen, Kompetenzenmanagement und Kennzahlensystem sowie dem Thema Diversity und Mitarbeitervielfalt – hier haben die meisten Unternehmen noch keine Lösung gefunden.

Kritik an der EU-Politik

Kritisch gesehen wird von den HR-Verantwortlichen die EU-Politik. Sie wünschen sich laut dem HR-Barometer die Umgestaltung des Europäischen Arbeitsrechts in ein konsolidiertes und vereinfachtes Regelwerk sowie einen Wachstumsplan, der Ausbildung, Innovation und Forschung unterstützt. Handlungsbedarf sehen die Personaler zudem immer noch in der Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität von europäischen Arbeitskräften.

Fotonachweis:C-PROMO.de / Quelle Photocase, Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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