Erfolgreich durch Selbstgespräche? Es kommt auf die Perspektive an.

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 22. Januar 2015 um 11:31

Wer vor einer wichtigen Aufgabe steht, sollte seine inneren Gedanken in Worte fassen – und erstmal ein gepflegtes Selbstgespräch führen. In welcher Form man mit seinem Ich kommuniziert, ist aber nicht egal. Welche Ansprache die richtige ist, haben laut der Plattform Forschung erleben zwei US-Forscherinnen herausgefunden.

Ich höre mich gerne reden. Es ist eines meiner größten Vergnügen. – Oscar Wilde

Du schaffst das!

Wir alle tun es, oft unbewusst und in unterschiedlichen Situationen. Wer im Sport gute Leistung bringen möchte, tut es ziemlich sicher und ganz gezielt: Selbstgespräche führen. Die inneren Monologe spornen an, helfen beim Fokussieren auf ein Ziel und steigern die Motivation. Vor wichtigen beruflichen Stationen kann es ebenfalls nicht schaden, sich selbst etwas Mut zuzusprechen: Vor dem Bewerbungsgespräch, einer wichtigen Präsentation oder der Gehaltsverhandlung beim Chef. Forschenden zufolge sprechen rund 96 Prozent aller Erwachsenen regelmäßig mit sich selbst und führen einen inneren Monolog. Es gibt aber Unterschiede darin, wie Menschen mit sich selbst sprechen.

Ich oder Du?

„Ich sollte das doch eigentlich schaffen“, könnte sich jemand sagen, der vor einer großen Aufgabe steht. Eine andere Möglichkeit ist es, in die Du-Form zu wechseln: „Komm schon, du schaffst das!“. Die Ich-Form wird meist dazu gebraucht, um eigene Gefühle oder Zustände zu beschreiben. Wer in der Du-Form mit sich spricht, möchte Gefühle, Gedanken oder das eigene Verhalten gezielt verändern bzw. regulieren und sich so zu besserer Leistung anspornen. Im Sport genauso wie im Beruf oder vor Prüfungen.

Selbstgespräche in Du-Form erhöhen die Leistung

Ob die Wahl zwischen Ich oder Du für die tatsächliche Leistung einen Unterschied macht, wollten die US-amerikanischen Forscherinnen Sandra Dolcos und Dolores Albarracin herausfinden. Im Rahmen einer Studie teilten sie 143 Studierende in drei Gruppen ein: Die „Du-Gruppe“, die „Ich-Gruppe“ und eine Kontrollgruppe. Alle Teilnehmer mussten Anagrammaufgaben lösen und durch Umsortieren von Buchstabenfolgen sinnvolle Wörter bilden. Die „Du-Gruppe“ erarbeitete sich zuvor Ratschläge in der Du-Form, die „Ich-Gruppe“ notierte sich Ratschläge in der Ich-Form. Die Kontrollgruppe löste nur die Aufgaben. Im Anschluss befragten die Forscherinnen die Teilnehmer, wie gut ihnen die Aufgaben gefallen haben und wie gerne sie ähnliche bearbeiten würden. Die „Du-Gruppe“ zeigte dabei bessere Leistung beim Lösen der Anagramme und mochte die Aufgaben lieber, als die „Ich-Gruppe“. Weiters zeigte sich, dass Selbstgespräche in Du-Form eine positivere Einstellung und mehr Motivation für zukünftige Aufgaben brachte.
Wer sich also vor der nächsten kniffligen Aufgabe oder einem wichtigen Gespräch Mut zusprechen möchte, sollte die richtige Perspektive wählen: Du schaffst das Gespräch mit dem Chef. Denn die Gehaltserhöhung hast du dir verdient!

Bildnachweis: ra2studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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