Schnelle Entscheidungen treffen: Das Good Enough-Prinzip

von in Arbeitsleben am Dienstag, 22. Juli 2014 um 10:24

Endlich ist er da, der Urlaub. Die Frage, wohin es gehen soll, bleibt jedoch immer länger ungeklärt. Der Grund? „Wir Menschen tun uns mit Entscheidungen immer schwerer und verlieren uns dabei immer häufiger im Internet“, weiß Psychologin Christa Schirl. Dabei sei es egal, ob es sich um die Urlaubsplanung, berufliche Entscheidungen oder die Partnerwahl handelt. Ein Konzept aus der Entscheidungslosigkeit ist das „Good Enough“, also das „Gut Genug“. Wie dies funktioniert, erklärt Schirl im Interview.

„Es geht wahnsinnig viel Zeit drauf“

Christa Schirl

Christa Schirl

Entscheidungen zu treffen, ist nicht jedermanns Sache. Das war schon immer so. Erschwert wird das Ja oder Nein zu einer bestimmten Sache jedoch für alle – und zwar durch das Internet. Sehr deutlich mache dies die Frage der Reiseplanung, so Schirl. „Früher gab es beim Urlaub Traditionen. Man ging entweder in ein Reisebüro, hat eine Zeitungsanzeige gelesen oder ist traditionell jedes Jahr zum Beispiel nach Jesolo gefahren. Heute bietet das Internet so viele Möglichkeiten, dass sich viele schon in der Urlaubsvorbereitung verlieren. Es geht wahnsinnig viel Zeit drauf und die Suche nach dem Besten endet meistens in Frust, weil es das Beste, Billigste und Tollste meist gar nicht gibt.“

„Früher gab es Erdbeere oder Marille. Heute gibt es alleine 15 verschiedene Marillenmarmeladen“

Wie aber kommt es dazu? Ist das Internet alleine schuld? „Wir Menschen sind Optimierer, wir wollen immer nur das Beste. Früher was das leichter, weil man die Möglichkeiten vom Internet noch nicht hatte. Heute gibt es so viele Internetplattformen zu fast allen Themen, in die man tiefer und tiefer eintauchen kann. Viele Menschen werden dadurch sehr unsicher und stellen sich die Frage:  Was ist wirklich das Beste?“, so Schirl. Als Folge entstehen neben dem Zeitverlust Unsicherheit und Stress – der in seiner schlimmsten Form zu Burnout führen kann. Aber nicht nur das Internet ist schuld, betont Schirl. „Ein gutes Beispiel für die zunehmende Komplexität sind die Marmeladensorten: Früher gab es Erdbeere und Marille, heute gibt es schon bei der Marillensorte bis zu 15 verschiedene Gläser im Regal. Da kann man sich leicht in der Wahl verlieren.“ Durch dieses Mehr an Auswahl und Komplexität hat sich die Psychologie in den vergangenen Jahren intensiv mit Entscheidungsprozessen entwickelt und das Credo des „Good Enough“ entwickelt.

„Das Good Enough ermöglicht es, anzukommen“

Entscheidungen treffen Schritt fuer SchrittWie sieht dieses konkret aus?“ Bei Good Enough entscheide ich mich für etwas und richte mich dann dort ein. Es ermöglicht mir, einmal anzukommen, wohl wissend, dass es das Beste sowieso nicht gibt. Alles hat seinen Preis und den kennt man erst, wenn man sich entschieden hat“, so die Arbeitspsychologin. Im konkreten Fall der eingangs erwähnten Urlaubsplanung könnte dies wie folgt aussehen: Man muss zuerst die Parameter, die wichtigsten Eckdaten kennen. Dies kann zum Beispiel sein, dass man in die Berge möchte, jedoch auch Schwimmen gehen mag. „Als nächster Schritt macht man sich auf die Suche nach der Unterkunft, die diese Parameter erfüllt und gut genug ist.“ Klingt ein wenig eigenartig, oder? „Das stimmt, anfangs klingt das „gut genug“ befremdlich, denn es ist ja modern, immer das Beste zu suchen. Das ist aber Blödsinn. Denn jeder Gewinn hat auch einen Verlust und jede Entscheidung ihren Preis – nur kennt man diese vorher nicht.“ Das Credo des Good Enough nimmt auch den Stress, immer das Beste zu suchen und dies hilft bei Entscheidungen aller Art.

Es ist keine Frage der Persönlichkeit, ob man sich online verliert oder nicht

Betroffen sind übrigens fast alle Menschen, nicht nur jene, die sich selbst vielleicht als entscheidungsschwach bezeichnen würden, so Schirl. „Gerade im Internet kann sich jeder verlieren, das geht relativ schnell.“ Erschwerend komme hinzu, dass die einfache und rasche Verfügbarkeit durch Smartphone, Tablet & Co. ein ständiges Recherchieren und Vergleichen möglich macht. „Für Beruf und Privatleben ist es gleichermaßen wichtig, trotz der vielen Möglichkeiten sagen zu können, dass etwas gut für einen ist.“

Bildnachweis: lassedesignen /Quelle Shutterstock, Schirl, blueeyes /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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