Bewerben auf Englisch: Understatement ist fehl am Platz

von in Bewerbung, Jobsuche am Montag, 17. November 2014 um 11:39

Praktikum in London oder Auslandsjahr in Kalifornien: Vor der Karriere im Ausland gilt es, einige Hürden zu bewältigen. Unter anderem geht es darum, Bewerbung, Motivationsschreiben und Lebenslauf auf Englisch zu formulieren – und alle Gepflogenheiten im Land des Arbeitgebers zu berücksichtigen. Sonja Theilmeier hat sich darauf spezialisiert, Bewerber und ihre Unterlagen für die Jobsuche im angloamerikanischen Raum fit zu machen.

Weitere Artikel zum Thema

Worin unterscheiden sich englische Bewerbungen von deutschen Unterlagen?

Sonja Theilmeier

Sonja Theilmeier

Sonja Theilmeier: Bewerbungen für angloamerikanische Länder sind gewöhnlich weitaus weniger umfassend, als wir das gewöhnt sind. Es ist nicht üblich, Zeugnisse mitzuschicken. Typischerweise gibt es das Anschreiben, den sogenannten Cover Letter, und den Lebenslauf, das CV oder Resume. Zur Reihenfolge der Tätigkeiten: Oben steht immer die aktuellste Tätigkeit, geendet wird mit der ältesten. Nach hinten hin können die Beschreibungen der beruflichen Stationen und Tätigkeiten deutlich knapper werden. Eine gute Idee für alle diese Länder, insbesondere aber für die USA, ist die Formulierung eines klaren und sehr konkreten „Job Objective“. Das ist eine berufliche Zielsetzung, die oft ganz oben im Lebenslauf zu finden ist und deutlich Bezug nimmt zur Stellenausschreibung.

Mehr Enthusiasmus, weniger Formvorschriften

Gibt es Unterschiede zwischen Bewerbungen für die USA und denen für Großbritannien?

Bewerbung FähigkeitenSonja Theilmeier: Einige! Zunächst ist die Verwendung starker emotionaler Ausdrücke („It was a fantastic opportunity“) in den USA ausgeprägter als in Großbritannien, Australien oder Neuseeland. Gemeinsam ist Bewerbungen für den angloamerikanischen Raum aber trotzdem ein sehr viel selbstverständlicheres und ausgeprägteres Verkaufen der eigenen Person. Understatement ist hier fehl am Platz. Darüber hinaus gibt es diverse kleine aber feine Unterschiede im Bereich der Schreibweise von Daten, Abkürzungen, Zeichensetzung etc. Insgesamt sind allerdings sowohl Anschreiben als auch Lebenslauf sehr viel weniger starren Formvorschriften unterlegen, als das bei uns der Fall ist. Wichtig: Unbedingt schon VOR Abschicken der Bewerbung den richtigen Ansprechpartner herausfinden. Anschreiben mit generischen Anreden wie „Dear Sir or Madam“ sind sehr viel unüblicher im angloamerikanischen Raum als bei uns und machen keinen guten Eindruck.

Kein Geburtsdatum, kein Foto, keine Zeugnisse

Was sollte das Anschreiben beinhalten, was der Lebenslauf?

Sonja Theilmeier: Inhaltlich ist die Aufteilung ähnlich wie bei uns. Im Anschreiben nimmt man Bezug auf die Stellenanzeige, zeigt die Relevanz/Motivation in Bezug darauf auf, fasst Qualifikationen zusammen und macht neugierig. Im Lebenslauf werden die wichtigsten persönlichen Daten sowie berufliche und schulische/universitäre Stationen, Leistungen und Erfolge aufgeführt. Zeugnisse können weggelassen werden – es sei denn, es wurde speziell danach gefragt. Es ist außerdem nicht üblich, ein Foto der eigenen Person mitzuschicken, den Familienstand oder gar die Berufe der Eltern anzugeben. In den USA gibt man definitiv kein Geburtsdatum an, in Großbritannien ist es optional.

„Visumsformalitäten verursachen dem potenziellen Arbeitgeber viel Aufwand“

Wichtig ist immer auch, die Frage nach der Arbeitserlaubnis oder dem Visum zu thematisieren. Hat man bereits eine Green Card für die USA? Oder ein Work & Travel Visum für Australien? Dann erwähnen Sie das! Visumsformalitäten verursachen für den potenziellen Arbeitgeber viel Aufwand. Wenn Sie sich nicht aufgrund einer außergewöhnlichen Expertise von anderen Bewerbern aus dem Land des Unternehmens abheben, kann es sonst schnell passieren, dass man aus dem Bewerberstapel pro forma aussortiert wird – aufgrund der formellen Hürde. Arbeitserlaubnis oder Visum können im Anschreiben oder im Lebenslauf erwähnt werden.

Matura, Abitur, Bachelor?

SchulnoteUm es dem englischsprachigen Personalmanager leichter zu machen, rät Theilmeier zur Übersetzung schulischer oder universitärer Abschlüsse. „Es erleichtert dem Personaler, der die Unterlagen liest, zumindest ansatzweise die Einordnung der Abschlüsse.  Z.B. für die USA: 1992: Abitur, Note 1,8 (high school diploma (A-) plus entry to university). Üblich ist außerdem die Angabe von Referenzgebern. Das können ehemalige Arbeitgeber oder Kontakte an der Hochschule sein. Deren Einverständnis wird vorher eingeholt, die Kontaktdaten kommen typischerweise an das Ende des Lebenslaufes oder auf ein extra Blatt zu den Bewerbungsunterlagen.

Bewerbung abgeschickt, was nun?

„Wenn der Empfang nicht ohnehin vom Unternehmen bestätigt wurde, kann man durchaus nachfragen. Gerne auch mit einer oder mehreren weiteren Fragen zum weiteren Prozedere des Auswahlverfahrens. Das eröffnet die Möglichkeit, mit dem Ansprechpartner in den Dialog zu kommen. Hier haben Sie nochmal die Chance, dass er oder sie mehr von Ihrer Persönlichkeit kennen lernen kann, als das die bloße schriftliche Bewerbung vermitteln kann“, rät Theilmeier.

Zur Person

Sonja Theilmeier von Enjoy English hat sich auf Englisch im Businessbereich spezialisiert. Sie unterrichtet in Hamburg zusammen mit einem Team Englisch und berät außerdem im Bewerbungsprozess. Sie überarbeitet Bewerbungsunterlagen, optimiert sie für die Verwendung in einem bestimmten angloamerikanischen Land und bietet Jobinterview-Trainings an.

Bildnachweis: Thinglass / Shutterstock; Ollyy / Shutterstock; librakv / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren