Durch Energiemanagement gesund und erfolgreich im Job

von in Arbeitsleben am Freitag, 2. November 2012 um 10:58

Die Tage werden immer kürzer und mit dem Licht verschwindet auch die Wärme. Die Übergangszeit zum Winter ist meist eine, in der Erkältungskrankheiten & Co. die Runde machen. Die Energielevel allgemein sind oft niedrig, nach der Arbeit ruft die Couch immer lauter. Jahreszeiten wirken sich ohne Frage auf unsere Körper und Gemütszustände aus. Was soll man aber tun, wenn die Energie zu schwinden beginnt? Tipps für richtiges Energiemanagement gibt Coach Irene Galler.

„Das Thema Energie ist für uns noch relativ neu“

Gehen wir Menschen nachlässig mit unserer Energie um?

Irene Galler

Irene Galler

Irene Galler: Ich habe den Eindruck, dass in unserer Umgangssprache der Begriff „Energie“ oft mit dem Begriff „Zeit“ verwechselt wird. Das wird besonders deutlich, wenn wir von „Energiefressern“ oder „Energieräubern“ sprechen. Erst dann merken und spüren wir, dass es eigentlich eher um die eigene „Lebensenergie“ und nicht um „Zeit“ geht. Das Thema „Energie“ ist für uns noch relativ neu und unerforscht. Wir gehen eher unachtsam und unbewusst mit unseren eigenen Energien um. Das merken wir meist erst dann, wenn wir weniger oder gar keine Energie mehr haben. So führt chronischer oder akuter Energiemangel in die Depression oder ins Burnout. Wir müssen erst lernen, bewusst mit unseren Energien umzugehen.

„Alles ist Energie“

Was ist Ihre Meinung nach Energie?

Irene Galler: Alles ist Energie, auch die Dinge, bei denen wir nicht von vornherein an Energie denken. So ist jedes Gefühl und jede Emotion Energie. Angst und Selbstzweifel sind übrigens die größten „Energieräuber“. Mit jedem Gedanken, den wir denken, und mit jeder inneren Überzeugung, an die wir glauben, können wir uns selbst positive oder negative Energie zuführen. Während positive Energie den Energiefluss fördert, blockiert negative Energie denselben. Das Interessante ist, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das seine Schwingungsfrequenz beeinflussen kann. So hat schon Henry Ford gesagt: „Ob du glaubst, du kannst es oder du glaubst, du kannst es nicht: Du hast immer Recht!“

„Immer mehr Menschen spüren, dass die Arbeitswelt krank machen kann“

Wie hat sich der Umgang mit Energie in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Irene Galler: Wenn wir uns die steigende Zahl von psychischen Erkrankungen ansehen, muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass die Energie von immer mehr Menschen knapp wird bzw. erschöpft ist. Deshalb wird das Thema Energiemanagement immer wichtiger und notwendiger, um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. Selbstverständlich geht es nicht nur um das Bewusstsein, sondern im nächsten Schritt geht es auch um die Selbstverantwortung des Einzelnen. Immer mehr Menschen spüren, dass die Arbeitswelt krank machen kann und öffnen sich daher Themen wie zum Beispiel Achtsamkeit und Bewusstsein. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die steigenden Krankheitszahlen ein Umdenken notwendig machen. Deshalb kann ein Burnout auch eine Chance und somit eine Wachstumsmöglichkeit sein und muss nicht in einer Arbeitsunfähigkeit enden.

„Bitte nicht stören!“

Wie kann man seine Energie am effektivsten für seine tägliche Arbeit einsetzen?

Irene Galler: Ich empfehle tägliche Übungen für Körper, Geist und Seele. Diese beinhalten etwa das Formulieren eines Tagesziels, den Fokus auf das Hier und Jetzt sowie die Planung und Einhaltung von Pausen. Es hilft zum Beispiel auch, Ablenkungen und Störungen zu vermeiden – wenn nötig mit einem Bitte-Nicht-Stören-Türschild oder Anrufbeantworter. Wie man die eigene Arbeit am besten angeht, hängt vom Persönlichkeitstyp ab. Es gibt den strukturierten Typ, der sich gerne an einen bestimmten Plan hält. Für ihn sind To-Do-Listen mit Sicherheit eine große Hilfe. Der flexible Persönlichkeitstyp hingegen empfindet diese sicher als störend.

Kostet der Job überwiegend Energie?

Was tun, wenn die Energie ausgeht?

Irene Galler: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Veränderung. Wenn ich merke, dass mir mein Job überwiegend Energie kostet, so ist eine Ursachenforschung hilfreich, um entsprechende Veränderungen vornehmen zu können. Dann heißt es: Inventur und Auszeit! Ein regelmäßiges Energiemanagement sollte zur regelmäßigen Gewohnheit werden, so wie das tägliche Zähneputzen. Wenn wir uns um ein gutes Energielevel kümmern, haben wir viele Vorteile. Wir sind leistungsfähiger, zufriedener und ausgeglichener, steigern unser Wohlbefinden und verringern so das Risiko zu Stresserkrankungen.

Dinge ordnen und in eine Struktur bringen

Wie kann man lernen, Prioritäten zu setzen?

Irene Galler: Allein die Selbsterkenntnis, dass ich zu wenig Energie habe, weil ich keine Prioritäten setze, bringt schon einen Veränderungsprozess in Gang. Dann kann ich die Dinge ordnen und in eine Struktur bringen – vom Wichtigsten zum Unwichtigsten. Vom zeitlich dringendsten zum zeitlich am wenig dringendsten usw.

Was fördert und was stört den Energiefluß?

Irene Galler: Ernährung, Bewegung, Schlaf- und Lebensrhythmus, Atmung sowie Entspannung, um nur einige Dinge zu nennen, können den Energiefluss fördern. Man sollte daher auf ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung sowie einen gesunden Lebensrhythmus achten.  Weiters sollte man darauf achten, dass Gedanken und Überzeugungen sich ebenfalls auf den Energiefluß auswirken. Auch ungelöste Konflikte müssen gelöst werden, damit die Energien wieder frei fließen können. Zur Selbstreflexion könnte man sich folgende Fragen stellen:

Fragen zur Selbstreflexion:

  • Was raubt bzw. gibt mir momentan Energie?
  • Wie kann ich Energieverluste einschränken?
  • Wie viel Schlaf brauche ich, um mich gut erholt zu fühlen?
  • Wann kann ich mich am Tag am schwersten bzw. am besten konzentrieren?
  • Wann mache ich immer meine Pausen?
  • Gibt es Essen, welches meinem Energiehaushalt besonders gut tut bzw. gar nicht gut tut?
  • Welche Gedanken blockieren bzw. welche fördern mich?
  • Welche Überzeugungsmuster (Glaubenssätze) sind förderlich bzw. hinderlich für mich?
  • In welchen Lebensbereichen lebe ich meine Werte und in welchen nicht?
  • Entspricht meine Persönlichkeit meinen beruflichen Aufgaben?
  • Lasse ich meine Emotionen und Gefühle frei fließen?
  • Was sind meine persönlichen Streßfaktoren und Motivationsfaktoren?

Zur Person: Irene Galler

Irene Galler ist Betriebswirtin, MBTI®  Beraterin und Persönlichkeitscoach aus ganzheitlicher Sicht. Seit 2001 ist sie mit der Marke „Ganzheitscoaching“ selbständig. 

Bildnachweis: Colourbox, privat

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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