Emotionen im Beruf: Typisch Mann, typisch Frau?

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 25. Mai 2016 um 10:27

Ohne Emotionen geht es auch im Berufsleben nicht: Wut, Freude, Ärger oder Neid begleiten uns auch im Joballtag. Welche Auswirkungen das Zeigen oder Nichtzeigen von Emotionen in der Geschäftswelt auf Frauen und Männer hat, haben Forscher untersucht.

Die Präsentation des neuen Projektes lief nicht gut, der Chef hat die wochenlange Arbeit des Teams gnadenlos zerpflückt. Die Standpauke ertragen die Teammitglieder mit ruhiger Miene – Frauen wie Männer. Später sind sich die Kollegen weitgehend einig, dass die Männer durch ihr ruhiges Auftreten professionell wirkten. Den weiblichen Teammitgliedern kaufte man ihr Verhalten hingegen nicht ab: gar keine Wut oder Enttäuschung?

Wie emotionale Zurückhaltung bewertet wird, hat ein Forschungsteam untersucht. Die interessanten Studienergebnisse hat die Plattform Forschung erleben vorgestellt. Die Vermutung: Das Zurückhalten von Emotionen im Beruf wird mit Kompetenz und Intelligenz in Verbindung gebracht. Grund dafür könnte die moderne Geschäftswelt sein, in der wir uns bewegen: Professionelles Auftreten und sachliches Handeln genießen einen hohen Stellenwert.

Emotionen im Beruf: zeigen oder unterdrücken?

Im Rahmen einer Studie wurde diese Annahme überprüft. Teilnehmer sollten sich Videos ansehen, in denen Personen emotional auf verschiedene Bilder reagierten. Die Reaktionen wurden entweder sofort oder mit ein paar Sekunden Verzögerung gezeigt. Letzteres sollte emotionale Zurückhaltung der Person im Video simulieren. Nach dem Betrachten des Materials sollten die Studienteilnehmer die Personen im Video bewerten.

Zuerst sollte die emotionale Kompetenz der Personen beurteilt werden, also die Fähigkeit, mit Gefühlen umzugehen. Jene Männer, die eine verspätete Reaktion zeigten, wurden von den Teilnehmern als emotional kompetenter eingestuft. Bei den Frauen war genau das Gegenteil der Fall: Zeigten sie ihre Reaktion sofort, wurden ihre emotionale Intelligenz höher eingeschätzt. Im zweiten Durchgang der Studie sollten Teilnehmer die Intelligenz der Personen im Video beurteilen. Auch hier wurden Männer, die ihre Emotionen erst später zeigten, als intelligenter eingeschätzt. Und bei den Frauen? Da war wieder das Gegenteil der Fall.

Männer, Frauen, Vorurteile

Frauen sind offensichtlich besser beraten, ihre Emotionen im Beruf offen zu zeigen. Männer werden als kompetenter eingestuft, wenn sie sich emotional in Zurückhaltung üben. Interessant ist noch die Frage, woher diese Geschlechterunterschiede kommen. Vorurteile gegenüber den Geschlechtern könnten dabei eine Rolle spielen: Von Männern wird in westlichen Kulturkreisen Zurückhaltung in Gefühlsdingen erwartet, Frauen haftet hingegen das Klischee an, gerne und ausgiebig ihre Gefühle auszudrücken.

Bildnachweis: Ollyy/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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