Emotionale Intelligenz: Wer sich gut in andere hineinversetzen kann, macht eher Karriere

von in Arbeitsleben am Montag, 20. Dezember 2010 um 12:08

Sie wissen schon nach zwei Sätzen, worauf Ihr Gesprächspartner eigentlich hinaus will? Wenn Ihr Chef ein aktuelles Projekt vorstellt, entlarven Sie seine langfristige Strategie binnen Sekunden? Und Sie wissen genau, welche Möglichkeiten Karrierechancen sind und welche man wegen akuter Fettnäpfchengefahr besser auslassen sollte? Gratuliere! Sie verfügen offenbar über einen hohen Emotionalen Quotienten (EQ). Eine neue Studie belegt nun, dass Menschen mit hoher Emotionaler Intelligenz – unter bestimmten Voraussetzungen – eher Karriere machen.

Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, gute Ausbildung, Einsatzbereitschaft: Lauter Faktoren, die gerne als Fundament für gemachte Karrieren angegeben werden. Sätze wie „Ich kann gut auf andere eingehen“, oder „Ich kann mich gut in die Situation und die Gefühle anderer Menschen hineinversetzen“, hört man hingegen in den seltensten Fällen. Eher würde noch das sagenumwobene „Karriere-Gen“ bemüht.

Dabei spielt die „emotionale Intelligenz“ beim beruflichen Aufstieg eine wesentliche Rolle, fanden Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Heidelberg nun gemeinsam mit amerikanischen Forschern heraus. Fazit der Studie, die im „European Journal of Psychological Assessment“ nachzulesen ist: Je höher der Emotionale Quotient (EQ) eines Menschen UND dessen Ehrgeiz in Karrierefragen sind, umso größer auch die Chance auf berufliche Weiterentwicklung.

Für die Studie wurden 71 Betriebswirte mit verschiedenen Situationen konfrontiert, in denen sie einschätzen sollten, wie sich handelnde Personen gerade fühlten – Stichwort EQ.
Ein Fragebogen zur Persönlichkeit und dem beruflichen Karrieredrang sowie eine Erhebung, die nach zwei Jahren das aktuelle Gehalt der Probanden analysierte, sollten die Studie komplettieren.
Ergebnis: Je höher der EQ von Studienteilnehmern, umso höher lag auch das Gehalt der betreffenden Person. Dies gilt allerdings nur, wenn auch der persönliche Ehrgeiz der Untersuchungsperson gegeben ist.

Zwischen den Zeilen lesen – darauf kommt es an

„Menschen mit einem feinen emotionalen Sensorium sind oft Meister in der Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen: Sie wissen worauf es dem Chef ankommt“, erklärt der Bonner Psychologe Gerhard Blickle die aktuelle Untersuchung.

Diese emotionale Intelligenz werde in Deutschland – und somit höchstwahrscheinlich auch in Österreich – noch relativ wenig bei Einstellungstests und –gesprächen berücksichtigt, resümiert Blickle. In den USA werde dieser Bereich bereits vielfach mit eigenen Fragenbündeln an Bewerbern abgetestet.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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