Ehrlichkeit unter Kollegen – Schwindeln Sie noch oder lügen Sie schon?

von in Arbeitsleben am Montag, 23. Januar 2012 um 11:48

Sind Sie wirklich immer ehrlich? Auf diese Frage mit JA zu antworten, wäre wohl eine Lüge. Denn psychologische Tests haben bewiesen, dass Menschen in etwa zweihundert Mal am Tag lügen. Dabei nehmen Sie wahrscheinlich noch nicht einmal jede kleine Schwindelei wirklich wahr. Unser Unterbewusstsein filtert diese so schnell aus, dass wir kaum merken, überhaupt die Unwahrheit gesagt zu haben. Gerade im Gespräch mit Kollegen kommt es oft zu kleinen Schwindeleien. Aber sind wir überhaupt noch in der Lage einen ganzen Tag wirklich ehrlich zu sein?

In der Psychologie geht man davon aus, dass Lügen lebensnotwendig sind! Zum einen erleichtern Sie unseren Tagesablauf sowie das Miteinander mit anderen Menschen. Also auch mit den Kollegen. Schon vor einigen Jahren stellte Universitätsprofessor Jochen Mecke die bis heute bekannten These auf: Der Mensch lügt etwa zweihundert Mal am Tag! Am häufigsten belügt der Mensch sich selbst. Diese so genannten Selbstlügen werden mit der Zeit in die eigene Persönlichkeit integriert, sodass es mit der Zeit für die Person immer schwieriger wird, Lüge und Wahrheit auseinanderzuhalten.

Lügen, aber nicht ohne Grund

Die häufigsten Lügen dienen also dem Selbstschutz (41 Prozent), beispielsweise um sich Ärger mit den Kollegen oder dem Chef zu ersparen. Weitere 14 Prozent lügen, um einer Konfliktsituation zu umgehen. Knapp ein Zehntel (8,5 Prozent) lügt, um geliebte Menschen nicht zu verletzen und sechs Prozent lügen einfach nur, um sich gegenüber anderen besser darzustellen. Es zeigt sich also: Lügen dienen uns nicht nur der Wahrheitsverschleierung, sie helfen uns, den Alltag zu bewältigen! Das Lügen wird also immer mehr zur einfachen Methode, um Konflikten und auftretenden Problemen einen positiven Ausgang zu geben. An sich also nichts Negatives.

Problematisch wird es erst, wenn Lügen gezielt eingesetzt werden, um andere zu täuschen und sie somit in eine unvorteilhafte Position zu bringen oder sie in die Irre zu führen. Es gibt also einen wesentlichen Unterschied zwischen kleinen Notlügen im Alltag und bewussten Täuschungen um Personen zu schaden. Die mentiologische Forschung hat sich darauf spezialisiert Lügen in folgende Kategorien zu unterscheiden:

  • Die Selbstlüge
    Wir alle kennen Sie und trotzdem ist Sie die Häufigste immer wieder auftretende Form der Lüge. Vor allem unliebsame Wahrheiten werden damit verdrängt. Neujahrs-Vorsätze sind die Klassiker unter den Selbstlügen. „Ab morgen achte ich auf meine Ernährung!“, „Das ist wirklich die letzte Zigarette“ sind Sätze, die schon beim Aussprechen unterbewusst als Lüge enttarnt sind und dennoch eine Art Kontroll-Illusion sind, die uns das Gefühl geben unser Leben im Griff zu haben.
  • Die Notlüge aus Freundschaft
    Die Kollegin hat eine neue Frisur, die ihr aber gar nicht steht. Dennoch wird sie das niemals aus Ihrem Mund hören, sondern eher Floskeln wie „Wow, diese Frisur unterstreicht deinen Typ so gut“. Diese kleinen Alltagslügen entspringen aus dem Wunsch heraus, Mitmenschen nicht zu verletzen oder bloßzustellen.
  • Die Geltungslüge
    Gerade im Internet kommt es oft zu dieser Art von Lüge. Wir liefern falsche oder übertriebene Informationen um andere damit zu beeindrucken und uns damit, eine bessere Position gegenüber anderen zu verschaffen.
  • Die Angstlüge
    Die wohl ineffizienteste Art der Lüge. Sind wir mit einem Problem konfrontiert, das erheblichen Schaden an unserer Person anrichten kann, versucht man dies meist zu lösen, indem man die Wahrheit verdreht. Angstlügen lassen sich allerdings leicht überprüfen, sodass sie kaum einen Schutzfaktor bieten.
  • Die skrupellose Lüge
    Der Sesselsäger und das Kollegenschwein verwenden sie tagtäglich. Diese Form der Lüge wird gezielt eingesetzt um andere zu täuschen, zu benachteiligen oder in die Irre zu führen. Und das nur um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Gerade wenn es um die eigene Karriere geht, bleibt die Integrität unter Kollegen schon mal auf der Strecke.

Machen Sie den Selbsttest!

Der Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit scheint ganz klar und wird uns von Kindheit an eingetrichtert: Lügen ist schlecht und die Wahrheit ist gut! Aber ist es wirklich gut, der Kollegin zu sagen, dass ihr die neue Frisur gar nicht steht? Wem bringt das einen Vorteil, wenn man andere Personen beleidigt oder gar bloßstellt, nur um ja nicht zu lügen. Würden wir jeden Tag nur die reine Wahrheit sagen, wäre ein soziales Miteinander gar nicht mehr möglich. Daher sollten Sie immer nur dann lügen, wenn Sie der Meinung sind, dass es ethisch vertretbar ist und niemanden schadet!

Wie wäre es mit einem kleinen Selbsttest? Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit, in der Sie bewusst versuchen, nur die Wahrheit zu sagen, egal welche Frage Ihnen gestellt wird. Wenn Sie lügen müssen, machen Sie einen Strich in einer Liste. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns an Ihrem Ergebnis teilhaben lassen. Aber eins gilt: bitte nicht schwindeln ;-).

Bildnachweis: www.colourbox.com

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren