Duzen oder Siezen am Arbeitsplatz? So grüßen Österreichs Arbeitnehmer

von in Arbeitsleben am Dienstag, 17. September 2013 um 19:40

Ist ein „Du“ immer passend? Wer siezt seinen Chef? Dieser Frage ging karriere.at mit einer aktuellen Online-Umfrage nach. Das Ergebnis: In sechs von zehn Betrieben fühlt man sich wie bei IKEA – denn hier duzen sich alle. Hierbei gibt es jedoch wichtige Regeln einzuhalten. Warum das „Du“ nicht immer ungefährlich ist, verrät Psychologin Christa Schirl im Interview.

„Du, ich habe ein Problem“

Christa Schirl

Christa Schirl

Du Trottel sagt sich leichter als Sie Trottel. Stimmt. Auf der anderen Seite sagt sich auch leichter: „Du, ich habe ein Problem“ oder „Du, können wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten?“. „Das Du-Wort fördert die Kreativität, erzeugt Nähe und senkt die Hemmschwelle, heikle Themen anzusprechen“, nennt Psychologin Christa Schirl die großen Vorteile der Du-Anrede im Berufsalltag. In vielen Unternehmen, vor allem aus dem kreativen Sektor, ist das generelle Du-Wort heute üblich. In traditionellen Betrieben hingegen wird damit gerne länger gespart.

Manchmal kommt das „Du“ mit dem Alter

Per-Du_1Generell hängt die Form der Anrede von vielen Faktoren ab: Der Unternehmenskultur an sich, der Region aber auch dem Alter der Beteiligten. Wie die aktuelle karriere.at-Onlineumfrage zeigt, dominiert in Österreichs Firmen bereits das Du: 58 Prozent der 532 Arbeitnehmer sagen: „Bei uns sind alle auf du und du“, in 22 Prozent der Firmen wird nur manchen Mitarbeitern das „Du“ angeboten. Elf Prozent sprechen ihre Vorgesetzten mit „Sie“ an und in neun Prozent der Unternehmen hängt die Form der Anrede vom Alter ab. „Während früher eher die Rolle des Anweisungen gebenden Vorgesetzten im Vordergrund stand, festigen heute Führungskräfte ihren Status in der Belegschaft viel stärker durch Empathie und Autentizität“, so karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid.

Keine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Per-Du_2Die befragten Arbeitgeber sind ähnlicher Meinung: Sechs von zehn Befragten berichten von einem allgemeinen „Du“ im Unternehmen, mehr als ein Viertel bietet nur bestimmten Mitarbeitern das Du-Wort an. Für neun Prozent heißt es: Alle oder keiner. Für weitere sechs Prozent kommt das Du mit dem Alter. „Dass manche Mitarbeiter mit Du, andere mit Sie angesprochen werden, kann in Ordnung sein. Man sollte jedoch darauf achten, dass nicht das Gefühl einer Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht“, so Schirl.

Aufpassen: Wer Du sagt, muss auch höflich bleiben!

hoeflichkeitKommt man neu in ein Unternehmen, sollte man sich rasch informieren, welche Umgangsformen üblich sind. Ein allgemeines „Du“ ist hier natürlich praktisch. „Es kann sehr stressig sein, ständig überlegen zu müssen, wie man jemanden ansprechen darf.“ Das „Du“ hilft, wie eingangs erwähnt, Hemmschwellen abzubauen und Hierarchien abzuflachen. Auf der anderen Seite sollte gerade dann nicht auf den höflichen Umgang miteinander vergessen werden. „Die Spielregeln des Miteinanders sollten immer eingehalten werden. Aber Vorsicht: Ist man per Du, ist die Gefahr größer, dass eine plumpe Vertraulichkeit entsteht. Auch laufen Konflikte, wenn sie „per Sie“ geführt werden, meist sachlicher ab, Arbeitsaufträge werden respektvoller erteilt“, weiß Schirl.

Fünf Tipps für die richtige Ansprache

„Du“ oder „Sie“ – das ist hier die Frage. Wir haben fünf Tipps zusammengestellt, die das Miteinander erleichtern sollen:

  1. Das „Du“ beruht auf Gegenseitigkeit: Vorgesetzte, die auf die förmliche Anrede durch ihre Mitarbeiter bestehen, sollten diese auch mit „Sie“ ansprechen. Alles andere wirkt herabwürdigend. Schirl: „Die Führungskräfte sollten hier als Vorbilder fungieren und die Mitarbeiter mit Respekt behandeln und ansprechen.“
  2. Einmal „Du“, immer „Du“: Ein spontanes „Du“ auf Weihnachtsfeier oder Betriebsausflug gilt – und zwar auf Lebenszeit.
  3. Generell bedeutet generell: Wenn alle miteinander auf Du und Du sind, sollten wirklich alle auf Du und Du sein.
  4. Klarheit schaffen: Um das Gefühl von Benachteiligung bzw. Bevorzugung zu vermeiden, sollten auch die Regelungen für die richtige Ansprache im Unternehmen nachvollziehbar und transparent sein.
  5. Neue Mitarbeiter informieren: Um Peinlichkeiten vorzubeugen, sollten neue Mitarbeiter rechtzeitig – und zwar spätestens am ersten Arbeitstag – über die richtige Anrede informiert werden.

Bildnachweis: dachazworks / Quelle Shutterstock, Evgeniya Porechenskaya / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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