Diversity: Bloße Feel-Good-Maßnahme oder strategischer Managementansatz?

von in Arbeitsmarkt, HR am Mittwoch, 4. April 2012 um 09:36

Stellen sich auch Unternehmen diese Frage? Die Antwort lautet: kaum. Mittlerweile befassen sich sehr viele österreichische Unternehmen mit personeller Vielfalt, sprich Diversity (allein 87 % der ATX-Unternehmen setzen bereits Diversity-Maßnahmen um), eine strategische Verankerung fehlt jedoch zumeist. Ein Grund für die zunehmende Auseinandersetzung mit dem Konzept könnte die hohe Erwartungshaltung sein, die Unternehmen personeller Vielfalt entgegenbringen.

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So erstrecken sich die von ATX-Unternehmen erwarteten Nutzenpotenziale von „weichen Faktoren“ wie Imageverbesserung, Innovationspotenzial und MitarbeiterInnenzufriedenheit bis zu „harten Faktoren“ wie Umsatz- und Gewinnsteigerung und Kostenreduktion. Dies zeigt die kürzlich veröffentlichte Studie zu Diversity Management und CSR von Diversity Search, Business Unit der Secretary Search Personalberatung, factor-D Diversity Consulting und Astrid Segert vom IHS.

Diversity Management: schwer messbare Größe

Den zahlreichen Erwartungen der Unternehmen stehen jedoch kaum Evaluierungskonzepte gegenüber. Der Nutzen wird Diversity Management zwar zugeschrieben, Gewissheit darüber, welche Maßnahmen konkret welche Erfolge generieren, fehlt jedoch. Für Manfred Wondrak, dem geschäftsführenden Gesellschafter von factor-D Diversity Consulting, liegt der Grund für das mangelnde Diversity Controlling in der Tatsache, dass sich Diversity Management überwiegend auf immaterielle Werte, wie z.B. Humankapital, Image oder Innovationsfähigkeit auswirkt. Das macht die Messung komplex und erfordert einen strategischen Ansatz. Letzterer ist laut Wondrak auch bei der Implementierung von Diversity Management kaum vorhanden.

Meist fehlt ein Konzept

Die meisten Unternehmen verfügen (noch) über kein ausformuliertes Konzept, sondern setzen Einzelmaßnahmen um. Dies erschwert die spätere Messung der Effekte zusätzlich. Der gesamte Mehrwert von Diversity Management ist mit den üblichen Finanzkennzahlen nicht zu berechnen. Denn dazu, so Wondrak, „braucht es im Vorfeld eine Nutzenanalyse und die Definition entsprechender Indikatoren, die sowohl quantitativ als auch qualitativ sein können.“ factor-D arbeitet bereits seit Jahren erfolgreich mit KlientInnen an Methoden zur Messung der Wirtschaftlichkeit von Diversity Management.

Großes Potenzial für den HR-Bereich

Elisabeth Weghuber, geschäftsführende Gesellschafterin von Secretary Search Personalberatung, Business Unit Diversity Search, sieht auch für den HR-Bereich großes Potenzial in einer verstärkten Evaluierung von Diversity-Management-Maßnahmen. Im Recruiting wie auch in Personalentwicklung und Personalmarketing könnten Controlling-Tools genutzt werden, um gezielter vorzugehen und diversitätspositive Schritte exakter an der Unternehmensstrategie auszurichten. „Obwohl Unternehmen den ökonomischen Mehrwert von Diversity Management in weiten Teilen bereits erkannt haben, werden die Maßnahmen selten gezielt auf betriebswirtschaftlichen Nutzen hin konzipiert. Es wird häufig aktionistisch gehandelt anstatt strategisch. Doch die Basis für die betriebswirtschaftliche Nutzung von Diversity Management ist gelegt, vor allem im HR-Bereich wird bereits einiges getan. Hier muss nun zur Weiterentwicklung des Managementkonzepts angesetzt werden.“

 

Bildnachweis: Colourbox

Redaktion

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