Gekommen um zu arbeiten: Arbeitsnomaden in Österreich

von in Arbeitsmarkt am Dienstag, 28. Februar 2012 um 13:19

Österreich war schon seit jeher nicht nur beliebtes Urlaubsziel, sondern auch eine der Top-Job-Destinationen vor allem für Arbeitsmigranten aus dem südöstlichen Raum. Die Geschichten wie und warum sich jemand zum Arbeiten in diesem Land einfindet, sind vielfältig. Manche haben in ihrem Heimatland keine Chance auf Arbeit, andere nützen den Arbeitsauslandsaufenthalt um den Lebenslauf aufzupeppen, andere sind gekommen um irgendwann einmal zu bleiben. Sie arbeiten in unterschiedlichen Branchen und bringen neue Ideen, kulturelle Eigenheiten und vielleicht auch potentielles Konfliktpotential mit ins Team. Dieser Artikel gibt Einblicke rund um die Themen Diversität und Arbeitsmigration und erzählt die Geschichten von zwei Arbeitsnomaden in Österreich.

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Von Rita Obergeschwandner

Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt. (Reinhard Turre)

Diversität bringt Segen?

Stammen Mitglieder einer Firma oder eines Teams aus unterschiedlichen Nationen, kann sich dies positiv auf das Unternehmen auswirken. Hier treffen unterschiedlichste Sichtweisen, Ideen und methodische Kompetenzen, sowie vielfältige Persönlichkeiten aufeinander – was zum Erfolg führen, aber auch in die Hose gehen kann. Nämlich wenn kulturell bedingte Missverständnisse im Arbeitsalltag aufreiben und die persönlichen Befindlichkeiten und Konflikte über einem gemeinsamen Arbeitserfolg stehen.

Diversität – Was ist das und woher kommt es?

Geboren wurde der Terminus in der Human-Rights-Bewegung im Amerika der 1960er Jahre. Diese Bewegung hatte zum Ziel, Unterschiedlichkeit zu respektieren, zu fördern und von ihr zu profitieren, anstatt Andersartigkeit zu unterdrücken. Bei Diversität geht es etwa um Unterschiede zwischen Personen in Bezug auf ihre Kultur, Herkunftsland, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Persönlichkeit oder Lebenseinstellung. Und diese Liste ist auf jeden Fall noch erweiterbar … Wichtig ist: die Vielfalt der MitarbeiterInnen steht im Mittelpunkt

Über die Wichtigkeit von Diversity Management

Hier geht es darum, eine Atmosphäre der Offenheit und Akzeptanz zu schaffen – damit das Unternehmen und seine MitarbeiterInnen von der Heterogenität profitieren. Dies muss vom Chef bis zur Teilzeitmitarbeiterin durchgezogen werden, sonst funktioniert es nicht – etwa wie bei S., der in der Baubranche arbeitet:
In unserer Firma arbeiten 50 Prozent In- und 50 Prozent AusländerInnen. Ich verstehe mich mit allen, aber mein Chef behandelt die Ausländer anders. Er schaut sie nicht an, wenn er mit ihnen redet und schreit mit ihnen herum, auch haben die Österreicher alle einen eigenen Firmenwagen, die Ausländer nicht … die müssen schauen, wie sie zur Baustelle kommen …

Tipps für ein konfliktfreies Miteinander am Arbeitsplatz

  • Respektieren Sie Ihre KollegInnen, wie sie selbst respektiert werden wollen.
  • Gesten und Mimik können bei unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Dinge verheißen, ebenso die Wortwahl. Es ist immer schwierig in seiner Sprache, die nicht seine Muttersprache ist, „richtig“ zu kommunizieren. EngländerInnen sagen etwa viel „durch die Blume“, Frauen und Männer aus anderen Nationalitäten sind direkter. Ergo: Toleranz ist gefragt.
  • Seien sie flexibel in für Sie ungewohnten Situationen.
  • Seien Sie neugierig, signalisieren Sie ehrliches Interesse am Gegenüber, an ihrer oder seiner Geschichte.
  • Versuchen Sie sich in ihre Kollegin, ihren Kollegen hineinzuversetzen.
  • Seien Sie geduldig mit sich selbst und anderen in schwierigen Situationen, die durch Diversität verursacht werden.
  • Humor zu bewahren ist immer gut .

Quelle www.4managers.de/management/themen/diversity/

Wie sieht nun die Situation in Österreich aus? Wie viele ArbeitsmigrantInnen arbeiten derzeit in Östereich? Was sind die Gründe dafür in Österreich zu arbeiten?

Ich habe darüber mit Mag. Hermann Gössinger, Pressereferent des AMS Steiermark im Rahmen des Projektes Arbeitsmigrantinnen gesprochen und Interviews mit ArbeitsmigrantInnen aus unterschiedlichen Ländern geführt.

Ende 2011 haben rund 45.000 ArbeitsmigrantInnen (von mir auch Arbeitsnomaden genannt) in der Steiermark gearbeitet – rund 16.000 Frauen und 29.000 Männer.

[audio:http://www.karriere.at/files/blog/2012/02/aktuell__wie-viele-frauen-und-maenner-arbeiten2.mp3|titles=aktuell__wie viele frauen und maenner arbeiten]

Die Zahlen der ArbeitsmigrantInnen in den anderen Bundesländern liegen der jeweiligem AMS-Servicestelle vor.

Eigentlich keine große Nummer, auch glaube ich, dass die Zahl weitaus höher wäre – rechnet man die (teilweise illegal beschäftigten) Reinigungs- und Pflegekräfte dazu. Im Rahmen meiner Recherche habe ich versucht ein paar 24-Stunden-Pflegekräfte vor das Mikrophon zu bekommen – no way.

Stellt sich nun die Frage, in welchen Branchen die ArbeitsmigrantInnen zu finden sind. Laut Hermann Gössinger arbeiten sie in drei Branchen: als Fachkräfte in der Metall- und Elektrobranche, in der Gastronomie wo temporäre Arbeitskräfte Mangelware sind, und in der Landwirtschaft. Woher diese ArbeiterInnen kommen ist unterschiedlich – früher kamen die ErntehelferInnen aus Slowenien oder Tschechien, heute, nach der Öffnung des Arbeitsmarktes, arbeiten primär Frauen und Männer aus Bulgarien oder Rumänien am Feld oder Hof.
[audio:http://www.karriere.at/files/blog/2012/02/drei-bereiche.mp3|titles=drei bereiche]

Rot-Weiß-Rot Karte für Nicht-EU-Bürger
Seit letztem Jahr gibt es die Rot-Weiß-Rot Karte für Nicht-EU-Bürger, die in Österreich arbeiten wollen. Galt es bis dahin mehrere Antragsformulare auszufüllen, fasst der Antrag zur Karte alle in einem zusammen. Diese Karte und somit Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen etwa besonders Hochqualifizierte (Stichwort ManagerInnen), Schlüsselarbeitskräfte, Fachkräfte in Mangelberufen und StudienabsolventInnen. Ob man zu diesen Gruppen gehört, erfährt man beim AMS.
[audio:http://www.karriere.at/files/blog/2012/02/rot-weiss-rot-karte.mp3|titles=rot weiss rot karte]

Abschließend kann ich noch mit den Geschichten zweier Arbeitsmigrantinnen aufwarten, die mir im Rahmen des Projektes Arbeitsmigrantinnen einst und heute ihre Geschichte erzählt haben.

[audio:http://www.karriere.at/files/blog/2012/02/eri.mp3|titles=eri] [audio:http://www.karriere.at/files/blog/2012/02/mireia.mp3|titles=mireia]

Setzt Ihr Chef auf Multikulturalität am Arbeitsplatz? Was bringt es, was verkompliziert es?
Erzählen sie Ihre Arbeitsgeschichten.

Quellen
www.4managers.de/management/themen/diversity/
www.ams.at
www.ikud.de/Diversity-Management.html

Webtipps und Links

Interessante Arbeit zum Thema

https://zsi.at/attach/Diversity_Teil1_Theorie.pdf

Synergien in multikulturellen Arbeitsgruppen, Artikel, Petra Köppel

http://petra-koeppel.de/pages/downloads/Synergien%20in%20multikulturellen%20Arbeitsgruppen.pdf

Mehr Informationen zur rot-weiß-roten Karte

http://www.bmask.gv.at/cms/site/attachments/5/0/4/CH0020/CMS1306164706818/2011-07-22_de_info_-_rwr-karte.pdf

Buchtipp

Training für multikulturelle Teams: Grundlagen – Entwicklung – Evaluation, Jonas F. Puck

www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=ÅMÅZÕÑ&url=search-alias%3Daps&field-keywords=Kulturelle+Diversität+Arbeitsplatz&rh=i%3Aaps%2Ck%3AKulturelle+Diversität+Arbeitsplatz&ajr=0

Diversion und Diversion Management, Bachelorarbeit, Kirsten Herrmann

http://books.google.at/books?id=HnyZ2D02pZoC&printsec=frontcover&dq=kulturelle+diversität+arbeitsplatz&hl=de&sa=X&ei=DnhBT-v5DMio0QWy1t2PDw&ved=0CEUQ6AEwAw#v=onepage&q=kulturelle%20diversität%20arbeitsplatz&f=false

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