Diensthandy: Fluch oder Segen?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 3. Mai 2012 um 10:54

Von iPhone bis Android – Smartphones gehören für immer mehr Menschen zur logischen Grundausstattung, ohne die gar nichts mehr geht. Von der E-Mailabfrage bis hin zum Routenplaner oder einfach der Möglichkeit, jederzeit online sein zu können, reichen die oft genannten Vorzüge. Doch in Zeiten von steigenden Burnout-Erkrankungen ist das Mobiltelefon vor allem dann, wenn es ein Diensthandy ist, mit Vorsicht zu genießen. Denn die ständige Erreichbarkeit nach Feierabend ist nicht jedermanns Sache.

Wenn die Arbeit übers Handy kommt

Kennen Sie das auch? Sie warten auf den oder die Liebste/n, der „nur noch schnell die Mails checken“ muss? Und aus diesem schnellen Checken wird dann Arbeit, weil die Arbeit heute auch übers Handy kommt. Oder passiert Ihnen das selbst auch? Dass der Dienstschluss nicht gleichbedeutend mit Schluss vom Dienst ist? Laut dem aktuellen Randstad Arbeitsbarometer besitzen 52 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland – die Zahlen sind wohl auch auf Österreich übertragbar – ein privates Smartphone, weitere 20 Prozent bekommen eines von ihrem Arbeitgeber gestellt. Als Zuckerl zum neuesten Modell gibt es oft die Möglichkeit, das Gerät auch privat zu nutzen. Je nach Arbeitnehmer und Unternehmen kann das Zuckerl jedoch schnell zur bitteren Pille werden.

Nervender Dauerbetrieb

Denn wer ständig erreichbar ist, muss schnell auch ständig erreichbar sein. Fluch oder Segen, das ist hier die Frage. Und diese fängt bereits während der Arbeitszeit an: Laut Randstad beantwortet ein Viertel der Arbeitnehmer während einer Besprechung per Smartphone E-Mail und Anrufe. Gleichzeitig stört es 71 Prozent der Befragten, wenn die Kollegen während des Meetings das Handy zücken, Nachrichten tippen oder zum Telefonieren rausgehen. Bei einem selber ok, bei anderen störend? Was definitiv auch Partner und Familien den Nerv zieht ist die Tatsache, dass 55 Prozent der Beschäftigten auch nach Dienstschluss berufliche Anrufe und E-Mails erhalten.

Erreichbarkeit für 24 Stunden am Tag

Und sie erhalten sie nicht nur, sie nehmen sie auch an: Denn nicht weniger als 37 Prozent der 405 Befragten aus unterschiedlichsten Branchen gaben an, immer für ihren Arbeitgeber erreichbar sein zu müssen. Immer bedeutet in diesem Fall tatsächlich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. „Mit den neuen Kommunikationsmitteln verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr“, kommentiert Petra Timm, Sprecherin von Randstad die Ergebnisse. Sie fordert die Arbeitgeber auf, bezüglich der Erreichbarkeit klare Regelungen zu formulieren, damit die Mitarbeiter wissen, was von ihnen erwartet wird.

71 Prozent der Arbeitnehmer können nicht abschalten

Ständige Erreichbarkeit mag in stürmischen Zeiten notwendig und zum Teil auch sehr hilfreich sein, sollte jedoch nicht zum Alltag werden. Denn das Entspannen bzw. Abschalten nach Feierabend leistet einen wichtigen Beitrag zur Psychohygiene eines Menschen und ist die beste Vorsorge gegen Burnout und stressbedingte Erkrankungen. Dennoch: Wie eine karriere.at-Umfrage vom Mai 2011 zeigt, können 71 Prozent der Arbeitnehmer nicht vollständig abschalten. Beinahe die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gab an, zumindest gelegentlich berufliche Mails in der Freizeit zu checken, 18 Prozent gaben an, regelmäßig weiterzuarbeiten und weitere sieben Prozent sehen laut Umfrage keine Chance, die Arbeit einmal ruhen zu lassen. Bei Arbeitgebern und leitenden Angestellten sind diese Zahlen noch stärker ausgeprägt.

In wenigen Schritten zum (Dienst-)Handy-Glück

Wichtig für das gesunde Zusammenleben von (Dienst-)Handy und Mensch ist es, die goldene Mitte zu finden. Dies bedeutet:

  • Klare Regeln über die Erreichbarkeit des Arbeitnehmers sollten vereinbart werden.
  • Werden diese Regeln missachtet, sollte dies angesprochen werden.
  • Manchmal hilft es, nach Dienstschluss (und wenn nichts anderes vereinbart ist) einfach nicht mehr abzuheben.
  • Wer immer erreichbar ist, vermittelt auch, immer erreichbar zu sein.
  • Last but not least: Mögliche Vereinbarungen über die Telefonkosten einhalten.

Fotonachweis: Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.