Ab heute nur noch Dienst nach Vorschrift!

von in Arbeitsmarkt, HR am Donnerstag, 28. März 2013 um 11:54

„Ab heute mache ich Dienst nach Vorschrift.“ Diesen Satz schon mal gedacht oder gar laut ausgesprochen? Falls ja ist man damit nicht allein. Denn wie der aktuelle Engagement Index von Gallup zeigt, machen 61 Prozent der Arbeitnehmer genau das: Dienst nach Vorschrift. Weitere 24 Prozent der Befragten gaben an, bereits innerlich gekündigt zu haben. Die Konsequenz dieser traurigen Bilanz: Unglückliche Arbeitnehmer auf der einen und unglückliche Unternehmen auf der anderen Seite.

Emotionale Verwaisung macht krank

„Die Folgen mangelnder Mitarbeiterbindung für die Leistungsfähigkeit im Unternehmen sind erheblich“, kommentiert Marco Nink von Gallup das Studienergebnis. „Wer sich emotional nicht an sein Unternehmen gebunden fühlt, zeigt weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein – und ist häufiger krank.“ Diese Aussage kann mit eindrucksvollen Zahlen bestätigt werden. So verbuchten 2012 Beschäftigte ohne emotionale Bindung im Schnitt 76 Prozent mehr Fehltage als emotional hoch gebundene Mitarbeiter.

Das Ende der eigenen Ideen

Zudem: Wer innerlich gekündigt hat ist als logische Konsequenz eher zum Arbeitgeberwechsel bereit, wird diesen auch anstreben. Der Aussage: „Ich beabsichtige, heute in einem Jahr noch bei meiner derzeitigen Firma zu sein“, stimmen 93 Prozent der hoch emotional gebundenen, aber nur 58 Prozent der ungebundenen Mitarbeiter zu. Aber nicht nur auf die Unternehmenstreue, auch auf die Kreativität der Mitarbeiter wirkt sich der innerliche Abschied aus. Es wundert nicht, dass mehr als die Hälfte der unmotivierten Mitarbeiter im vergangenen Jahr keine einzige Idee ins Unternehmen getragen hat.

Der Chef ist die Schlüsselfigur

Doch wer oder was gibt den Ausschlag für oder gegen emotionale Mitarbeiterbindung? Die Kollegen, die Stimmung im Team? In der Regel, so das Fazit von Gallup, lässt sich geringe Bindung auf Defizite in der Personalführung zurückführen. So ist es demnach keine Seltenheit, dass Mitarbeiter motiviert in ein Unternehmen einsteigen, dort aber (mehr oder weniger schnell) desillusioniert werden. Die Hauptrolle dabei spielen fast immer die direkten Vorgesetzten. „Aus motivierten Leuten werden Verweigerer, wenn ihre Bedürfnisse und Erwartungen bei der Arbeit über einen längeren Zeitraum ignoriert werden. Man fragt sie nicht nach ihrer Meinung, gibt ihnen weder positives Feedback noch eine konstruktive Rückmeldung zur Arbeitsleistung und interessiert sich nicht für sie als Mensch.“ Übrigens – um das Thema der Ideen nochmals aufzugreifen. Nichts demotiviert Mitarbeiter mehr, als wenn sie mit ihren Ideen beim Vorgesetzten auf taube Ohren stoßen. Dies ist ein ziemlich sicherer Garant dafür, dass die Ideen irgendwann verebben.

„Vergessene Generation am Arbeitsplatz“

Die Alarmglocken schrillen sollten spätestens bei der Aussage, dass immer mehr Arbeitnehmer in die Falle der inneren Kündigung tappen. Waren bei der ersten Gallup-Erhebung 2001 nur 15 Prozent betroffen, stiegt dieser Wert 2007 auf 20, 2012 gar auf 24 Prozent. Ein Viertel (!) aller Arbeitnehmer in Deutschland ist demnach betroffen. Eine Erklärung ortet Nink im demografischen Wandel. „Die ältere Arbeitnehmergeneration fühlt sich vernachlässigt. Die Baby Boomer stellen einen nicht unerheblichen Teil  der Arbeitnehmer, verschwinden aber durch die nachfolgenden Generationen zunehmend vom Arbeitsmarkt-Radar. Man könnte sie als vergessene Generation am Arbeitsplatz bezeichnen.“

Bildnachweis: Jill Chen / Quelle Shutterstock, tolga bayraktar / Quelle Shutterstock, ollyy / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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