Von der Idee zum Business: „Die Tagespresse ist ein kleines Start-up.“

von in Arbeitsleben am Dienstag, 8. September 2015 um 10:36

Zu einem neuen Job kommt man oft über Umwege. Im Fall von Fritz Jergitsch war es der Frust auf die EU-Saatgutverordnung, der ihn zur Tastatur greifen ließ, um einen Satireartikel zu schreiben. Wenig später war Die Tagespresse geboren, der Rest ist (Online)-Geschichte. Was als Hobby begann, ist mittlerweile ein Vollzeitjob. Fritz Jergitsch im Interview über Die Tagespresse und wie aus einer Idee ein Business werden kann.

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Fritz Jergitsch

Fritz Jergitsch

Als Satireprojekt hat Fritz Jergitsch die Tagespresse gestartet, mittlerweile kann er von seinem Projekt leben. Im September wird Jergitsch bei den Manageers Career Days in Wien zu Gast sein. Unter dem Titel „We Rock the Web“ gibt es am ersten Konferenztag eine Podiumsdiskussion mit den neuen Superstars des Webs. Wir verlosen übrigens 10 Tickets für die Businesskonferenz, alle Infos dazu am Ende des Artikels.

Vom ersten Satireartikel zum Vollzeitjob

Gab es einen Schlüsselmoment als Auslöser für die Gründung der Tagespresse?

Fritz Jergitsch: Ich hatte schon länger die Idee für eine Satireseite, so etwas fehlte in Österreich einfach. Der Punkt, an dem ich dann wirklich zu schreiben begonnen habe, war, als ich über die EU-Saatgutverordnung gelesen habe. Darüber habe ich mich so geärgert, dass ich gedacht habe, ich schlage einfach mit meinen eigenen Waffen zurück. So entstand der erste satirische Artikel über den EU-Regulierungswahn, nach und nach sind dann immer mehr Artikel entstanden. Dafür habe ich dann einen Blog eingerichtet und die Domain dietagespresse.com gesichert. Ende Mai 2013 ist das Ganze dann online gegangen.

Der Auftritt war von Beginn an sehr professionell – das Design, die Domain – war das von Anfang an so durchgeplant, ein Start mit dieser „Ernsthaftigkeit“?

Fritz Jergitsch: Ja, das war mir schon klar, dass es so sein muss, wie es jetzt ist. Diese Ernsthaftigkeit hat schon ein Kalkül. Ich vergleiche das gerne mit einem Kabarettisten: Der stellt sich auch nicht kichernd auf die Bühne und reißt einen Witz nach dem anderen – dann würde der Witz verloren gehen. Er entsteht dadurch, weil der Künstler ernst bleibt – damit schafft er diese Diskrepanz zwischen dem, was er sagt und wie er es präsentiert. Genau dasselbe macht die Tagespresse, mit dem ernsthaften Auftritt, dem Stil und dem Layout.

Stichwort Ernsthaftigkeit: Ist die Tagespresse für dich noch ein Hobby oder bereits ein Job?

Fritz Jergitsch: Es ist mittlerweile beides. Anfangs war es definitiv ein Hobby, das immer zeitintensiver wurde. Irgendwann habe ich auch begonnen, Werbung zu schalten, das hat immer besser funktioniert. Seit einem Jahr wird das auch professionell vermarktet und ich kann mittlerweile davon leben. Außerdem habe ich noch zwei freie Mitarbeiter, die regelmäßig Beiträge schreiben und dafür auch bezahlt werden. Die Tagespresse ist mittlerweile ein kleines Start-up, könnte man sagen.

Wie viel Zeit steckt in der Tagespresse?

Fritz Jergitsch: Für mich ist es mittlerweile ein Vollzeitjob. Morgens suche ich noch Bildmaterial für den aktuellen Artikel und stelle ihn online, dann recherchiere ich viel, schreibe Artikel und erledige Geschäftliches. Ich muss mich um die ganze Technik kümmern, warte die Seite und momentan arbeite ich an einer Tagespresse-App – das mache ich alles selbst.

Wie sahen deine früheren Karrierepläne aus?

Fritz Jergitsch: Meine Karrierepläne haben ziemlich oft gewechselt. Als Kind wollte ich immer Pilot werden, dann hat mich die Volkswirtschaft sehr interessiert, einmal  habe ich sogar überlegt, in einer Bank zu arbeiten. Im Laufe des Studiums habe ich dann auch von der Volkswirtschaft zur Politik gewechselt und in diesem Bereich mehr gemacht. Danach habe ich eine Karriere in einer PR-Agentur angestrebt und ein Praktikum gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war Die Tagespresse aber bereits gegründet und es hat sich so ergeben, dass ich das beruflich weitermache.

Deine Ratschläge an alle, die ebenfalls online ein Business ausprobieren möchten?

Fritz Jergitsch: Mein Ansatz für Online-Unternehmen ist der, nicht mit einem komplett ausgearbeiteten Bild zu beginnen sondern ständig offen zu bleiben: Das eigene Start-up bei Bedarf immer wieder ändern und anpassen. Außerdem sollte man versuchen, sich möglichst selbst zu finanzieren und von Beginn an auf den Cashflow zu achten – das gibt viel mehr Flexibilität, wenn es darum geht, das Geschäftsmodell zu ändern. Wenn man sich fremdfinanziert, geht das alles nicht so einfach. Und: Möglichst viel selbst machen! Dann kann man seine Vision eins zu eins selbst umsetzen und muss nicht einem anderen erklären, was man gerne wie möchte. Das sind Tipps, die ich von der Tagespresse ausgehend anderen mitgeben möchte.

Was sind deine weiteren Ziele für die Tagespresse?

Fritz Jergitsch: Ich habe eher kurzfristige Ziele, ändere oft mein Geschäftsmodell und probiere neue Dinge aus. Ein großes Hauptziel, auf das ich hinarbeite, habe ich gar nicht. Wenn es so weitergeht wie bisher, wäre das toll. Wir wachsen stetig, haben immer mehr Leser, probieren Neues aus, wir arbeiten an Kooperationen mit verschiedenen Medien, bald kommt die Tagespresse-App – mal schauen, wo es hingeht.

Bildnachweis: Dooder / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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