Der schmale Grat zwischen „Wow!“ und „Was soll das?!?“: Fünf Tipps zur perfekten Guerilla-Bewerbung

von in Jobsuche am Mittwoch, 28. Juli 2010 um 09:47

Bewerbungsschreiben auf Klopapierrollen, eine Postkarte mit einer Webadresse als einziger Message oder Sie campieren vor Ihrer gewünschten Arbeitsstätte und drücken dem zukünftigen Boss Ihre Bewerbungsunterlagen noch im Morgengrauen persönlich in die Hand – willkommen in der Welt der Guerilla-Bewerbungen! Wer am Erfolg klassischer Anschreiben-Lebenslauf-Zeugnisse-Bewerbungen zweifelt und noch dazu in den richtigen Branchen Fuß fassen will, sollte sich überlegen, beim Bewerben auch einmal den unkonventionellen Weg zu gehen …

Denn dass herkömmliche Bewerbungen beim potenziellen Chef oft auf taube Ohren stoßen, liegt gerade bei so genannten „Kreativen“ nicht immer an mangelnder Qualifikation: In vielen Fällen füllt die Liste der angeführten Praktika, Ferial-, Nebenjobs und Zusatzqualifikationen ganze Seiten. Was man aber oft nicht glaubt: Genau das kann auch ein Bewerbungs-Verhängnis sein. Denn dass der Jobmarkt übersättigt ist, weiß heute jeder. Dass man mit der Bewerbung die Aufmerksamkeit der Personalabteilungen in Sekundenbruchteilen gewinnen sollte ebenso. Aber wie? Immer beliebter bei Jobsuchenden: Die Guerilla Bewerbung. Klingt gefährlich, kann aber der erste Schritt zum möglichen Traumjob sein. Der Begriff leitet sich vom Guerilla-Marketing ab: Es soll mit unkonventionellen Wegen die Aufmerksamkeit der Zielgruppe erregt werden. Immer im Fokus: Der „Wow-Effekt“.

Vorweg: Wer sich dazu entschließt, sollte es nicht auf den 08/15-Bürojob beim Magistrat abgesehen haben. Denn dort wird eine Bewerbung à la Che Guevara nicht wirklich ziehen. Ebenso wenig bei der seriös auftretenden Großbank oder der Wirtschaftsprüfungskanzlei. Wollen Sie dort arbeiten, haben Sie wahrscheinlich mit einer aufgepeppten Muster-Bewerbung mehr Erfolg.

Als sinnvoll erweisen sich Guerilla-Bewerbungen vor allem bei kleineren Unternehmen und – erraten! – in der Kreativbranche. Von Grafikern, Textern, Marketing-Afficionados und Co. wird fast immer verlangt, „ums Eck denken zu können“. Die Möglichkeit, diese Fähigkeiten schon vor dem ersten persönlichen Treffen unter Beweis zu stellen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Denn ein solches muss erst einmal zustande kommen.

Doch wie geht man eine Guerilla-Bewerbung am besten an? Gibt es überhaupt Standards? Natürlich gibt es die, muss es auch. Denn Konzeptlosigkeit lässt sich nicht durch oberflächlich zur Schau gestellte Kreativität wettmachen – nie.

Im Internet findet man dazu auch kompetente Hilfe, beispielsweise hier oder auch als Ratgeber auf Papier: Kreative Bewerbung – Die clevere Alternative zur Musterbewerbung.

Vorweg gleich die Top Five der Guerilla-Bewerbungsregeln:

  1. Informieren Sie sich über das Unternehmen ganz genau, bei dem Sie sich unkonventionell bewerben wollen. Sie müssen sich 100-prozentig sicher sein, dass Ihr Konzept Ihre „Zielgruppe“ – sprich das Unternehmen – nicht abstößt, verärgert oder irritiert. Kurzum: Versuchen Sie möglichst genau abschätzen zu können, wieviel „Frechheit“ Ihr Wunscharbeitgeber verträgt.
  2. Stimmen Sie die Art Ihrer Präsentation auf Ihre Person sowie auf den künftigen Arbeitgeber ab. Es bringt beispielsweise wenig, sich als Account-Manager zu bewerben, seine Hoffnungen aber einzig und allein auf ein aufwändig designtes Grafik-Projekt zu stützen.
  3. Vergessen Sie nicht darauf, auch die gewünschten Informationen übersichtlich zu transportieren und achten Sie darauf, dass die wichtigsten Facts ohne großen Aufwand abrufbar sind. Denken Sie daran: Firmen erhalten Dutzende, oft Hunderte Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung. Da bleibt keine Zeit, sich lange mit einer einzigen Bewerbung herumzuspielen.
  4. Keine Angst vor Aufmerksamkeit! Haben Sie keine Angst davor, um Ihre Person „Wirbel zu machen“. Ziel muss sein, sich selbst möglichst gut zu vermarkten. Ihre Guerilla-Bewerbung soll den Personalisten ja schließlich sagen: Hier bin ich! Wenn Ihr mich nehmt, bekommt Ihr einen Profi, der mehr kann als meine Bewerbungs-Konkurrenten.
  5. Setzen Sie Ihre bestehenden Netzwerke ein: Informieren Sie Freunde, Arbeits- und Branchenollegen über Ihre Jobsuche. Sollte jemand Arrivierter Ihre Bewerbung gleich an die richtige Adresse weitergeben können, dann nutzen Sie die Chance.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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