Das Glück ist ein Wochenend-Vogerl – Warum man sich von Freitag bis Sonntag einfach wohler fühlt

von in Arbeitsleben am Dienstag, 2. November 2010 um 12:09

Ein langes Wochenende liegt hinter uns. Drei Tage Abschalten, Faulenzen, Nichtstun. Tage, die man mit Freunden, Verwandten oder Bekannten verbracht hat. Mit Menschen, die einem wichtig sind. Und mit Tätigkeiten, die man sich selbst ausgesucht hat. Kurz: Drei Tage Glück. Dass an Wochenenden die Glücksgefühle bei fast allen Arbeitnehmern heftiger ausgeprägt sind, belegt auch eine Studie. Nach dieser ist es sogar egal, ob man seinen Job mag oder nicht. Genauso wie es keine Rolle spielt, in welchem Beruf man arbeitet.

Was nach dem großen Sommer-Urlaub als „Post Holiday Syndrom“ zuschlägt, trifft Woche für Woche zigtausende Arbeitnehmer im Kleinen: Die Back-To-Work-Motivationsbremse. Auch wenn der Job an sich spannend ist, die Kollegen spitze und in puncto Selbstverwirklichung alles paletti wäre – warum bleibt die Euphorie für die neue Arbeitswoche nur aus? Warum schleppen sich so viele nach dem Wochenende eher wider- als freiwillig ins Büro – und das über alle Berufsgruppen hinweg?

Der „Wochenend-Effekt“ – Glück nach Stechuhr

Weil es so etwas wie einen „Wochenend-Effekt“ gibt. Und das ist wissenschaftlich erwiesen. Psychologen der University of Rochester haben sich in einer Studie, erschienen im „Journal of Social an Clinical Psychology“ dem Wohlbefinden von Arbeitnehmern gewidmet.
Über mehrere Wochen hinweg wurden 74 Erwachsende zwischen18 und 62 Jahren dreimal täglich interviewt, um ihre aktuellen Beschäftigungen und die dazugehörigen Gefühle zu dokumentieren. Auch körperliche Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Erschöpfung wurden erfasst.

Wochenende=Freiheit

Das zu erwartende Ergebnis: Durch die Bank waren die Zufriedenheit mit sich selbst und das persönliche Wohlbefinden an Wochenenden besser als an Arbeitstagen. Warum das so ist, erklärt der zweite Teil der Studie: Die Probanden mussten zu ihrer aktuellen Situation zusätzlich angeben, wie selbstbestimmt, kompetent und wie nahe sie sich den Personen in ihrem Umkreis fühlten. Um es kurz zu machen: Am Wochenende dominierten bei den Befragten Freiheits- aber auch Nähegefühle. Was aber erstaunt: Arbeitnehmer fühlen sich an Wochenenden auch kompetenter!

Woran mag das wohl liegen? Denn eigentlich müsste ja die Tatsache auf der Hand liegen, dass man sich dann kompetent fühlt, wenn man sich in seinem beruflichen Umfeld bewegt – nämlich dort, wo man seine Kompetenzen auch professionell einsetzen und unter Beweis stellen kann. Eben nicht, sagen die Studienautoren: Wohlbefinden stellt sich nur dann ein, wenn bestimmte Bedürfnisse erfüllt sind – Autonomie, Verbundenheit und Kompetenz. Und weil das in der Arbeit nicht oder nur schwer möglich ist, fällt es den meisten schwer, zwischen Dienstanweisungen, Corporate Behaviour, Terminplänen und fordernden Projekten auch noch ein Gefühl des Wohlfühlens zu entwickeln.

Folgt man den Studienergebnissen, hieße das für Arbeitgeber: Für Mitarbeiter gilt es ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das ihnen ermöglicht, so autonom wie möglich zu arbeiten, das ihnen aber trotzdem Gefühle der Verbundenheit entgegenbringt. Und die Möglichkeit, ihre Kompetenzen unter Beweis stellen zu können.

Lob und Anerkennung steigern Wohlbefinden

„Machen wir doch längst“, hört man es aus der Ecke der Unternehmensleitungen bereits schallen, „hätten wir keine Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, wären wir auch nicht so erfolgreich.“ Falsch gedacht. Unternehmenserfolg und Mitarbeiterzufriedenheit müssen nämlich nicht zwingend zusammenhängen, wie Dr. Siegfried Molan-Grinner von der Fachhochschule Oberösterreich im karriere.at-Interview erklärt: „Oftmals ist es leider so, dass Organisationen höchst erfolgreich sind, obwohl soziale Kompetenz nicht sehr ausgeprägt ist. „Leider“ für die Menschen, die dort arbeiten. Welche Auswirkungen das jedoch auf  Dauer auf den Gesundheitszustand und die Arbeitsmotivation der Menschen hat, ist eine wichtige Frage.  Wir wissen z. B. aus der neurobiologischen Forschung, dass Anerkennung und Beachtung, körpereigene Botenstoffe  ausschütten, die das Motivationssystem eines Menschen aktivieren und zu Leistungsfähigkeit, Wohlgefühl und Vitalität beitragen. Im Gegensatz dazu wird bei einem Mangel an Anerkennung das Stresssystem aktiviert, dass zu Angst und in der Folge auch zu Depression oder Aggression führen kann.  Man muss auch klar unterscheiden, warum Mitarbeiter für ihren Chef etwas tun: „Weil sie leidensfähig einen unmenschlichen Führungsstil  ertragen und letztendlich aus Angst gehorchen oder weil sie als Menschen wertgeschätzt werden.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren