Narzissten im Job: Jedes Team braucht seinen Cristiano Ronaldo

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 21. September 2010 um 08:51

Sie stolzieren durch die Büros wie Cristiano Ronaldo über den grünen Rasen. Sie präsentieren jeden Arbeitsfortschritt mit stolz geschwellter Brust als ob sie das Welthungerproblem gelöst hätten. Und wenn sie zusammenarbeiten müssen, kommt nichts heraus, außer jede Menge Ideen aber keine Umsetzung. Die Rede ist von Narzissten. Dass die richtige Mischung an Narzissten und bescheideneren Mitarbeitern die Kreativität eines Teams beeinflusst, belegt nun eine aktuelle Studie.

Jeder, der sich auch nur am Rande für Fußball interessiert, kennt Cristiano Ronaldo. Wie ein Gockel stolziert der Portugiese im Dress von Real Madrid über den Fußballplatz. Gegeltes Haar, Brust heraus, Nase Richtung Fußball-Gott. Ein Narzisst, wie er im Buche steht. Und einer der besten Fußballspieler der Gegenwart. Die US-Studie „Narcissism and Crativity“ (hier eine Vorab-Version) kommt nun zu dem Schluss, dass narzisstisch veranlagte Personen die Kreativität von Teams auch entscheidend beeinflussen können – wenn die richtige Mischung mit „Bescheidenen“ gefunden wird.

Ronaldo präsentiert sich besser
Die Untersuchung der drei US-Wissenschaftler baut auf drei Stufen auf: Zunächst erhob man die narzisstische Veranlagung von 76 Studenten per Fragebogen. Die Probanden teilte man paarweise auf. Jeder von ihnen musste ein Filmkonzept entwickeln und seinem Partner vorstellen. Ergebnis: Wurde das Konzept von einem Narzissten präsentiert, waren jene, die über die Qualität des Films entscheiden mussten, zu 50 Prozent häufiger beeindruckt, als umgekehrt.

Die zweite Stufe, also die Gegenprobe darauf, zeigt jedoch, dass dies nicht an der größeren Kreativität der Selbstdarsteller liegt. Denn wurden die Filmkonzepte lediglich anhand schriftlicher Abstracts präsentiert, stellte sich kein Unterschied zu den zurückhaltenderen Probanden heraus. Erstes Fazit: Selbstdarsteller präsentieren sich und ihre Ideen einfach besser. Und das „zieht“. Auf das Beispiel Cristiano Ronaldo umgelegt, bedeutet das: Wenn sich besagter Kicker den Ball zum Freistoß mit Akribie herrichtet um anschließend mit großer Theatralik Konzentrationsphase, Anlauf, Schuss und die Reaktion auf seine eigene Leistung zelebriert, ist man als Zuschauer in der Regel stärker beeindruckt, als ob Kurti Ockermüller aus der zweiten Landesliga ohne großen Schnörkel einen 30-Meter-Freistoß ins Kreuzeck donnert.

Cristiano Ronaldo braucht Kurti Ockermüller
Wie man Narzissten aber für Teams nutzbar machen kann, erhebt die dritte Stufe der Untersuchung: 292 Studenten mussten in Vierergruppen leistungssteigernde Maßnahmen für Unternehmen erarbeiten. Ergebnis: Gruppen mit drei oder vier Selbstdarstellern konnten ihre Ideen nicht in konkrete Lösungen ummünzen. Ebenso erging es reinen Bescheidenen-Gruppen. Die meisten und kreativsten Lösungen brachten Teams, die jeweils zur Hälfte aus Narzissten bestanden.

Vermutung der Wissenschaftler: Der Nutzen von Selbstdarstellern liegt darin, dass sie helfen, Ideen hervorzubringen. Dies könnten sie aber nur tun, wenn sie nicht mit anderen starken Persönlichkeiten in Wettbewerb treten müssen.

Oder um es mit alten Fußball-Weisheiten zu vereinfachen: Drei Mittelfeld-Regisseure nebeneinander funktionieren in vielen Fällen nicht. Sportkommentatoren würden dazu sagen: „Zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer.“ Zwei Euro ins Phrasenschwein.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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