Gehalt 2016: Was erwartet Buchhaltung & Controlling?

von in Gehalt am Montag, 3. Oktober 2016 um 10:19

Gehaltsexperte Conrad Pramböck analysiert in unserer Serie „Gehalt 2016“ verschiedene Branchen auf ihre Gehaltsperspektiven. Diesmal hat er sich angesehen, wie es um die stillen Hüter der Finanzen, die Buchhalter und Controller, steht.

Gute Buchhalter werden immer gebraucht. Punkt. Der Branche geht es nach wie vor sehr gut, weil Buchhalter und Controller am Markt sehr gefragt sind. Vor allem Absolventen der Bilanzbuchhalterprüfung kennen kaum Sorgen, wenn es um die Jobsuche geht. Die Wahrnehmung von Buchhaltung und Controlling ist allerdings eine differenzierte: Controller sind oft angesehener als Buchhalter. Das führt Pramböck darauf zurück, dass erstere im Unternehmen recht sichtbar sind und eher Kontakte zum Top-Management pflegen, um ihre Analysen zu präsentieren. Tipps, um als Buchhalter nachzuziehen, hat er auch parat. Vorerst die Gehälter im Überblick:

Gehaltstabelle Buchhaltung & Controlling

 

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Wie ist Ihre Prognose für die Branche: Was sind die Chancen und Risiken?

Pramböck: Die Buchhaltungsrichtlinien werden vor allem in großen Firmen immer komplexer – Stichwort IFRS (International Financial Reporting Standards). Da ist es natürlich auch notwendig sich weiterzubilden, um rechtlich am Stand der Dinge zu bleiben. Vor allem Bilanzbuchhalter werden sehr stark nachgefragt. Auf der einen Seite ist es als Buchhalter für die Karriere günstig, wenn ich gelegentlich den Job wechsle, um mich gehaltsmäßig zu steigern. Auf der anderen Seite ist es verpönt, wenn ein Buchhalter regelmäßig den Arbeitgeber wechselt. Da fragt man sich vielleicht „Wieso ist der Buchhalter, kurz nachdem die Bilanz erstellt wurde, schon wieder weg? Da stimmt irgendwas nicht…“

Komplizierter Jobwechsel als Buchhalter: nötig für einen Gehaltssprung – aber oftmals ungern gesehen.

Pramböck: Langjährige Jobs sind bei Buchhaltern durchaus üblich und auch ein Zeichen von Qualität – da kann man ruhig einmal zehn Jahre in einem Unternehmen bleiben. Das führt aber auch dazu, dass die Gehaltsentwicklung in der Buchhaltung recht konservativ ist. Mein Karrieretipp für Buchhalter: In den ersten drei bis fünf Jahren bei einem Unternehmen bleiben, jedenfalls die Bilanzbuchhalterprüfung machen und sich dann in der Altersgruppe zwischen 30 und 40 einen gut bezahlten Job suchen, den man auch die nächsten zehn bis zwanzig Jahre ausüben kann.

Für die Controller gilt da durchaus etwas anderes: Sie werden am Markt gesucht, wenn auch nicht so dringend wie Buchhalter. Interessanterweise sind die Einkommenschancen im Controlling aber deutlich besser – das liegt aus meiner Sicht vor allem daran, dass die Controller sehr viel sichtbarer sind und sich auch oft besser verkaufen. Die Buchhalter sind von der Persönlichkeitsstruktur häufig Menschen, die sehr genau arbeiten, sehr fleißig sind, aber weniger nach außen gerichtet sind und sich und ihre Leistungen oft nicht „verkaufen“ – sozusagen der totale Gegensatz zum Vertriebsmitarbeiter. Wie eingangs schon angesprochen, hilft hier auch ein gewisser Auftritt. Das muss nicht so verkäuferisch sein wie im Vertrieb, aber als Buchhalter sollte man sich auch nicht als graue Maus im Büro darstellen, die „nur“ die Buchungen absolviert.

Welche Rolle spielen hier Bildungsgrad und Weiterbildung?

Pramböck: Viele Buchhalter haben eine kaufmännische Ausbildung, etwa eine HAK. Einige verbringen die ersten Berufsjahre bei einem Steuerberater und wechseln dann in die Buchhaltungsabteilung eines Unternehmens. Controller haben oftmals eine akademische Ausbildung. Sie sind auf die Daten aus der Buchhaltung angewiesen, um ihre Analysen zu machen.

Heißer Tipp: Bilanzbuchhalterprüfung absolvieren – das wirkt sich in der Karriere positiv aus.

Pramböck: Wie schon erwähnt, sind bei Buchhaltern vor allem die buchhalterischen Richtlinien sehr wichtig und diese ändern sich regelmäßig. Wenn sich jemand in dieser Branche die letzten zehn Jahre nicht weitergebildet und informiert hat, kann ich diesen nicht länger sinnvoll im Unternehmen gebrauchen. Für die Weiterbildung im Controlling ist sicher das Controller Institut führend, das regelmäßige Weiterbildungen anbietet und auch am Markt einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Wie schnell kann man in der Branche Karriere machen?

Pramböck: In der Buchhaltung findet man eher langfristige, im Controlling tendenziell mittelfristige Karrieren. Im Controlling geht’s darum, gute Analysen durchzuführen, gute Berichte abzuliefern, dann kann ich innerhalb mittelfristiger Zeit eine gute Karriere machen. Viel hängt dabei immer von der bereits erwähnten Sichtbarkeit innerhalb des Unternehmens ab.

Haben Sie Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Pramböck: Ich kann den Buchhaltern empfehlen, sich alle fünf bis zehn Jahre am Markt umzuschauen, was es Neues gibt. Der Vorteil der Buchhaltungskräfte ist ja, dass sie über die gesamten Gehaltsdaten im Unternehmen Bescheid wissen. Für Controller: Gute Zahlen und gute Analysen abliefern und in Kontakt mit dem Management stehen, um sich sichtbar zu machen. Eine Führungsposition zu übernehmen geht häufig nur in großen Unternehmen, wenn es eine eigene Abteilung dafür gibt. Ansonsten gibt es noch die Variante, sich in anderen Bereichen weiterzuentwickeln – Richtung Rechnungswesen oder Richtung Finanzierung und den Weg nach oben über den CFO oder Finanzvorstand zu finden.

 

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des neuen Buchs „Karrierewege“.

Bildnachweis: create jobs 51 / Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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