Gehalt 2015: Buchhaltung & Controlling – Profis sind stark gefragt und gut bezahlt

von in Gehalt am Montag, 14. September 2015 um 10:44

Im Rahmen unserer Serie „Gehalt 2015″ analysiert Gehaltsexperte Conrad Pramböck die Gehaltsentwicklung verschiedener Branchen. Mit welchem Einkommen Buchhalter und Controller rechnen dürfen, verrät er heute. Diesmal dreht sich alles um’s Gehalt für Zahlenprofis in Buchhaltung und Controlling.

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Gute Aussichten für alle, die bei Zahlen gerne den Durchblick haben: „Die Nachfrage nach guten, zuverlässigen Buchhaltern reißt nicht ab“, sagt Gehaltsexperte Conrad Pramböck. Besonders gute Karten haben jene, die auch die Bilanzbuchhalterprüfung absolviert haben. Sie sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt – und das wird wohl auch so bleiben. „Back-Office-Tätigkeiten werden zunehmend an ausländische Firmen vergeben. Die Gefahr, durch Fachkräfte im Ausland ersetzt zu werden, betrifft Bilanzbuchhalter sehr viel geringer als andere Berufsgruppen. Kein Inder ist mit der sich laufend ändernden Steuergesetzgebung in Österreich vertraut. Insofern geht es den Bilanzbuchhaltern also sehr gut“, erklärt Pramböck. Bevor es an die detaillierte Branchenanalyse für Buchhalter und Controller geht, die Gehälter im Überblick:

Gehalt Buchhaltung Controlling 2015

5 Fragen an den Gehaltsexperten

Wie ist Ihre Prognose für die Branche? Was sind die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck: Die Bilanzbuchhalterprüfung macht hier einen großen Unterschied. Wer die vorweisen kann, macht gleich einen großen Gehaltssprung. Bilanzbuchhalter zählen zu den wenigen Berufsgruppen mit einem hohen Anteil an Nicht-Akademikern, die ein hohes Gehalt beziehen können. Dabei können sie deutlich mehr als 50.000 Euro brutto pro Jahr verdienen. Die Top-Verdiener liegen bei 60.000 bis 70.000 Euro, teilweise sogar darüber. Das bekomme ich als Nicht-Akademiker sonst nur in der Vorstandsassistenz. Controller sind ebenfalls sehr gefragt. Es sind meist Akademiker, die die Zahlen aus der Buchhaltung aufbereiten, analysieren und an das Management kommunizieren. Sie sind deshalb gefragt, weil sie die Fakten zum oft vorherrschenden „Bauchgefühl“ liefern: Dem Unternehmen geht es gut, die Zahlen im Vertrieb passen etc. – das Controlling überprüft genau das. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat es einen regelrechten Aufschwung erlebt.

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad?

Conrad Pramböck: Die meisten Buchhalter haben eine kaufmännische Ausbildung, HAK oder HAS oder eine kaufmännische Lehre absolviert. Wenn ich Wirtschaft studiert habe, ist das in manchen Unternehmen von Vorteil, aber nicht unbedingt Voraussetzung. Bei der Buchhaltung ist es so, dass ich aus vielen Unternehmen höre, dass FH-Absolventen gegenüber Uni-Absolventen bevorzugt werden, weil sie eine viel praxisnähere Ausbildung haben – falls überhaupt ein Akademiker für den Posten gefragt ist. Anders ist es dann im Controlling, hier ist das Verhältnis zwischen Uni- und Fachhochschulabsolventen ausgewogen.

Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf die Gehälter?

Conrad Pramböck: Einen großen – und auch hier gilt: Die Bilanzbuchhalterprüfung ablegen oder nachholen. Der klassische Karriereweg startet meist mit dem Einstieg beim Steuerberater. Viele sagen, dass das für die zukünftige Karriere eine gute Praxis ist – auch, weil man viele Facetten des Berufs kennen lernt und so flexibel einsetzbar ist. Nach ein paar Jahren wechseln dann viele in Buchhaltungsabteilungen eines Unternehmens. Zum einen gibt es dort rund 20 Prozent mehr Gehalt als beim Steuerberater, andererseits habe ich in Unternehmen ganz andere Karriereperspektiven. Abseits der Bilanzbuchhalterprüfung ist natürlich die laufende Weiterbildung ebenso wichtig. Für Buchhalter und Controller gilt gleichermaßen: Englischkenntnisse sind absolute Pflicht. Besonders die Buchhalter haben hier oft Nachholbedarf. Einerseits muss man die Fachbegriffe beherrschen, andererseits aber auch Konversations- und Präsentationsenglisch, um seine Inhalte auch international zu vermitteln.

Weiterbildung Buchhaltung

Wie schnell kann man in der Branche Karriere machen?

Conrad Pramböck: Nach oben hin ist alles offen, bis zur kaufmännischen Geschäftsführung. Es ist allerdings kein Nachteil, zehn Jahre für ein und dieselbe Firma zu arbeiten. Buchhalter sind keine Jobhopper. Wenn jemand oft nach der Bilanzerstellung seinen Job wechselt, wirft das Fragen auf: Stimmt da was mit den Zahlen nicht? Problematisch wird es allerdings , wenn man seit 20 Jahren immer das Gleiche macht und sich überhaupt nicht weiterentwickelt. Zur Karriere stellt sich außerdem die Frage: Zu wem passt es von der Persönlichkeit her? Das Klischee der Buchhalter gibt es nicht ganz ohne Grund: Loyale, zuverlässige Menschen, die gut mit Zahlen können, aber in ihre Karriereplanung weniger aggressiv hineingehen als der „typische WU-Absolvent“ der sich fragt: Wo muss ich hin, damit ich schnell nach oben komme? Die Karriere eines Buchhalters verläuft eher kontinuierlich und eventuell über Bereiche wie Controlling oder Steuern. Dann kann man natürlich auch einen Karriereweg in die Geschäftsführung einschlagen, wenn es denn zur Persönlichkeit passt. Dazu gehört auch, dass man seine Leistungen dementsprechend präsentiert und in vielen Unternehmen ist meine Einschätzung: Buchhalter leisten gute Arbeit, teilweise unter hohem Druck, aber viele tun sich schwer, den Wert ihrer Arbeit auch zu präsentieren. Häufig passiert es dann, dass jemand anderer – z. B. ein Controller – die Zahlen analysiert, im Meeting entsprechend präsentiert und jeder sagt: Wow, da kennt sich jemand mit unseren Zahlen gut aus. Dabei ist ein Controller ohne Zahlen aus der Buchhaltung chancenlos.

Haben Sie Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Conrad Pramböck: Weiterbildung ist hier der Klassiker und wie bereits erwähnt, die Bilanzbuchhalterprüfung. Abgesehen von Fortbildungen sollte man an seiner Selbstpräsentation arbeiten. Es reicht bereits, in Businessnetzwerken mit einem Onlineprofil vertreten zu sein. Es gibt einen großen Bedarf an guten Bilanzbuchhaltern. Um auf sich aufmerksam zu machen, muss man aber mit den richtigen Leuten ins Gespräch kommen und sich zumindest ein wenig selbst präsentieren.

Zur Person

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

Bildnachweis: Nonwarit / Shutterstock; Thomas Bethge / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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