Computerabstürze stressen Männer mehr als Frauen

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 3. Oktober 2013 um 10:34

Facebook, Twitter, SMS, E-Mail, WhatsApp: Technologie steht nie still und auch wenn man mit Tablet, Smartphone & Co. aufwächst, ist man nicht vor Techno-Stress gefeit. Wie ein heimisches Forscherteam nun erstmals nachweisen konnte, empfindet nicht jeder Mensch diesen Stress gleich. Computerabstürze regen Männer laut einer Studie eindeutig mehr auf als Frauen. Außerdem: Vier Tipps gegen Techno-Stress.

Computerabsturz beim Online-Shopping

René Riedl

René Riedl

Dass Computerabstürze & Co. das Stresslevel der User nachweislich beeinflussen können, konnten die Forscher bereits im Vorjahr mit ihrer damals einzigartigen Studie nachweisen. Ein weiteres Experiment sollte nun zeigen, ob sich Männer tatsächlich stärker durch streikende Rechner oder Smartphones aus der Ruhe bringen lassen. Dazu haben die Forscher aus Oberösterreich insgesamt 77 Teilnehmer (41 Frauen und 36 Männer) zum Online-Shopping gebeten: „Unsere Probanden bekamen die Aufgabe, jeweils zwölf Produkte in einem Online-Shop zu suchen und in den Warenkorb zu legen. Nach einigen Minuten ließen wir die PCs abstürzen“, schildert Riedl den Versuchsablauf.

Tickende Uhr simuliert den heutigen Arbeitsdruck

zeitdruckDie Teilnehmer wurden dabei jedoch in zwei Gruppen geteilt: Einer Hälfte der Probanden wurde zusätzlich eine ablaufende Uhr am Bildschirm eingeblendet, um sie beim Bestellen unter Zeitdruck zu setzen. „Wir haben den Zeitdruck erzeugt, weil wir heute generell in einer beschleunigten Umwelt leben und es in der Arbeitswelt selten Situationen gibt, in denen Zeit keine Rolle spielt. Mit diesen Bedingungen haben wir also die heutige Arbeitsumgebung simuliert“, so Riedl. Die Ergebnisse sind spannend: Während der Computerabsturz bei der Gruppe ohne Zeitdruck zu keinen großen Veränderungen führte, hatte dieser bei der zweiten Gruppe sehr wohl Auswirkungen: und zwar bei den Männern. „Man kann sagen, dass wenn Männer eine Aufgabe unter Zeitdruck ausführen, ein Hindernis wie ein Computerabsturz zu großem Stress führt.“

Was Frauen und Männer stresst

stress_mannÜberraschung war dieses Ergebnis für die Forscher keine. „Wir haben damit gerechnet, weil es eine evolutionsbiologische Erklärung dafür gibt“, so Riedl. „Über weite Teile der evolutionären Entwicklung hat die Aufgabenteilung dafür gesorgt, dass Männer sich vorwiegend in Situationen befanden, in denen Zeitdruck eine große Rolle spielte. Der Erfolg etwa bei der Jagd oder im Kampf war überlebenswichtig. Werden Männer von der Zielerreichung abgehalten, erzeugt dies großen Stress.“ Bei Frauen, so der Forscher, erzeugen evolutionsbedingt eher Probleme bei sozialen Interatkionsprozessen Stress.

Das Problem ist, dass wir ihn meist nicht bemerken

Das Problem beim Techno-Stress ist, dass dieser zwar wissenschaftlich messbar vorhanden ist, die Betroffenen selbst ihn meist kaum wahrnehmen. Einfach gesagt: Der Stress in der Mensch-Computer-Aktion ist da, und zwar jeden Tag. Wir spüren ihn nur nicht und greifen daher nicht oder zu spät ein. Auf Dauer, so Riedl, kann dies ernsthaft krank machen.

Vier Tipps gegen Techno-Stress

  1. tai_chiEffektive Pausengestaltung kann Techno-Stress vermindern. Denn alleine durch den Umstand, dass man täglich viele Stunden am Rechner sitzt, erzeugt Stress. Wirksame Pausenregelungen helfen.
  2. Usability hilft: Systeme, die hohe Usability haben, führen zu keinen oder verminderten Stresswahrnehmungen.
  3. Tai Chi & Co: Die Regelmäßige Teilnahme an Stressmanagementprogrammen bringt nachweislich positive Effekte. Beispiele sind etwa Entspannungsübungen oder Aktivitäten wie  Tai Chi oder Yoga.
  4. Musik: Das Hören bestimmter Musik kann beruhigend wirken. Wichtig ist, die richtige Musik zu wählen.

Infos zur Studie:

Im Gegensatz zur Studie von 2012, wo das Stresshormon Kortisol gemessen wurde, hat die Forschergruppe an der FH Oberösterreich um René Riedl, Harald Kindermann und Andreas Auinger gemeinsam mit Andrija Javor vom AKH Linz diesmal die Auswirkungen auf das sympathische autonome Nervensystem gemessen. Dies passierte über den Hautleitwert an den Fingern. Vorteil ist, dass so binnen Sekunden Veränderungen registriert werden können.

Bildnachweis: Catalin Petrolea / Quelle Shutterstock, iko / Quelle Shutterstock, alphaspirit / Quelle Shutterstock, Shahril KHMD / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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