Cheffing – Fünf Schritte, wie man seinen Boss lenkt

von in Arbeitsleben am Freitag, 3. Dezember 2010 um 13:33

Schon einmal von „Cheffing“ gehört? Richtig – es hat etwas mit Ihrem Chef zu tun. Cheffing nennt man eine Technik, wie man seinen Vorgesetzten mit sanftem Druck von unten steuert. Beherrscht man es, sollten die Zeiten, in denen man sich als hilfloses Opfer des Chefs und seiner Launen sieht, mit Sicherheit vorbei sein. Dabei hat Cheffing nichts mit plumper Manipulation, Schleimerei und Draufgängertum zu tun. Sondern damit, wie man selbst im Büro aktiv wird und sich seinen Boss ein kleines Bisschen erzieht.

Übernehmen Sie im Büro die Führung! – Natürlich werden Sie nicht von heute auf morgen die Geschicke des Konzerns leiten. Und natürlich kann es nicht darum gehen, der Führungsebene den Krieg zu erklären und deren Entscheidungen für inkompetent zu erklären. Was aber jedenfalls geht: Sich selbst den Arbeitsalltag etwas zu erleichtern und sicherzustellen, dass Ihre Überlegungen – die in 90 Prozent der Fälle unreflektiert abgeschmettert werden – auch als Entscheidungshilfe für die Führungsebene herangezogen werden. Wichtigste Grundvoraussetzung: „Cheffing“ kann nie als starres Konzept funktionieren. Es muss immer auf die Situation und das Gegenüber abgestimmt passieren.

Fünf Schritte, wie sich Ihr Boss von unten steuern lässt:

Schritt eins: Akzeptieren Sie Ihren Chef als Chef! Wer sich dem Vorgesetzten fachlich überlegen fühlt und dessen Entscheidungen durch die Bank als inkompetent empfindet, verfällt oftmals in eine Art Schockstarre. Absolute Passivität. Effekt: Man fühlt sich den Entscheidungen des Chefs auf allen Ebenen ausgeliefert und stellt sich selbst als bloßes Opfer dar. Das steigert natürlich auch nicht den Respekt des Chefs, den man sich ja eigentlich erwarten würde. Werden Sie aktiv!

Schritt zwei: Finden sie heraus, welcher Menschentyp Ihr Chef ist. Wie denkt er? Worauf legt er besonderen Wert? Was sind seine persönlichen und beruflichen Ziele? Was sind seine Stärken, was seine Schwächen? Das gibt Ihrem Vorgesetzen ein menschliches Antlitz und hilft ihnen, herauszufinden, wo Sie ansetzen können.

Schritt drei: Niemals schleimen! Vermeiden Sie auf alle Fälle, Ihrem Chef mit plumpen Manipulationsversuchen, Tricksereien oder allzu offensichtlichen Annäherungsversuchen beizukommen. Seien Sie sicher: Er wird die Lunte riechen. Und die Konsequenzen tragen dann wiederum Sie.

Schritt vier: Wie schon angedeutet, geht es darum, Ihren Einfluss auf Entscheidungen zu vergrößern, nicht darauf, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Denn das wird nicht gelingen. Vermeiden Sie taktlose Einmischungen, die den ureigensten Kompetenzbereich Ihres Chefs betreffen! Kein Platzhirsch lässt sich gerne von Artgenossen, die in der Rangordnung unter ihm stehen, ins Revier pinkeln.

Schritt fünf: Hier treten Sie von der Sondierungsphase in die Aktionsphase über. Und Sie machen Ihrem Boss mit kleinen Schritten unterschwellig klar, dass Sie es sind, auf deren Rat er künftig weitaus mehr Wert legen sollte. Der US-Jobblog Carreer Rocketeer rät in diesem Fall zu einer dreistufigen Vorgangsweise.
Erstens: Zeigen, dass man 100 Prozent Profi ist. Das heißt: Intelligente Zwischenfragen bei Teamsitzungen stellen. Sich Notizen machen, um in weiteren Sitzungen auch Antworten auf Detailfragen präsentieren zu können. Und mit den Fragen und Anregungen gleich auch symbolisieren, dass man in größeren Zusammenhängen denkt: Wie lautet die Deadline für das Projekt? Bekommen wir ein Problem mit dem veranschlagten Budget? Was, wenn etwas nicht so glatt läuft – haben wir Alternativpläne?
Zweitens: Erkundigen Sie sich genau, welche Aufträge bei Ihrem Vorgesetzten höchste Priorität genießen und welche weniger. Diese Jobs sollten Sie zuerst mit der Bearbeitung angehen. Sobald Sie diese erledigt haben: Geben Sie Zwischen-Reports. Es schadet keinesfalls, wenn nicht nur der Arbeitskollege, sondern auch der Chef mitkriegt, dass Sie Ihren Teil erfolgreich abgeschlossen haben. Dasselbe gilt übrigens genauso, wenn Sie mit einem Projekt nicht im vorgegebenen Zeitplan liegen: „Ich wollte Sie darüber informieren, dass … aufgrund … .“ Nur ein informierter Chef, ist ein beruhigter Chef. Wenn er ständig das Gefühl hat, dass er den Zwischenstand von Projekten stets selbst erfragen muss, wird jeder Chef zum Choleriker.
Drittens: Übernehmen Sie Verantwortung – auch wenn es sich um schlechte Neuigkeiten handelt. Wer schlechte Nachrichten überbringt, hat es auch selbst in der Hand, den Schaden argumentativ zu minimieren und stellt sich gleichzeitig auch als erster Ansprechpartner zur Fehlerbehebung zur Verfügung. Dafür sollte man solche Gespräche nur top-vorbereitet antreten und im Idealfall auch gleich Lösungsvorschläge parat haben.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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