Fehler des Chefs sind Tabuthema

von in Arbeitsleben, HR am Mittwoch, 4. März 2015 um 11:49

Ganz ehrlich: Wenn Führungskräfte Mist bauen, weist man sie dann auf ihre Fehler hin? Meist eher nicht. In zwei von drei Unternehmen wird über die Fehler der Chefs der Mantel des Schweigens gebreitet. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Unternehmensberatung Rochus Mummert unter HR-Führungskräften und Arbeitnehmern durchgeführt hat.

Diskussionsstoff oder Tabuthema?

Fehler passieren immer wieder, daraus lernen kann man nur, wenn man sie thematisiert. Werden Fehlleistungen nicht diskutiert, führen sie im schlimmsten Fall zu weiteren Schnitzern oder Konflikten. So weit, so gut, die Sache hat aber einen Haken: Zerpflückt werden meist nur Fehler von Arbeitnehmern, selten aber das, was der Chef höchstpersönlich in den Sand setzt. Das zeigt die Studie „Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg“ der Unternehmensberatung Rochus Mummert. Befragt wurden dazu HR-Manager und 1.000 Arbeitnehmer.

Über Fehler und Geld spricht man nicht

Zwei von drei deutschen Unternehmen halten es mit Fehlern von Vorgesetzten in den meisten Fällen so: Gar nicht weiter darüber sprechen. Bei jedem vierten Arbeitgeber gelten Fehlleistungen der Führungsebene sogar als absolutes Tabu. Bevor Fehler des Chefs angesprochen werden, ist es sogar eher Praxis, im Unternehmen über familiäre oder gesundheitliche Probleme zu sprechen. Nur ein Thema gibt es, über das noch seltener gesprochen wird, als über Fehler: Das Gehalt. Drei von vier Arbeitnehmern geben an, dass Gespräche zum Lohnzettel in ihrem Arbeitsalltag Tabu sind.

Konfliktkultur: Führungskräfte haben Vorbildwirkung

„Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren„, sagt Studienleiter Hans Schlipat. Führungskräfte, die nicht bereit sind, auch über eigene Fehler zu sprechen, gefährden die gesamte Unternehmenskultur.  „Das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird“, so Schlipat. Laut Studie haben die Vorstandsvorsitzenden oder Vorsitzenden der Geschäftsführung den mit deutlichem Abstand größten Einfluss auf die Leitkultur ihres Unternehmens. Eine positive Unternehmenskultur wirkt sich nicht nur auf das Arbeitsklima aus, sondern auch auf den wirtschaftlichen Erfolg. „Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene ist essenziell, um einen kulturellen Wandel in einem Unternehmen zu bewirken“, sagt Schlipat. Laut Studie zeichnen sich ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert und gemeinsame Überzeugungen durchgängig in allen Hierarchien gelebt werden.

Bildnachweis: ra2studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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