Der Chef als Facebook-Freund? Für jeden Vierten ein No-Go

von in Social am Dienstag, 20. November 2012 um 08:15

Social Media sind Alltag. Mehr als 2,8 Millionen Österreicher haben ein Facebook-Profil, die Freundeslisten werden länger und haben längst den Arbeitsplatz erreicht. Die Sicherheitsbedenken, die anfangs noch groß waren, sind heute oft vergessen. Durch private Kontoeinstellungen und Freundes-Gruppen sind die eigenen Postings sicher, denken viele. Dennoch würden sich laut aktueller karriere.at-Umfrage 27 Prozent der Arbeitnehmer niemals mit Kollegen und Chefs befreunden. Weshalb dies zwar gut, oft aber kein ausreichender Schutz ist, erklärt AK-Rechtsexpertin Helga Kempinger.

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„Privates bleibt privat!“

„Social Media: Sind Sie mit Chefs und Kollegen befreundet?“ Auf diese karriere.at-Online-Umfrage antworteten, wie eingangs erwähnt, 27 Prozent der Teilnehmer mit einem strikten: „Niemals! Privates bleibt privat!“ Für gut die Hälfte der 519 befragten Arbeitnehmer ist es in Ordnung, sich mit ausgewählten Kollegen zu befreunden. 18 Prozent meinen, eine Facebook-Freundschaft im Büro sei in Ordnung, wenn man sich mit Postings zurückhalte. Uneingeschränkte Mitteilungslust verspüren nur zwei Prozent: „Ist doch egal, wer was liest“ meinen sie.

Alles unter Kontrolle, oder?

Doch ist es wirklich egal, wer was liest und kann man selbst exakt steuern, welche Informationen wem zugänglich gemacht werden? Wohl eher nicht. Denn zum einen ist es nicht hundertprozentig sicher, dass Verborgenes (etwa auf Facebook) auch wirklich verborgen bleibt. Durch Änderungen der Website kam es das eine oder andere Mal schon zu Pannen. Andererseits ist es angesichts der sehr hohen durchschnittlichen Freundeszahl von 150 Personen sowie der zunehmenden Vernetztheit der Welt heute schwer zu sagen, mit wem man sein virtuelles Privatleben teilt.

Der Sohn der Schwester vom Vater meines Nachbarn ist mein Chef

Denn wer weiß schon so genau, ob nicht der Schulfreund, mit dem man gerade über nervige Kollegen schreibt, der Neffe eines solchen ist? Oder – noch schlimmer vielleicht – der Partner? Die Welt ist ein Dorf, und das auch virtuell. Und Beziehungen, die früher nie aufgekommen wären, sind durch Angaben wie „gemeinsame Freunde“ heute gut nachvollziehbar. Und das mit einem Mausklick. Zugegeben, solche Zufälle hat es schon immer und wird es wohl auch immer geben – in der „wirklichen“ Welt und virtuell. Doch neben diesen gibt es auch Unvorsichtigkeiten, die als „Facebook Fails“ dokumentiert sind.

„Man sollte grundsätzlich vorsichtig sein“

Helga Kempinger

Helga Kempinger

Dass es eindeutig nicht immer egal ist, wer was liest, weiß auch Helga Kempinger, Leiterin der Abteilung Rechtschutz an der Arbeiterkammer Linz. Ob als Scherz gemeint oder mit ernstem Hintergrund: Wer etwa über die Arbeit, einen Kollegen oder den eigenen Chef schimpft, riskiert viel. „Wer lästert, riskiert die Auflösung des Dienstverhältnisses bis hin zur fristlosen Entlassung. Zudem kann es zur Klage wegen übler Nachrede kommen“, erklärt sie. Auch das absichtliche oder unabsichtliche Ausplaudern von Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Arbeit und Facebook: Das wahre No-Go

Auch für Arbeitnehmer im Krankenstand gelten eigene „Facebook-Regeln“. Einfach gesagt ist es mehr als unklug, als Grippepatient Partyfotos zu posten. „Man muss freilich vor einem Urteil den jeweiligen Sachverhalt prüfen. Ein Verhalten im Krankenstand, das die Gesundung verzögert, kann jedoch ebenfalls ein Entlassungsgrund sein“, so Kempinger. „Meine persönliche Meinung ist: Auf Facebook gehört nichts, was das Arbeitsverhältnis betrifft.“ Wer online postet, so die Juristin, sollte sich zwei Dinge stets vor Augen halten. 1. Man ist  nie davor gefeit, dass Informationen ungewollt weitergegeben werden. 2. Kommentare in Social Media sind einer Halböffentlichkeit zugänglich.

Die Hälfte der Arbeitgeber ist mit ausgewählten Mitarbeitern befreundet

So viel zu den Arbeitnehmern. Doch wie sieht es auf der Seite der Arbeitgeber aus? Befreunden sich diese mit Mitarbeitern? Laut der karriere.at Online-Umfrage ist es für 23 Prozent der Unternehmensvertreter ein absolutes Tabu, sich mit Mitarbeitern auf Facebook & Co. zu befreunden. Für 50 Prozent der 276 Befragten ist es hingegen in Ordnung, mit ausgewählten Kollegen verknüpft zu sein. Knapp jeder fünfte Befragte gibt an, mit Mitarbeitern zwar Freund zu sein, jedoch auf den Inhalt von Postings besonders zu achten. Viermal so viele Unternehmensvertreter wie Arbeitnehmer (acht Prozent) gaben hingegen an, auf jeden Fall und ohne Bedenken mit den Mitarbeitern über Social Media verknüpft zu sein.

Gibt es einen „Freundes-Knigge“?

Ausgestattet mit einer gesunden Portion Vernunft und Vorsicht sollten die beiden Bereiche Social Media und Beruf sich nicht in die Quere kommen. Eine Frage gilt es da jedoch noch zu klären. Was ist, wenn einen der Chef als Freund anfragt? Pauschale Antwort kann man auf diese Frage leider keine geben. Je nachdem, welches Verhältnis in der Firma allgemein und zu der Person im Speziellen besteht, sollte die Entscheidung für oder gegen eine Zusage getroffen werden. Freilich ist es auch so, dass man vor einer Freundschaftszusage seine Postings bzw. die Privatsphäreeinstellungen überdenken sollte.

Bildnachweis: döS / Quelle Photocase, AK OÖ

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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