Wissen Sie, was Ihr Chef den ganzen Tag macht?

von in HR am Mittwoch, 30. März 2011 um 13:38

Was machen die da oben eigentlich den ganzen Tag? Stammt dieser Satz aus dem Mund eines Arbeitnehmers, weiß man, was los ist: Ärger über den Chef. Eine Studie renommierter Forscher nahm nun genau dies unter die Lupe: Mit welchen Tätigkeiten verbringen CEOs ihre Zeit? Und aus den Ergebnissen konnten sie einen wesentlichen Schluss ziehen: Würden Vorstände der Kommunikation mit eigenen Mitarbeitern um ein Prozent mehr von ihrer Tagesarbeitszeit schenken, so stiege die Produktivität im Unternehmen um 2,12 Prozent.

Das Berufsbild des Top-Managers erschließt sich für die Normalsterblichen am Ende der Befehlskette nicht immer. Womit verbringt der Konzernchef seinen Tag? Sicher, man weiß, dass er von einem Termin zum nächsten hetzt. Aus Zeitungen und Fernsehen erfährt man, dass ein wichtiges Projekt auf Schiene ist. Und er hält auch den Kopf hin, wenn es darum geht, die gute oder schlechte Bilanz vor Aktionären und/oder der eigenen Belegschaft zu rechtfertigen.

Kommt es aber zu unangenehmen Entscheidungen des Managements, die sich auf die Mitarbeiter auswirken, ist das Vertrauen in die Chefetage bei vielen dann gleich dahin. Eben auch, weil man in größeren Konzernen den Big Boss in der Regel eher selten dort sieht, wo die „wirkliche“ Arbeit gemacht wird.

60 Prozent der Zeit in Meetings

Dass dies aber keinesfalls schaden würde, fördert nun die Studie von vier Professoren von den drei Top-Unis Harvard, London School of Economics und dem European University Institute zutage, über welche die Plattform silicon.de berichtet. Die Forscher nahmen dafür die Tagesabläufe von 94 Unternehmensleitungen aus Italien unter die Lupe und dokumentierten genau, was diese die ganze Woche während deren Bürozeiten taten. Was das war, zeigt folgende Grafik.

Als nächsten Schritt schauten sich die Professoren an, wieviel Zeit davon von den Managern für die Kommunikation mit eigenen Mitarbeitern (42 Prozent), Nicht-Firmenangehörigen (16 Prozent) oder mit gemischten Gruppen (25 Prozent) aufgewendet wurden.

Wenig Zeit für Personalagenden

Interessant vor allem die Stundenverteilung: Während CEOs im eigenen Unternehmen den Finanzabteilungen mit 8,6 Stunden den größten Teil ihrer Zeit schenkten, mussten sich Personalabteilungen mit 5,5 Stunden zufrieden geben. Ein Wert, der nur leicht über der Zeit liegt, die die untersuchten CEOs externen Beratern widmeten: 4,7 Stunden.

1 Prozent Zeit = 2 Prozent Produktivität

Dass Führungskultur und Kommunikation wesentliche Elemente sind, die den Faktor Produktivität und Mitarbeitermotivation beeinflussen, ist bekannt und wird auch laufend von der Wissenschaft mit mahnendem Zeigefinger betont. So gehen beispielsweise laut der jüngsten CZIPIN Produktivitätsstudie im Schnitt 91 von rund 220 jährlichen Werktagen unproduktiv genutzt zu Ende. Hauptgründe laut Studie: Mangelnde Planung und Steuerung, mangelnde Führung und Aufsicht sowie – schlechtes Kommunizieren.

Was die Forscher aus der aktuellen Studie ableiten, schlägt in dieselbe Kerbe: Widmen Top-Führungskräfte nur ein zusätzliches Prozent ihrer Tagesarbeitszeit den eigenen Mitarbeitern, so betrage der Zugewinn an Produktivität 2,12 Prozentpunkte.

„Undercover Boss“

Ein Ansatz (die eingangs erwähnte Unterstellung von Mitarbeitern, dass die Führungsebene gar nicht wisse, was wirklich an der Front geschehe), der nun auch im deutschsprachigen TV, nämlich auf RTL umgesetzt wird: Mit dem eigentlich aus England stammenden Format „Undercover Boss“ (Montag, 21.15 Uhr). Ein CEO wird verkleidet in die Firma eingeschleust und von einem Kamerateam begleitet – getarnt als Dokumentarfilm über einen Brancheneinsteiger. Einen Trailer dazu gibt es hier zu sehen.

Wer mehr dazu lesen möchte: Sowohl Tobias Kärcher vom atenta-Blog „Wollmilchsau“ wie auch Marcus Tandler in seinem JoBlog haben sich beide mit dem bei uns neuen Format auseinandergesetzt. Lesenswert.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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