Die Arbeitswelt der Frau S.: Chaos vs. Ordnung am Arbeitsplatz

von in Arbeitsleben am Montag, 10. Dezember 2012 um 11:30

Perfekt durchorganisiert oder doch eher der chaotische Typ? In der Arbeit findet man sie alle. Von jenen, bei denen alles pikobello aufgeräumt ist und sogar die Bleistifte der Größe nach geordnet sind, bis hin zu jenen, die vor lauter Post-Its kaum noch ihren Bildschirm sehen und deren Schreibtisch in erstklassigem Chaos versinkt. Gibt es aber hier auch Unterschiede im Arbeitsergebnis? Bedeutet Unordnung auch gleichzeitig einen chaotischen Arbeitsstil? Oder vergessen die anderen vor lauter Zusammenräumen, auf ihre eigentliche Arbeit?

Eine Gastkolumne von Sandra Gortva

Chaos mit System

In vielen Unternehmen wird auch heute noch Ordnung mit gesteigerter Produktivität und besserer Effizienz gleichgesetzt. Wer im Schreibtisch-Chaos versinkt, scheint zu viel Zeit damit zu verbringen, wichtige Notizen und Zahlen zu suchen, anstatt sich auf die wesentliche Arbeit zu konzentrieren. Was passiert aber wenn man die vermeintlich Chaotischen ihren Arbeitsplatz strukturieren und aufräumen lässt? Bei vielen dürfte dann wirklich das wahre Chaos ausbrechen. Denn ob man es glaubt oder nicht, bei den meisten steckt tatsächlich ein System dahinter. Ein geheimes, nicht durchschaubares zwar – aber immerhin ein System. Lässt man sie jetzt zusammenräumen, fängt die eigentliche Suche an und das Abdriften in das Chaos  geht erst richtig los… „Früher hatte ich es immer hier, wo habe ich es bloß hingeräumt?!“ Also, solange die vermeintlich chaotischen ihre Arbeit erstklassig erledigen und keine Kunden diesen Arbeitsplatz zu Gesicht bekommen, sollte man vielleicht das eine oder andere Auge zudrücken.

Chaos ohne System

Gut, das wäre mal die eine Gruppe der „kreativen Chaoten mit geheimen Überblick“. Allerdings gibt es leider auch jene, die einfach nur kreativ chaotisch scheinen, selbst aber den Überblick über ihr Arbeitsimperium längst verloren haben. Da hilft nichts anderes mehr, als sich geschlagen zu geben und schleunigst ein System zu finden. Vor allem ist es nicht nötig, sämtliche Utensilien, die man so im Laufe eines Bürolebens braucht, am Tisch zu sammeln. Die Rede ist von Locher, Klammermaschine, etc. Das kann alles ruhig in einer Lade verstaut werden. Am Arbeitsplatz braucht man auch definitiv nicht mehr als drei Projekte zu liegen haben. Die ordnet man dann wieder nach Priorität. Mehr kann man ohnehin schwer gleichzeitig abarbeiten. Bevor sich die Notizzetteln und Post It’s zu Hunderten stapeln – anstatt alles aufschreiben, einfach mal gleich erledigen. Denn die meisten Dinge, die darauf vermerkt sind, sind ohnehin Tätigkeiten, die mit einem Schreiben, Anruf oder Handgriff erledigt wären – wenn man jetzt mal ganz ehrlich zu sich ist.

Schreibtische des Grauens

Ein weiteres Gräuel sind auch die „persönlichen Gegenstände“. Es ist ja total legitim, seinem Schreibtisch einen eigenen Touch zu verpassen. Manche neigen hierbei allerdings zu dramatischen Übertreibungen. Da bekommt man schon mal das Gefühl, in einem Tropenhaus zu arbeiten oder dass der oder die Arbeitskollegin ihre komplette Freizeit auf Schießständen an Jahrmärkten zubringt und sämtliche plüschige Beute im Büro deponiert. Irrwitzige Bilderrahmen mit Privat-Schnappschüssen und überkitschige Souvenirs gehören ebenfalls in die Liste der „Worst- Schreibtisch-Verschönerungs-Utensilien“. Also Finger weg von zu viel persönlichem Kram! Das schafft letztendlich auch wieder enorm viel Platz am Schreibtisch. Die Arbeitskollegen werden es einem wahrscheinlich auch recht danken.

Arbeitsplatz = Arbeitsstil?

Jetzt bleibt noch die Frage offen – wer arbeitet denn jetzt am besten? Ich persönlich würde jetzt nicht sagen, dass ein ordentlicher Arbeitsplatz gleich einen besseren Arbeitsstil vermuten lässt. Denn auch hier könnte man eine Gegenfrage stellen: Haben diejenigen, die einen super penibel aufgeräumten Arbeitsplatz haben, nichts anderes zu tun als aufzuräumen? Eine sehr gemeine Aussage, aber wer weiß, vielleicht steckt bei dem ein oder anderen ein Fünkchen Wahrheit dahinter.

Wie auch immer man jetzt geartet sein möge. Ein Arbeitsplatz oder Schreibtisch, an dem wirklich noch Platz zu arbeiten ist, macht sich im Job einfach besser. Es muss jetzt aus jedem chaotischen Arbeitstyp nicht gleich ein pingeliger Bürokrat werden, aber ein klein wenig offensichtliches System schadet bestimmt nicht.

Zum Abschluss würde mich aber am meisten interessieren, wie schauen eure Arbeitsplätze aus, oder diejenigen der Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen? Gibt es hier Parallelen zum Arbeitsstil? Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen!

Über die Autorin:

Man könnte mich als Globetrotterin der Arbeitswelt bezeichnen. Die verschiedensten Wege bin ich bereits gegangen und unterschiedlichste Jobs sowie Job-Positionen haben meine berufliche Reise geprägt. Manch einer wird sich deswegen bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden. Wenn nicht, dann vielleicht zumindest den einen oder anderen Tipp und Trick für seinen Weg mitnehmen können. Die Welt der Arbeit mal von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mittendrin und voll dabei lautet bei mir das Motto (auch in meinem Blog: santown’s blog). Viel Spaß beim Eintauchen in die Arbeitswelt der Frau S.!

Bisher erschienen:

Bildnachweis: Colourbox

Redaktion

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