Chaos im Büro: Warum Unordnung nicht immer beim Denken hilft

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 25. Januar 2012 um 14:35

Jeder kennt das Gefühl: Man betritt einen turbulenten Raum und hat gleich das Bedürfnis, Ordnung in das Chaos zu bringen, dem ganzen Struktur zu geben. Oder auch den Messie-Schreibtisch seines Kollegen einer Generalsanierung zu unterziehen. Glaubt man einer niederländischen Studie, sei Ihnen geraten: Lassen Sie ja die Finger davon! Denn unordentliche Umgebungen helfen dabei, klare Gedanken hervorzubringen. Wermutstropfen für überzeugte Schreibtisch-Chaoten: Das Ganze funktioniert am Besten, wenn man die Unordnung nicht selbst erzeugt hat.

„Ordnung braucht nur der Dumme. Das Genie beherrscht das Chaos.“ So oder so ähnlich soll es von Albert Einstein gekommen sein – Physiker, Nobelpreisträger, Graue-Zellen-Akrobat. Ein Satz, der anscheinend nicht nur auf seine persönliche Arbeitsweise zutreffend gewesen sein dürfte. Denn laut einer im Vorjahr erschienenen Studie der Universität Groningen (publiziert im Journal of Consumer Reserach) können unordentliche Umgebungen dabei helfen, selbst klarer zu denken.

Der Versuch: Unter anderem wurden die Untersuchungsteilnehmer an Schreibtische gesetzt, die entweder absolut chaotisch waren, andere wiederum aufgeräumt, weitere völlig leer. Nachdem abgetestet wurde, wie sehr sie in ihrem Leben generell nach Einfachheit streben und wie ihre derzeitige persönliche Befindlichkeit ist, wurde ihnen aufgetragen, bestimmte Produkte in Gruppen zu sortieren. Auch wurde getestet, wofür die Probanden prinzipell mehr Geld ausgeben würden: Für ein T-Shirt mit einfachem oder komplexem Aufdruck.
Im zweiten Teil des Experiments sollte ausgetestet werden, inwieweit sich der Drang Ordnung zu schaffen auch auf Geschäftslokale umlegen lässt: Also inwieweit die Teilnehmer Produkte in einem schlecht sortierten Geschäft gewissen Kategorien zuordnen können.

Ordnungs-Freaks profitieren stärker vom Chaos anderer

Ergebnis: Unordnung fördert unsere Fähigkeit, klar zu denken. „Die menschliche Natur sträubt sich gegen Unordnung. In kulturell unterschiedlichem Ausmaß versuchen wir stets, Organisation in unser Umfeld zu bringen“, zitiert die News-Plattform pressetext.com Studienleiterin Jia Liu. Besonders gut funktioniere das klare Denken vor allem in Situationen, die man selbst nicht ordnungsmäßig beeinflussen könne – also beim Anblick des unordentlichen Kollegen-Tisches oder dem Supermarkt ohne Konzept – weil das Gehirn zu kompensieren versuche, so die Forscherin.

Zeitgenossen, die seit jeher auf kreatives Chaos vertrauen, sollten sich daher nicht zu früh freuen, da man das hilfreiche Chaos nicht selbst erzeugen sollte. Anders gesagt: Ordnungsliebende profitieren stärker vom Chaos anderer als jene, die es locker mit klaren Strukturen nehmen.

Alle jene, die sich also über ihre unordentlichen Bürokollegen ärgern – hören Sie auf damit! Vielleicht ist es ja das kreative Chaos ihres Sitznachbarn, das Sie erst so richtig gut werden lässt!

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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