Business-Yoga: Wie man strukturierte Entspannung lernen kann

von in Arbeitsleben am Montag, 28. Januar 2013 um 11:14

Stress, Termindruck und vielseitige Belastungen zehren täglich an unseren Kräftereserven. Beim Laufen im Hamsterrad wird leider schnell auf sie vergessen: die eigene Gesundheit. Ein Ausbrechen aus der Mühle ist möglich – durch ein Eintauchen in eine andere Welt namens Yoga. Genauer gesagt Business-Yoga. Trainerin und Unternehmensberaterin Helga Sonntagbauer erklärt, wie man strukturierte Entspannung erlernen und im Arbeitsalltag wieder abrufen kann.

„Das Entspannte hat keinen Platz mehr“

„Funktionieren zu müssen ist heute ein großes Schlagwort. Man steht in der Früh auf und geht als erstes den bevorstehenden Tag durch. Und für viele Menschen beginnt da schon der Stress. Stress an sich ist ja durchaus etwas Gutes, ein Flow, der uns in Bewegung setzt. Wenn er aber zu lange dauert und nicht abgebaut wird, ist er sehr ungesund. Das ruhige Entspannte hat gerade in der Arbeitswelt keinen Platz mehr. Dabei wäre es enorm wichtig, und zwar für Führungskräfte und Mitarbeiter, dieses in den Arbeitsalltag zu integrieren“, erklärt Sonntagbauer. Die Unternehmensberaterin, die ursprünglich aus dem Bankbereich kommt, ist 2009 auf Yoga gekommen. Durch Zufall.

Die Kunst der richtigen Atmung

„Ich wäre vorher nie auf die Idee gekommen, einen Kurs zu besuchen, sondern war stark auf dem Lauftripp. Eher zufällig bin ich durch ein Seminar hineingerutscht und habe irrsinnig darauf angesprochen.“ Sonntagbauer praktiziert Kundalini-Yoga, welches die Basis von Business-Yoga ist. „Es gibt zahlreiche Yoga-Richtungen und die Umsetzung hängt auch stark vom jeweiligen Lehrer ab. Beim Business-Yoga wird viel Wert auf die Atmung und auch die Spiritualität gelegt.“ Zusätzlich geht Business-Yoga stark in den Coaching-Bereich und unterscheidet sich so von anderen Kursen.

„Funktioniert auch im Bürosessel“

Helga Sonntagbauer

Helga Sonntagbauer

Ziel ist es, strukturiertes Entspannen zu lernen. Zu sich zu kommen, die Energien, die den ganzen Tag abfließen, zurückzuholen. „Das passiert aber nicht von selbst, man muss es aktiv machen und sich Zeit holen. In kurzen Sequenzen in die völlige Entspannung zu gehen ist möglich und kann so weit in den Alltag integriert werden, dass es sogar im eigenen Bürosessel funktioniert. Der Kopf hat dann Pause“, erklärt die diplomierte Yoga-Lehrerin.

Den Energiefluss stören oder unterstützen

Bei ihrer Arbeit in den Unternehmen geht es der Unternehmensberaterin darum, Impulse zu setzen. Zu zeigen, was Business-Yoga kann und dass die Entspannung auch im Büro Platz hat. „Mir ist es auch wichtig, Bewusstseinsarbeit zu leisten. Dass die Menschen verstehen, was sie mit ihrem Körper machen und dass sie durch ihre Körperhaltung den eigenen Energiefluss stören oder unterstützen können. So erkläre ich etwa, warum man gerade sitzen oder die Beine nicht überschlagen sollte. Das Ziel ist erreicht, wenn die Leute sich im Arbeitsalltag immer wieder daran erinnern.“

Gemeinsamen Durchatmen verbindet

Dass immer mehr Manager und Führungskräfte die Idee mittragen und vorleben, freut Sonntagbauer sehr. „Generell steckt Österreich bei dem Thema Selbst- und Entspannungsmanagement noch in den Kinderschuhen, Deutschland ist dabei ein großer Vorreiter und sehr offen für diese Ideen. So kommt es etwa immer öfter vor, dass die Führungskräfte vor einem wichtigen Meeting zum gemeinsamen Durchatmen einladen. Das sorgt nicht nur für einen klaren Kopf, es verbindet auch.“

Manager: Mehr Klarheit, Geduld und Gelassenheit

Die Rückmeldungen, die Sonntagbauer auf ihre Kurse und Workshops erhält, sprechen eine deutliche Sprache. „Die Führungskräfte berichten von mehr Klarheit in der Kommunikation, Geduld und Gelassenheit. Kundalini-Yoga fördert auch das reflektierende Denken und hilft oftmals dabei, die Mitarbeiter besser zu verstehen“, so die Unternehmensberaterin. Auch Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen werden durch das Training weniger oder verschwinden ganz.

Mindestens 100 Prozent mehr Wohlfühlfaktor

Harald Markon

Sonntagbauer unterrichtet nicht nur in Unternehmen, sondern auch in offenen Klassen (nächster Kursstart am 29. Jänner in Linz). „Die Teilnehmer bringen oft Themen aus der Arbeit mit in den Kurs, darüber reden wir dann.“ Einer ihrer Yoga-Schüler ist der Linzer Architekt Harald Markon. „Ich habe viel Stress im Beruf und hohen Termindruck. Durch Yoga wurde ich ruhiger, habe mehr Energie und das spezielle Atmen hat meinen Wohlfühlfaktor um mindestens 100 Prozent erhöht.“

Bildnachweis: PEP Consulting, Markon

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren