Netzwerken beim Business-Lunch: Essen Sie noch oder netzwerken Sie schon?

von in Arbeitsleben am Montag, 5. November 2012 um 11:25

Stichwort Netzwerken: Beim Reden kommen die Leute zusammen. Und: Am Essen erkennt man, wie ein Mensch arbeitet. Geschäftsessen, Firmenfeiern oder das obligatorische Mittagessen  in der Kantine sind nicht nur der Hort für Gerüchte sondern auch eine gute Gelegenheit abseits von Klatsch und Tratsch Netze zu spannen und neue Kontakte zu knüpfen. Wie man das tut, ohne sich vor Scham den Nachtisch in den Mund zu stopfen, verrät der folgende Artikel.

Von Rita Obergeschwandner

Die heiße Schlacht am kalten Büffet: Reden schafft Nähe

Nicht jedem Mensch ist Sprachgewandtheit, Grazie und Selbstbewusstsein in die Wiege gelegt worden. Für viele kommt der Gang ans Buffet dem zum Schafott nahe – besonders wenn man niemanden kennt und man dazu verdammt wäre, den Abend allein an einem Tisch zu verbringen. Dieses Szenario ist aber ein No-Go, wenn sich mindestens eine Person in der Nähe aufhält, dessen Bekanntschaft für die Karriere förderlich wäre. Und auch keineswegs notwendig.

Der perfekte Small Talk beginnt im Bett am Abend davor. Stellen Sie sich folgende Fragen: Worüber würde ich gerne sprechen? Über welches positives Ereignis in meinem Leben? Was macht mir Spaß? Was ist mir im Leben wichtig? Welcher Schmäh ist bei Freunden gut angekommen und ist buffetkompatibel – sprich weder ordinär noch unappetitlich? Kreieren Sie fiktive Dialoge, spielen Sie Szenarien durch.

Wichtig ist, ein Klima zu schaffen, dass den anderen ermutigt sich zu präsentieren und Ihnen die Möglichkeit gibt, sich selbst gut zu verkaufen. Falls es in der Praxis nicht beim ersten Gespräch perfekt funktioniert: Übung macht die Meisterin und den Meister. Trockentrainings mit Freundin oder Freund bieten sich an.

Themenmäßig ist alles erlaubt, was positiv konnotiert ist: Weiterbildungen, Sport, Reisen, Kultur, Mode, Essen und in absoluten Notfällen das Wetter. Zwei Beobachtungen der Autorin: 1. Erschreckend aber wahr: Viele machen sich wenig Gedanken und sprechen wirklich darüber wie kalt es denn nicht geworden ist (eine Eigenheit des Herbstes) und alle im näheren Umkreis plaudern (!) begeistert mit. 2. Auch Intendantinnen und Politikerinnen sprechen an feierlichen Buffets im Frauenkreis gerne simpel über ihre Kinder, Erziehung und Schulen. Tipp von mir, der auch immer funktioniert: Zeitung lesen und am Buffet darüber sprechen. Vorsicht allerdings bei politischen Themen – man weiß ja nie ob und welches Parteibücherl der Gegenüber hat.

Dont’s fur die Aufwärm/Kennenlernphase:

  1. Nach dem Beruf oder Gehalt fragen
  2. Intime Fragen über das Privatleben (etwa: Sind sie Single? Haben Sie einen Freund/eine Freundin?)
  3. Gleich mit der Visitenkarte wedeln

Von Dauerrednern, Lästermäulern und Zu-Nahe-KommerInnen

Horrorszenario am Buffet: Ein Gesprächspartner entpuppt sich als dauerquasselnder, über alles und jeden lästernder Wichtigtuer, der bedenklich nahe rückt (eine halbe Armlänge Abstand ist Minimum) – alle außer Ihnen haben sich vertschüsst und hinter Ihnen ist eine Pinnwand.

Mögliche (Aus-)Reden um eine Flucht zu legitimieren:

  1. Schön, dass ich Sie kennenlernen durfte (mit Augenmerk auf die Zeitform)
  2. Da drüben ist XY, ich muss ihn begrüßen
  3. Darf ich Ihnen was vom Buffet mitbringen?
  4. Ich muss mal ins Bad/auf die Toilette/was holen

Damit man nicht selbst GesprächspartnerInnen in die Flucht schlägt, sollte man ebenfalls diese Anstandsregeln beherzigen:

  1. Interesse am Gegenüber und dessen Welt signalisieren
  2. Andere zu Wort kommen lassen und nicht ins Wort fallen
  3. Nicht alles und jeden schlecht finden denn alle wollen ihren Spaß haben
  4. Mindestabstand halten ergo dem anderen nicht auf die Pelle rücken

Kartentausch

Am Ende des Gesprächs kann man die Visitenkarte übergeben, etwa mit Sätzen wie: Das Thema interessiert mich – können Sie mir bitte Unterlagen schicken? Können Sie mir bitte einen Link schicken?

Gewickelt und gebrochen nach Thomas Schäfer-Elmeyer

Bei Zeltfesten am Land ist es fast schon Provokation, das Hendlflügerl nicht mit der Hand zu essen. Bei Geschäftsessen und bei Buffets gilt: Huhn wird zuerst in eine Serviette gehüllt und dann verspeist. Beim Come-together im Freien (Spatenstich …) dürfen Wurstel und Pommes frites mit Händen dem Mund zugeführt werden. Krebsen wird auch händisch zuleibe gerückt, Sushi und Maki darf man sich mit Stäbchen oder aus der Hand schmecken lassen. Brot wird gebrochen, aber nicht getunkt. Knödel werden mit Gabel oder Messer zerteilt. Spaghetti ohne Löffel aufgerollt. Die Serviette platziert man auf den Knien. Wein- und Sektgläser werden am Stiel angefasst, beim Anstoßen blickt man sich kurz in die Augen (niemals wegschauen!). Tipp der Autorin: Ich orientiere mich auch immer an den Sitz- und Gesprächspartnern. Zu gespreiztes Hantieren mit den Tischutensilien, kann bei anderen das Gefühl auslösen, inferior zu sein. Amüsante Small Talks sind auch schon über die Art und Weise der Verspeisung eines exotischen Gerichts entbrannt.

Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Anregungen für die Vernetzung am Buffet!

Lesetipps und Quellen

  • Alles, was Sie über gutes Benehmen wissen müssen, Thomas Schäfer-Elmayer, ecowin-Verlag, 24,90 Euro
  • Small Talk. Nie wieder sprachlos, Stephan Lerner, Ilonka Kunow, Haufe-Lexware, 20,40 Euro
  • Small Talk fur Dummies, Gero Teufert, Wiley-VCH Dummies,  7,20 Euro
  • Manieren in 60 Minuten, Franziska von Au, Thiele Verlag, 8 Euro
  • Tisch-Manieren, Nadine Meyden, Humboldt Verlag, 10,30 Euro

Webtipps

Bildnachweis: colourbox.com

Redaktion

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